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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Auf die Schiffbauer setzen

09.03.2019

Elsfleth „Mein Leben war Schlepper“, sagt der gebürtige Oberhammelwarder, Jahrgang 1935. „Mein Opa hatte schon einen Dampfschlepper“, merkt er an. Oft sei er mitgefahren. Und dann als 14-Jähriger habe er bereits auf der Brücke gestanden und habe Schlepper gesteuert.

Heinz Schumacher ist zunächst als Matrose auf der „Waldeck“ gefahren. Das Stückgutschiff zählte zusammen mit „Wilhelm Doerenkamp“ zu den ersten Neubauten der Elsflether Werft nach dem Zweiten Weltkrieg. Die „Waldeck“ wurde 1953 fertiggestellt. „Ich habe 60 Jahre für die Elsflether Werft gearbeitet“, erinnert sich Heinz Schumacher. Auch daher rühre der Wunsch, der Werft zu helfen.

Heinz Schumacher ist Schlepper-Kapitän aus Leidenschaft. In der Hochzeit besaß er acht dieser Zugpferde, mit denen er auch die kompliziertesten Einsätze fuhr. „In über 60 Jahren nicht eine Havarie, nicht eine Schramme an den Schiffen“, betont er. Und natürlich sei er immer für die Werft da gewesen, erzählt er. Auch habe er die Elsflether Werft verdienen lassen, so etwa beim Umbau der „Rysum“ vom Binnen- zum Seeschlepper. Drei seiner Schlepper seien auf der Werft neu motorisiert worden. „Ich war immer so begeistert“, merkt er an. Auf die Werft und deren Mitarbeiter lasse er nichts kommen.

Die derzeitige Misere um die Elsflether Werft und das Segelschulschiff „Gorch Fock“ stimmt ihn nachdenklich. „Weil das Bundesministerium zu spät erkannt hat, dass die ,Gorch Fock’ marode ist, sind die hohen Kosten entstanden“, sagt er. „Ich musste bei meinen Schleppern alle zwei Jahre eine Bodenbesichtigung von der Seeberufsgenossenschaft und dem Germanischen Lloyd machen lassen, warum ist das bei der Marine nicht so?“, stellt er fest. Der Staat habe das verbockt, alle Politiker wollten nun was unternehmen, aber keiner habe eine Idee.

Mit seinen Ideen möchte Heinz Schumacher jetzt beim neuen Vorstand der Elsflether Werft vorstellig werden. Einen Termin in der kommenden Woche gebe es bereits, sagt er. Warum nur würden alle Neubauaufträge an die Großwerften vergeben, stellt er zur Diskussion. Die Elsflether Werft baue auch gute Schiffe, das habe sie in der Vergangenheit ja bewiesen. Schlepper, Yachten, Versorger, Großsegler wie die „Lili Marleen“ seien beispielsweise vom Stapel gelaufen. Die Barkentine „Lili Marleen“ war 1994 als nostalgischer Dreimaster mit 1200 Quadratmetern Segelfläche fertiggestellt worden. Heinz Schumacher spannt sodann einen Bogen zur Lürssen-Werft. Diese habe Millionenaufträge für Korvetten bekommen. Die Elsflether Werft könnte doch Sektionen für Lürssen bauen – und schon hätten die Elsflether Arbeit.

Solche schwimmfähigen Rümpfe, sogenannte Kaskos, hat Heinz Schumacher in der Vergangenheit auch zu den Werften an der Unterweser geschleppt. Meist wurden sie in Polen hergestellt. Das dürfe bei Aufträgen vom Bund aber nicht mehr möglich sein, so der 83-Jährige. Der Staat könne der Werft doch auch Aufträge über einen Neubau geben, zum Beispiel Schiffe für das Wasser- und Schifffahrtsamt, für Bundesgrenzschutz, Zoll und Wasserschutzpolizei oder sogar für die Deutsche Marine.

Laut Heinz Schumacher werden Kosten immer mehr in die Höhe getrieben. „Die Schlepperkosten gibt die Werft in ihrem Angebot mit ab“, weiß der Elsflether. Das Wasser- und Schifffahrtsamt verlange aber immer größere und stärkere Schlepper. Er habe beispielsweise den unter norwegischer Flagge fahrenden Dreimaster „Statsraad Lehmkuhl“ dreimal mit zwei Schleppern von je 600 PS in Elsfleth angelegt. „Jetzt müssen es zwei Schlepper mit jeweils 2500 PS sein. Warum?“, fragt er.

Weitere Kosten treiben ihn um: Während der Reparaturzeit der „Gorch Fock“ würden 110 Kadetten auf dem rumänischen Segelschiff „Mircea“ ausgebildet. „Fährt das Segelschiff umsonst für unsere Marine? Über diese Kosten wird nicht geredet.“ All das will Heinz Schumacher zur Sprache bringen in der Hoffnung, die traditionsreiche Elsflether Werft zu erhalten.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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