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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Ein Händchen für die Köpfe

20.01.2009

BRAKE „Eigentlich wollte ich Seefahrer werden“, sagt Werner Ohlrogge und schmunzelt. „Aber mein Vater, der selbst Kapitän war, hat das nicht erlaubt“. Der wusste nur zu gut, dass man dann kaum zu Hause sein würde, vermutlich sollte Sohn Werner deshalb ein bodenständiges Handwerk erlernen. So sind dem Friseurmeister und Kaufmann zwar die Reisen um die Welt versagt geblieben, aber trotzdem blickt der 73-Jährige auf ein bewegtes Leben zurück – beruflich und privat.

Von Bremen kommt die Familie in den Kriegswirren 1943 nach Elsfleth. Hier beginnt Werner Ohlrogges berufliche Laufbahn. 1950 fängt er seine Lehre im Salon Bergmann in der Mühlenstraße an. „15 Mark gab es damals pro Monat“, erinnert sich Ohlrogge. Dank seiner Scherenkünste gibt es reichlich Trinkgeld und so hat der 15-Jährige schnell mehr in der Tasche als nur den kargen Monatsverdienst. Damals betrug die Lehrzeit noch vier Jahre und es wurde 48 Stunden in der Woche gearbeitet.

Arbeiten bis 22 Uhr

Nach der Lehre wechselt Ohlrogge nach Brake und fängt im Herrensalon Helmers an, beim damaligen Obermeister der Innung. Arbeitszeiten bis kurz vor 22 Uhr, um noch den letzten Zug nach Elsfleth zu erreichen, sind hier keine Seltenheit. Das stört den angehenden Friseur nicht, ihm fehlt die berufliche Perspektive: „Ich wollte doch Damenfriseur werden.“

1955 fängt er deshalb bei Karl Bogena in Bremen-Vegesack an. Bogena ist zu seiner Zeit ein „Starfriseur“, der mit seinen Kreationen sogar Deutscher Meister wird. Hier lernt Ohlrogge endlich die neuesten Schnitte für die Damen kennen – und natürlich für Herren und Kinder. Außerdem das Herstellen von Perücken. Die Haarteile bezieht der Salon Ohlrogge noch heute von der von Bogena aufgebauten Perückenfabrik in Vegesack.

Nach einem kurzen Intermezzo in einem Friseursalon in Bremen-Hemelingen und dem Besuch der Meisterschule in Oldenburg erreicht Werner Ohlrogge der Hilferuf von Otto Maslak aus Brake, der eine Urlaubsvertretung sucht. „Eigentlich wollte ich nach der Meisterschule erst mal gar nichts machen“, gesteht Ohlrogge. „Aber ich konnte nicht nein sagen.“

Bei den geplanten drei Wochen bleibt es nicht, Maslak sucht einen Nachfolger für seinen Salon in der Breiten Straße. So übernimmt Werner Ohlrogge schließlich zum 1. Januar 1959 den Salon, der sich damals im Gebäude neben dem heutigen Geschäft befand. Nach drei Wochen Umbauzeit eröffnet der 23-Jährige am 26. Januar seinen eigenen Frisiersalon.

Nur fünf Tage später heiratet er die Nichte seines Vorgängers, mit der er später vier Kinder haben wird. Zeit zum Flittern hat das junge Paar nicht, erzählt Ohlrogge: „Nach der Trauung ging es gleich wieder ins Geschäft“.

Ein Fiasko droht

1963 kauft Ohlrogge das Nachbargebäude. „Wir platzten damals aus allen Nähten“, erinnert sich der Friseurmeister. Doch diese Investition droht ein Fiasko zu werden. „Plötzlich blieb die Kundschaft weg“, berichtet Ohlrogge. „Für die Braker waren wir nach dem Umbau zu vornehm.“ Die Marine „rettet“ ihn, manchmal werden den Soldaten die Haare wie am Fließband geschnitten. Und bald kommen auch „die Braker“ wieder.

Mit Schulungen auswärts und im Salon bleiben der Friseur und seine Angestellten stets auf dem neuesten modischen und fachlichen Stand. Sein Wissen gibt Ohlrogge gern weiter: Im Laufe der 50-jährigen Firmengeschichte wurden 80 Ausbildungsverträge geschlossen. Die Ausbildung liegt seiner Tochter Gesa, die nach Ausbildung und Meisterschule seit fünf Jahren das Familienunternehmen weiter führt, ebenfalls am Herzen: drei Auszubildende werden derzeit beschäftigt – neben den vier „Stamm“-Mitarbeitern.

Werner Ohlrogge, der „eigentlich immer nichts tun wollte, aber dann doch immer genug zu tun hatte“, hat nie bereut, dass er Friseur geworden ist und sich sein Seefahrer-Traum nicht erfüllt hat. Denn wenn ihn doch mal das Fernweh packt, dann geht er zum Binnenhafen: Hier wartet das eigene Boot auf ihn.

Torsten Wewer Elsfleth / Redaktion Brake
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