• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Flagge zeigen in Berlin

06.12.2019

Elsfleth /Berlin Die Sternfahrt zum Bauernprotest nach Berlin war einzigartig: „Ich bin noch nie mit dem Auto über den Osterdeich und dann am Bremer Weserstadion vorbeigefahren. Aber jetzt mit dem Trecker“, sagt Gerd Oncken. Und er hatte genügend Zeit, dieses Erlebnis zu genießen. Denn mit 40 km/h zuckelten die Landmaschinen über Kreis- und Landesstraßen. Daher dauerte der 460 Kilometer lange Berlintrip für die Teilnehmer aus der Wesermarsch auch etwas länger. Nach rund 14 Stunden war die Gruppe aus Elsfleth am Ziel – kleinere Pausen eingerechnet.

Gerd Onckens Gruppe war in der vergangenen Woche frühmorgens um 5 Uhr bei der Stadthalle Elsfleth gestartet. Die Teilnehmer aus der Wesermarsch protestierten gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung und für mehr Mitspracherecht bei den Entscheidungen. Mit dabei waren neben Gerd Oncken auch Liesel Harms-Herrmann, Christian Maschmann, Lübbo Martens, Dennis Bielefeld und Andreas Lösekann sowie Malte Lübben. In Berlin stießen dann noch Bettina Knutzen und Hendrik Pittwohn dazu.

Die Erlebnisse wirken immer noch nach: Immer noch tief bewegt schildern die Wesermärschler ihre Eindrücke. „Wie viele Dörfer ausgestorben sind. Das bekommt man erst mit, wenn man Zeit hat, durch die Gegend zu gucken“, betont Christian Maschmann. Es war für ihn schön und erschreckend zugleich. Manchmal ging es 40 Kilometer weit durch triste Landschaft.

Insekten und Grundwasser schützen

Unmut haben Pläne ausgelöst, die das Bundeskabinett Anfang September auf den Weg gebracht hat. Unter anderem zum Schutz von Insekten soll der Einsatz von Unkraut- und Schädlingsgiften stark eingeschränkt werden. Für Verbraucher soll ein neues Logo kommen, das Schweinefleisch aus besserer Tierhaltung kennzeichnet – wenn Bauern freiwillig mitmachen. Aus den EU-Agrarzahlungen an die Höfe wird 2020 mehr Geld für Umweltmaßnahmen reserviert.

Zum Schutz des Grundwassers sollen die Bauern das Düngen unter anderem mit Gülle weiter einschränken. Denn Brüssel hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte verklagt und 2018 beim Europäischen Gerichtshof recht bekommen. Was die Bauern wurmt: Erst 2017 geänderte Vorgaben sollen nun schon wieder verschärft werden.

Je weiter man im Osten vorankam, desto mehr Trecker reihten sich ein, erinnert sich Malte Lübben. „Kindergartenkinder winkten uns zu, das machte uns Mut“, so Liesel Harms-Herrmann. „Man wünschte uns viel Glück, niemand hat aggressiv reagiert“, ergänzt Malte Lübben. Treffpunkt war Kloster Lehnin in Brandenburg. Am nächsten Morgen fuhr man zum Brandenburger Tor. Unterwegs wurden die etwa 370 bis 500 Liter fassenden Tanks der Trecker mit Diesel aufgefüllt.

Finanziell kommt da einiges zusammen: Geld für die Unterbringung, Spritkosten, Kosten für Betriebshelfer, weil ja der eigene Betrieb weiterlaufen muss: „Das macht man nicht, weil es Spaß macht“, gibt Gerd Oncken zu bedenken.

Den Landwirten und auch den Lohnunternehmern geht es um ihre Existenz. Sie kritisieren nicht nur die Düngeverordnung, die über die Köpfe der Betroffenen hinweg bestimmt worden sei. Junge Landwirte wüssten nicht, ob sie noch einen Hof übernehmen sollten. Ist er zukunftsfest? Kann er die nächste Generation noch ernähren? Fragen, mit denen man sich von der Politik alleingelassen fühlt.

Nach Malte Lübbens Worten fühlen sich die Protestler missverstanden. Auch in den Medien sei einseitig berichtet worden. Protestiert wurde nach seinen Worten auch gegen das Freihandelsabkommen, auf das sich die Europäische Union und der südamerikanische Staatenbund Mercosur Ende Juni geeinigt haben. Die Landwirte befürchten daraus resultierende Nachteile für sich, was Preise und Qualität der Produkte aus Südamerika betrifft.

So eng es auf Berlins Straßen für die großen Schlepper auch war, so herzlich seien sie aufgenommen worden, erzählt Liesel Harms-Hermann. Und so stressig die Tage auch waren, alle sind sich einig, dass es gut und richtig war, nach Berlin zu fahren. „Wir wollen den Dialog und Respekt für unsere Arbeit“, sagt Gerd Oncken – mehr und nicht weniger.


Weitere Bilder unter   www.nwzonline.de/fotos 
Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
Rufen Sie mich an:
04401 9988 2320
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.