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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Eldorado-Wirt dementiert Gerüchte über Schließung

06.06.2015

Nordenham Wenn Bernd Reimers diesen Satz ausspricht, dann klingt er wie in Stein gemeißelt: „Ich bleibe hier so lange, bis man mich rausträgt.“ Bernd Reimers ist 67 Jahre alt. Er sitzt vor dem Tresen seiner Kneipe, nippt an einem Latte Macchiato mit extra viel Milchschaum obendrauf. Er blinzelt unter der schwarzen Hutkrempe hervor und fragt sich, warum schon wieder dieses Gerücht kursiert. Bei Facebook wird fleißig gepostet und kommentiert. Das Eldorado macht zu, heißt es dort. Die wollen die ganze Ecke platt machen. Seniorengerechtes Wohnen soll hier hin. Von Spekulanten ist die Rede, die das letzte Stück Kultur in Nordenham töten. Und, und, und...

„Das wüsste ich doch wohl als Erster, wenn ich den Laden hier dicht mache“, sagt Bernd Reimers, dem das Haus gehört. Aber er denke nicht im Traum daran. Immer wieder kochen die Gerüchte hoch. Immer wieder wird am Tresen darüber gesprochen. Und immer wieder versucht Bernd Reimers, seine Mitarbeiter zu beruhigen – und seine Gäste.

Für viele von ihnen ist das Eldo Kult. Seit 40 Jahren betreibt Bernd Reimers die Gaststätte. Vorher hatte er hier einen Gebrauchtwarenladen. Der nannte sich Abraham. Irgendwann kam er auf die Idee, eine Kneipe daraus zu machen.

Bernd Reimers weiß, dass er mit seinem Laden in keinem Lifestyle-Magazin der Welt einen Preis gewinnen würde. Das Mobiliar hat die besten Zeiten längst hinter sich. Es gibt keine Fenster, die Tageslicht hereinlassen. Der Billardtisch ist mit einer Holzplatte abgedeckt. Hier können die Gäste ihre Getränke abstellen. Am Wochenende, wenn der Laden brummt.

Die Wände sind mit Aufklebern, alten Schildern und Konzertplakaten übersät. Hinten in der Ecke blinkt der E-Dart-Automat. Unter dem Tresen hat ein Mann, der sich Dittsche nennt, einen Gruß ins Holz graviert. In der Musikbox findet man alles: von Hans Albers bis zu den Toten Hosen.

Und irgendwie ist die Auswahl in der Musikbox auch ein Sinnbild für das Publikum, das ins Eldo kommt, nachts, wenn andere Gastwirte längst die letzten Bierpfützen von der Theke gewischt haben. Das Publikum ist gemischt. Anders als in der Anfangszeit. Bernd Reimers erinnert sich, dass das Eldo früher ein beliebter Treffpunkt für Ganoven war: „Für die Polizei war das gut. Wenn sie jemanden gesucht haben, haben sie hier zuerst nachgeschaut.“

„Fifty, Fifty“ – so wurde das Eldo früher auch genannt. Weil ein Bier 50 Pfennig kostete und ein Korn ebenfalls. Aber es hat sich vieles verändert. Nicht nur die Preise. Und so langsam bekommt das auch Bernd Reimers zu spüren. Seit einem Jahr ist die Discothek Tiffany in direkter Nachbarschaft geschlossen. „Dadurch sind viele Gäste weggeblieben“, sagt Bernd Reimers. Bis vor kurzem war das Eldo täglich geöffnet, jetzt nur noch von Donnerstag bis Sonntag.

Auch im Umfeld des Eldo hat sich viel getan. Die mit Fördermitteln finanzierte Sanierung der City Süd schreitet voran. Einen Steinwurf entfernt hat die Gemeinnützige Nordenhamer Siedlungsgesellschaft einen Komplex für seniorengerechtes Wohnen errichtet. Das Außengelände beim Güterschuppen des Theater Fatale und der Bahnhofsvorplatz sollen aufgewertet werden. Die Müllerstraße und der Weg zur Strandpromenade haben ein schickes Pflaster bekommen. Und das alles steht im grellen Kontrast zu den verwitterten Haus-Fassaden zwischen Bahnhofstraße und Karlstraße.

Vermutlich ist das der Grund dafür, dass die Gerüchte über das Eldo immer wieder hochkochen. Dass das Tiffany zum Verkauf steht, ist längst kein Geheimnis mehr. Bei der Stadt ist nicht viel darüber zu erfahren, ob bei den Planspielen zur Stadtentwicklung auch jene Häuserreihe eine Rolle spielt, die von den einen als Schmuddelecke gebrandmarkt und von den anderen als ein Stück urbanes Kulturgut geschätzt wird.

Der Erste Stadtrat Carsten Seyfarth sagt auf Nachfrage, dass er sich zu Facebook-Kommentaren nicht äußern möchte. „Tatsache ist: Wir sind nicht Eigentümer der Gebäude und haben deshalb auch keinen Zugriff darauf.“

Auch Bernd Reimers hält sich mit Äußerungen zu diesem Thema zurück. Aber er betont, dass das Eldo sein Baby ist. „Da steckt ganz viel Herzblut drin.“ Und dann spricht er wieder diesen einen Satz, der so klingt, als sei er in Stein gemeißelt.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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