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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Ohne Vorwarnung lag die Kündigung auf dem Tisch

06.09.2017

Einswarden 16 Jahre hat sie im Einswarder Flugzeugwerk für Sauberkeit gesorgt. „Ich bin immer gerne zur Arbeit gegangen", sagt Beate Groothuis, „es gab auch nie Beschwerden über meine Leistung.“ Daher war es für die Nordenhamerin ein harter Schlag, als sie ohne Vorwarnung plötzlich die Kündigung erhielt. Ihr Arbeitgeber, die Reinigungsfirma Klüh aus Düsseldorf, teilte der 52-Jährigen per Einschreiben mit, dass sie zum 16. September ihren Job los ist. Aus welchem Grund sie entlassen werden soll, steht nicht in dem Brief. Aber Beate Groothuis hat einen bösen Verdacht: „Das hängt mit meiner gewerkschaftlichen Tätigkeit zusammen“, sagt die Reinigungsfachkraft, „da bin ich mir ganz sicher.“ Genauso sieht das Olaf Damerow, der bei der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) ihren Fall betreut.

Mit neuem Arbeitgeber begann der Ärger

Bis zum Frühjahr 2017 war für Beate Groothuis die Welt noch in Ordnung. Aber als sie zum 1. April einen neuen Arbeitgeber bekam, begann der Ärger. Das Unternehmen Klüh hatte bei einer Neuausschreibung der Reinigungstätigkeiten im Einswarder Premium-Aerotec-Werk den Zuschlag erhalten und die Rational Dienstleistungsgesellschaft aus Delmenhorst abgelöst. Die Mitbewerber konnten laut Olaf Damerow mit dem Angebot der Düsseldorfer Firma nicht mithalten, die ein Angebot „weit unter Preis“ vorgelegt habe.

In Folge des Dienstleisterwechsels bei Premium Aerotec wurden 36 der 68 bisherigen Rational-Beschäftigten von Klüh übernommen. Zwei kamen an einem anderen Standort unter, die restlichen 30 verloren ihren Job.

„Die Anzahl der Reinigungskräfte wurde fast halbiert“, sagt Gewerkschaftssekretär Olaf Damerow, „aber die Arbeit ist gleich geblieben.“ Daher sei es kein Wunder, dass die Unzufriedenheit unter den Beschäftigten wachse. „Die Arbeitsbedingungen haben sich deutlich verschlechtert“, bestätigt Beate Groothuis, die zudem auf organisatorische Probleme verweist. Zum Beispiel würden oft Reinigungsmittel und anderes Material fehlen.

Davon abgesehen, dass sie Mitbestimmung am Arbeitsplatz grundsätzlich für äußerst wichtig hält, hat sich Beate Groothuis aufgrund der zunehmenden Probleme dafür stark gemacht, dass am Standort Nordenham ein Betriebsrat für die Klüh-Beschäftigten eingerichtet wird. Das Unternehmen hat zwar an seinem Stammsitz in Düsseldorf ein Arbeitnehmergremium, aber das ist für ganz Deutschland zuständig und laut Beate Groothuis „von den Themen vor Ort viel zu weit weg“.

Die Nordenhamerin, die zuvor dem Rational-Betriebsrat angehört hatte, ist seit vielen Jahren eine engagierte Gewerkschafterin. Daher unterstützt sie auch die aktuelle 1-Euro-Kampagne der IG BAU, die in den laufenden Tarifverhandlungen eine Erhöhung des Stundenlohns von 10 auf 11 Euro fordert. Um über diese Aktion zu informieren, lud sie die Kollegen zu einer von Olaf Damerow organisierten Gewerkschaftsveranstaltung ein. Diese Zusammenkunft mit etwa 15 Teilnehmern fand am 19. August statt. Ein paar Tage später hatte Beate Groothuis ihre Kündigung in den Händen. Dass es da einen Zusammenhang gibt, steht für die 52-Jährige außer Zweifel. „Eine andere Erklärung ist nicht möglich“, sagt Beate Groothuis.

Im Streitfall alle Register ziehen

Direkt habe ihr zwar niemand gesagt, dass sie die Füße still halten solle. Aber die Signale seien eindeutig gewesen. Unter anderem habe eine Vorgesetzte sie aufgefordert, die Mitgliedernamen einer gewerkschaftlichen Betriebsgruppe preiszugeben, deren Sprecherin Beate Groothuis ist.

Die Klüh Service Management GmbH weist die Vorwürfe entschieden zurück. „Wir würden niemals eine Kündigung wegen einer Betriebsrat-Tätigkeit aussprechen und haben dies auch in der Vergangenheit nicht getan“, betont Tala Ibrahim, die als Projektmanagerin in Unternehmenskommunikation tätig ist. Und weiter: „Die laufenden arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen kommentieren wir nicht, gehen allerdings von der Wirksamkeit der Kündigung aus.“

Diese Einschätzung teilen Beate Groothuis und Olaf Damerow, die in dem Streitfall alle arbeitsrechtlichen Register ziehen wollen, ganz und gar nicht. „Ich bin mir sicher, dass wir den Kündigungsschutzprozess gewinnen werden“, sagt der Gewerkschaftssekretär. Er verweist darauf, dass es im Vorfeld keine Abmahnung gegeben habe und „ohnehin jegliche Argumente für eine Kündigung fehlen“.

Dass Beate Groothuis ihre Arbeit immer gut gemacht hat, ist ihr von 85 Premium-Aerotec-Mitarbeitern in einer spontanen Solidaritätsaktion bescheinigt worden. Mit ihren Unterschriften setzen sich die Flugzeugbauer aus der Klebetechnik-Abteilung dafür ein, dass die für ihre Halle zuständige Reinigungskraft ihren Job behalten kann.

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Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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