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Aktualisiert vor 8 Minuten.

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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Nicht jede Gans bringt Geld

08.11.2019

Diekmannshausen Tagsüber ist der Tisch reich gedeckt, nachts gibt es geschützte Schlafplätze in den Poldern: Für Zugvögel ist die Hunteniederung ein Paradies. Das ist gut für den Naturschutz und mitunter sehr bitter für die Landwirte. Denn unter diesen Zugvögeln waren im vergangenen Jahr auch 30 000 Wildgänse – und das auf nur 600 Hektar Fläche.

Günther Vögel vom Landvolk Altenhuntorf kennt die Problematik seit Jahren. Für die betroffenen Betriebe bedeutet die riesige Zahl an Gänsen hohe Verluste. „Die Vögel picken nicht nur das Gras ab, sondern lassen auch ihre Auscheidungen da. Wenn sie dann bis in den Mai hinein auf den Wiesen sitzen ist das Gras für den ersten Schnitt so verunreinigt, dass es nicht mehr zu gebrauchen ist“, erklärt er. Der erste Schnitt ist für die Milchviehbetriebe in der Wesermarsch die wichtigste Ernte, da das Gras zu dieser Jahreszeit die meisten Nährstoffe hat und als Futter für die Kühe dringend gebraucht wird.

Die betroffenen Landwirte können sich nun Hilfe vom Land Niedersachsen erhoffen. NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und Landwirtschaftskammer informierten am Donnerstagabend in Diekmannshausen über die möglichen Entschädigungen für die Betriebe. Dafür wurde ein neues Verfahren entwickelt, mit dem die Verluste eingeschätzt werden können.

Wie wird gerechnet?

Das „Rastspitzenprogramm“ soll in diesem Winter weiter erprobt werden, erklärten Dr. Julia Delingat vom NLWKN und Mona Stabenow von der Landwirtschaftskammer Ostfriesland. Mit einer „Rastspitze“ meinen die Experten eine besonders hohe Zahl von Wildgänsen auf den Flächen eines Landwirts. Die wirtschaftlichen Ausfälle durch eine solche Spitzenanzahl an Vögeln sollen gemessen und eine Erstattung berechnet werden.

Der betroffene Landwirt muss dafür die geschädigte Fläche an die Landwirtschaftskammer Niedersachsen melden. Bei einer Begutachtung durch eine Kommission wird der Schaden dann noch vor dem ersten Schnitt ermittelt. Um den Ernteausfall zu beziffern, wird die von der Landwirtschaftskammer in jedem Jahr ermittelte Grünlandreifeprüfung herangezogen. „Mit der Hektarzahl der geschädigten Fläche wird dann der Gesamtertragsverlust berechnet“, erklärt Mona Stabenow. Bei einem Totalverlust könnten dann bis zu 734,68 Euro pro Hektar gezahlt werden. In drei Jahren dürfen jedoch nicht mehr als 20 000 Euro gezahlt werden. Für Flächen, die nicht von einer Rastspitze betroffen sind, aber trotzdem Schäden aufweisen, gibt es noch weitere Ausgleichsprogramme.

„Golfplatzrasen“

„Golfplatzrasen“ – so beschreibt Julia Delingat eine Grünlandfläche mit wirtschaftlichem Totalverlust. Das Gras ist dann zur Zeit des ersten Schnitts nicht höher als drei Zentimeter gewachsen. Die Kommission, die diesen Schaden im Frühjahr unter die Lupe nimmt, soll vier Wuchshöhenmessungen auf dem betroffenen Feld vornehmen. Eine davon soll bestenfalls an einer nicht so stark betroffenen Stelle durchgeführt werden. In der Kommission vertreten sind Landwirte, Vertreter des NLWKN und der Landwirtschaftskammer.

Wer bekommt Geld?

Nicht jeder Landwirt, dessen Felder von den Wildgänsen geschädigt wurden, kann die Ausgleichszahlungen in Anspruch nehmen. Denn das Rastspitzenprogramm findet nur auf Flächen innerhalb von Vogelschutzgebieten Anwendung. Momentan werden nur drei Vogelschutzgebiete berücksichtigt: die Hunteniederung sowie die Marschen am Jadebusen und in Butjadingen. Hier gelten strenge Schutzbestimmungen. Die Vögel dürfen während ihrer Rast nicht gestört werden.

Das stößt auf Kritik bei den Landwirten. „Die Vögel wissen nicht, wo die Vertragsfläche liegt“, erklärt Günther Vögel. „Die wissen aber, wo es schmeckt und wo es die meisten Nährstoffe gibt, nämlich auf den extensiv bewirtschafteten Flächen.“ Zwar dürfen die Landwirte die Gänse außerhalb der Schutzgebiete verjagen, aber das klappt nur selten. „Man kann da dreimal am Tag hinfahren und knallen, die kommen sofort wieder“, sagte ein betroffener Landwirt. „Und unser Futter ist weg.“ Das müsse sich ändern, forderte Manfred Ostendorf, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes. „Alle betroffenen Landwirte müssen entschädigt werden.“

Thema bleibt brisant

Das Thema wird weiter aktuell bleiben, denn die Bestände der Wildgänse steigen noch an. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nonnengans oder Weißwangengans mit Heimat in Russland fast ausgestorben. Heute gibt es ein bis zwei Millionen Exemplare. Ähnlich sieht es bei den Blässgänsen aus, bei ihnen schwächt sich das Wachstum der Bestände aber langsam ab, sagte Julia Delingat.

Friederike Liebscher Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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