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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Beruf: Ein Händchen für gute Jahrgänge

22.07.2017

Seefeld /Nordenham Als die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers 2008 Konkurs anmeldete und mit diesem Schritt die weltweite Finanzkrise auslöste, fragte sich Martin Diekmann, ob er den Menschen eigentlich die Wahrheit sagt. Als Börsenreporter der Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland (FTD) analysierte er Tag für Tag Investmentfonds aus aller Welt – und zwar mit Sitz in seinem Elternhaus in der früheren Nordenhamer Wäscherei Diekmann.

Der Journalist brauchte einige Monate, ehe er die für ihn existenzielle Frage beantworten konnte. Doch als er die Antwort wusste, kündigte er von einem Tag auf den anderen. Ohne eine Idee, wie es weitergehen sollte. Seine Frau Insa war nicht begeistert.

Der Familienvater brauchte zwei Jahre, bis es für ihn auf einer anderen Schiene weiterging – und wieder führt sie in alle Welt: Whisky.

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Martin Diekmann, Jahrgang 1968, war schon über 20, als er seinen ersten trank: einen Highland Park von den Orkneys. Er hatte ihn auf Helgoland gekauft, wohin er Anfang der 90er mit seinen Eltern Peter und Luise gesegelt war. 1997 fuhr er mit seiner damaligen Freundin zum ersten Mal nach Schottland. „Aber nur der Landschaft wegen“, erzählt er mit einem Lächeln. „Unterwegs habe ich zwei Whisky bestellt.“ Er trank eben am liebsten Bier.

Mit Oliver Morawietz

1998 war wieder in Schottland, diesmal mit seinem Freund Oliver Morawietz aus Nordenham, einem ausgewiesenen Whisky-Kenner. Und der brachte ihn auf den Geschmack.

Zu dieser Zeit studierte Martin Diekmann Umweltwissenschaften in Lüneburg, nebenbei spekulierte er ein wenig mit Aktien. Im Jahr 2000 war er mit seinem Studium fertig und bewarb sich um Stellen – ohne Erfolg. Und weil er in seinem Studium als freiberuflicher Lokalreporter gearbeitet und an der Börse spekuliert hatte, bemühte er sich auch um eine Ausbildung beim Finanzblatt „Der Fonds“ – diesmal mit Erfolg.

Eine verrückte Zeit

Im Jahr 2000 hatte die Aktienblase ihren Höhepunkt erreicht, Finanzreporter wurden gesucht – auch von der Financial Times Deutschland. Der Hamburger Ableger des britischen Wirtschaftsblatts war 1999 gegründet worden. Ohne große Hoffnung bewarb sich Martin Diekmann um eine ausgeschriebene Stelle und wurde genommen – als Redakteur, obwohl er seine zweijährige Ausbildung noch längst nicht beendet hatte. Das war dieser verrückten Zeit geschuldet, weiß Martin Diekmann: „Zwei Jahre später wäre ich nicht einmal am Pförtner vorbeigekommen.“

Wenige Monate danach war es mit seiner Redakteursherrlichkeit schon wieder vorbei: Er wurde entlassen, aber als freier Mitarbeiter weiterbeschäftigt. „Ich habe die gleiche Arbeit für weniger Geld gemacht.“

Dennoch: Martin Diekmann war stolz auf seinen Job. 2005 zog er von Lüneburg in sein Elternhaus um.

Schon 2004 berichtete er für die Weekend-Beilage der FTD über das erste Whisky-Seminar der Brennerei Bruichladdich auf der Insel Islay, die auch seinem Freund Oliver Morawietz so ans Herz gewachsen ist. „Du musst dich da reintrinken“, verrät er sein gar nicht so geheimes Geheimrezept.

Und so kam es, dass er 2011 die ersten beiden Whisky-Fässer kaufte – einen Caol Ila von 1980 und einen Caper Donich von 1972. „Recht gute Namen und gute Jahrgänge“, wusste er, probierte aber vorsichtshalber – wie immer seitdem. Er ließ Flaschen abfüllen und verkaufte sie bei der weltweit angesehenen Whisky-Messe in Limburg. Dennoch war er überrascht, wie gut sie gekauft wurden. Die neue Geschäftsidee war geboren.

Zu diesem Zeitpunkt wohnten Insa und Martin Diekmann mit ihren Kindern Carl (jetzt 11) und Ada (jetzt 9) schon auf dem 1840 erbauten Resthof in Seefelderaußendeich. Fünfmal hatten sie sich das stark renovierungsbedürftige Gebäude angesehen, ehe auch Martin Diekmann einwilligte: „Ich wäre gern noch weiter in die Pampa gezogen“, sagt er, während ein nahezu ortstreues Reh, das sich eine schwere Fußverletzung zugezogen hat, durch den riesigen Garten humpelt.

Bis nach Taiwan

Sechs Jahre und viele Renovierungsarbeiten später „ist alles schier“, freut sich Martin Diekmann. Der Wirtschaftsweg, an dem der Hof liegt, ist eine Buckelpiste, die zum Langsamfahren zwingt, ihre Ufer zieren Masten, an denen eine oberirdische Telefonleitung hängt. Aber die Internetverbindung ist spitze.

Und deshalb kann Martin Diekmann seinen Whisky weltweit verkaufen – nach Kanada, Taiwan, Singapur, Australien, Russland und in einige Nachbarländer, an Importeure und Privatkunden.

78 Fässer – jeweils mit 200 bis 800 Litern Inhalt – hat er schon abgefüllt, alles hochpreisige Qualitätsware. Diekmanns günstigster ist ein Caol Ila für 115 Euro die Flasche. Auch einen irischen Whiskey hat er im Angebot, 26 Jahre alt, für 280 Euro die Flasche.

Maltbarn heißt die Marke, unter der er den Whisky verkauft – damit ist die Scheune gemeint, in der die Brennereien früher ihr Malz lagerten. Heute wird es angeliefert. Er kauft die Fässer nicht direkt von den Brennereien, sondern von Zwischenhändlern, die wie bei Finanzprodukten Broker genannt werden.

Ist angesichts dieser Preise nicht auch beim Whisky eine Blase entstanden? Martin Diekmann streitet es nicht ab: „Wir sind schon weit über dem Boden, aber es ist noch viel Luft nach oben“, schätzt er die Lage ein. „In 20 Jahren werde ich wohl mit etwas anderem handeln.“

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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