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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Ein neues Jerusalem für Wiesenvögel

23.08.2011

ABBEHAUSERWISCH Jerusalem hat bei Landwirten einen ganz besonderen Ruf. Denn so heißt seit Jahrhunderten ein Bauernhof in Abbehauserwisch – warum, weiß kein Mensch mehr. Jetzt erregt seine gut 40 Hektar große Fläche wieder Aufsehen, weil hier die Nässe gestaut werden soll, um ein neues Paradies für Wiesenvögel zu schaffen.

Ganz anderer Ansatz

Das ist ein ganz anderer Ansatz als sonst im Wiesenvogelschutzgebiet Stollhammer Wisch, sagt Thomas Garden vom Fachdienst Umwelt der Kreisverwaltung. Denn in der Stollhammer Wisch wird kleinteilig und mit Vertragsnaturschutz gearbeitet. Nicht nur Garden ist gespannt, ob die große Fläche tatsächlich Wiesenvögel anzieht. Denn bisher gibt es in Jerusalem keinen bedrohten Vogel, der geschützt werden müsste.

Allerdings ist das Jerusalem-Projekt auch nicht Bestandteil des Schutzgebiets Stollhammer Wisch, sondern eine Ausgleichsfläche, die der II. Oldenburgische Deichband für den Ausbau des Augustgrodendeichs zwischen Beckmannsfeld und Hobenbrake anlegen muss. Der Deichband hat den Hof gekauft und die vorbereitenden Arbeiten im Frühjahr nach anderthalb Jahren beendet.

Leenert Cornelius, Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes, betont, dass es keineswegs darum gehe, die Fläche komplett zu vernässen. Ziel sei es vielmehr, den Wiesenvögeln einen Boden zu bieten, in dem sie gut stochern können. Dazu müsse der Boden locker und feucht sein, außerdem müsse es deutlich mehr Bodenlebewesen geben. Um das zu erreichen, kann das Wasser in den Gräben gestaut werden. Zudem werden die Grüppen, also die kleinen Entwässerungsrinnen auf den Weiden, aufgeweitet und ebenfalls mit Schotten versehen, die im Februar geschlossen werden können.

In den dann entstehenden kleinen Seen können Wildgänse trinken und ihr Gefieder reinigen, ergänzt Martin Sprötge, Mitinhaber der Planungsgruppe Grün in Frieschenmoor, die den Plan für Jerusalem im Auftrag des Deichbandes nach Vorgaben des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erstellt hat. Zudem soll der Boden gekalkt und mit Mist bestreut werden, weil er übersäuert ist.

Die drei Pächter, die die Flächen auch weiter bewirtschaften, müssen erhebliche Auflagen erfüllen. Je nach Größe der Wiesen dürfen sie nicht mehr als 5 bis 8 Rinder weiden, und mähen dürfen sie frühestens am 15. Juni. Wenn die Brutzeit spät beginnt, kann dieser Termin auch bis zum 15. Juli hinausgezögert werden.

Jäger dezimiert Füchse

Doch das alles reicht nicht, damit Kiebitz und Uferschnepfe gesund aufwachsen können, betont Leenert Cornelius. Auch den Beutegreifern muss ihr zwar naturgegebenes, aber für die Wiesenvögel eben tödliches Handwerk gelegt werden. Deshalb hat der Deichband nicht nur die Hofgebäude abbrechen, sondern auch die sie umgebenden Bäume kappen lassen, damit die Bussarde keinen Aussichtsplatz mehr haben. Fuchs und Krähe werden immer wieder unliebsame Bekanntschaft mit einem Jäger machen.

Karl-Heinz Brüning , SPD-Kreistagsabgeordneter aus Seefeld, hat das Jerusalem-Projekt überhaupt erst öffentlich gemacht. Es sei nicht akzeptabel, dass die Bürger nicht informiert würden, sagt der 72-Jährige. Selbst eine Anwohnerin habe nicht Bescheid gewusst. Und auch er als Kreistagsabgeordneter habe eher zufällig von dem Projekt erfahren.

Eine Informationstafel am Eingang zum Hof sei dringend erforderlich. Er werde diese Tafel im neuen Kreistag beantragen, der am 11. September gewählt wird.

Seit Generationen sei Jerusalem ein Top-Hof. Angesichts des Mangels an gutem Agrarland dürften solche Flächen nicht an Ausgleichsprojekte gehen, sagt Brüning weiter.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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