• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren
+++ Eilmeldung +++

Lindan-Skandal In Oldenburg
Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren

NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Zulieferer bleiben auf Kosten sitzen

21.02.2019

Elsfleth In Elsfleth herrscht große Ungewissheit. Menschen fragen sich, wie es weitergeht mit der Elsflether Traditionswerft, die vor drei Jahren ihr 100-jähriges Bestehen feierte, und ihren rund 130 Mitarbeitern. Viele Arbeitsplätze, direkt oder indirekt, sowie viele weitere Existenzen sind betroffen.

„Ich mache mir große Sorgen um die Arbeitsplätze bei der Elsflether Werft, aber auch bei den vielen Zulieferfirmen. Laut IG-Metall sind dort auch weitere 550 Arbeitsplätze gefährdet“, sagt Elsfleths Bürgermeisterin Brigitte Fuchs auf Anfrage der Nordwest-Zeitung am Mittwoch. Viele Zulieferfirmen auch aus der Region seien betroffen, da die Elsflether Werft bereits seit Anfang Dezember keine Zahlungen vom Bund erhalte und deshalb nicht mehr liquide sei. Die Zulieferfirmen erhielten kein Geld mehr von der Elsflether Werft. Auch für die Zulieferfirmen bestehe daher die Gefahr von Insolvenzen, wenn die Werft nicht zahle.

Eine dieser Firmen, die für die Elsflether Werft arbeitet, ist die Shiptec GmbH – die für die Werft arbeitete, muss es besser heißen. Denn alle Stränge zur Elsflether Werft sind gekappt worden, den Shiptec-Mitarbeitern wurde der Zugang zur Werft vom neuen Vorstand verwehrt.

Die Inhaberin und Geschäftsführerin von Shiptec, Susanne Wiechmann, nimmt am Mittwoch kein Blatt mehr vor den Mund. Bis gestern hatte sie eigentlich noch gehofft, dass sich das Blatt zum Besseren wenden könnte, dass die Werft ihre Außenstände gegenüber Shiptec, die sie auf mehr als 500 000 Euro beziffert, begleicht. Doch ein Telefonat mit dem neuen Werft-Vorstand Professor Dr. Axel Birk bringt sie abrupt auf den Boden der Tatsachen zurück. „Mein Traum ist heute morgen geplatzt“, sagt sie. Der Vorstand habe sie aufgefordert, „nichts mehr von der Werft zu holen.“

Und darüber ist Susanne Wiechmann total verärgert. Es geht ihr nämlich nicht nur um die hölzernen Kabeltrommeln, die zu Shiptec gehören und weshalb Axel Birk sie anrief, um das zu klären. Am Vormittag hat sie Mitarbeiter zur Bredo-Werft nach Bremerhaven geschickt. Dort wird das Segelschulschiff der deutschen Marine, die „Gorch Fock“, saniert. Shiptec war bislang für die Baustromverteilung bei der „Gorch Fock“-Sanierung zuständig, 15 Funkrauchwarnmelder und drei Meldeempfänger befinden sich für das Segelschulschiff auf der Bredo-Werft. „Wir haben die Geräte auch nur gemietet und zahlen Geld dafür“, so Susanne Wiechmann. Weil ihr die Elsflether Werft dafür kein Geld mehr bezahle, müssten die Rauchmeldeanlagen abgebaut und zur Verleihfirma zurückgeschickt werden. Sonst trage Shiptec weiter diese Kosten, ohne Geld dafür zu erhalten.

Unverrichteter Dinge kehren die Shiptec-Mitarbeiter gegen Mittag zurück. Susanne Wiechmann hatte zuvor noch versucht, mit dem Kommandanten des Dreimasters, Kapitän zur See Nils Brandt, zu sprechen. Vergeblich. „Von meinen Leuten komme keiner an Bord, ich sollte mich an die Elsflether Werft wenden.“ Ihre Mitarbeiter seien dann von Bredo-Bediensteten vom Bremerhavener Werftgelände verwiesen worden, merkt sie an.

Auch auf dem Marine-Tender „Elbe“, der an der Pier in Elsfleth liegt, befinden sich noch Rauchmelder, die man gern abmontieren möchte – aber zurzeit nicht kann, weil man nicht aufs Werksgelände kommt. Beim Marine-Wohnschiff „Wische“, das ebenfalls in der Werft liegt, sei man indes erfolgreich gewesen.

Doch was hilft es: Susanne Wiechmann hat bereits 14 ihrer 17 Mitarbeiter zum 15. März kündigen müssen. Drei sind jetzt noch damit befasst, die Firma abzuwickeln, den Laden dicht zu machen, wie einer sagt. Einer der drei noch verbliebenen Shiptec-Angestellten ist Carsten Stelling (27), ein gelernter Elektriker. Von der drohenden Insolvenz der Werft hätten Kollegen aus dem Radio erfahren. „Es ist ein komisches Gefühl. Man fühlt sich vor den Kopf gestoßen“, sagt er und spricht von einem guten Arbeitsverhältnis und von unbefristeten Verträgen. Damit ist zum 15. März Schluss. „Das wird noch weitere Kreise ziehen“, befürchtet der 27-Jährige, der seit zwei Jahre bei Shiptec arbeitet, und denkt an die anderen Zulieferer. Es werde für alle schwierig werden. Carsten Stelling selbst hat bereits Bewerbungen geschrieben und hofft auf eine baldige Neueinstellung. Die Chancen seien gut, merkt er an.

Für Susanne Wiechmann jedoch endet ein Traum. „Ich bin die getrennt lebende Ehefrau des alten Vorstands“, sagt sie. Und weil der neue Werft-Vorstand die Verknüpfung mit dem ehemaligen Werftchef Klaus Wiechmann canceln wolle, seien sie und ihre Mitarbeiter die Leidtragenden. „Wir sind lupenrein, haben uns nichts zu Schulden kommen lassen“, betont sie. Im Dezember habe die Elsflether Werft noch einen kleinen Geldbetrag überwiesen. Die neue Führung der Elsflether Werft wolle die Verträge aber nicht fortsetzen.

Für die Werft war Shiptec unter anderem in den Bereichen Elektro, Raum- und Fahrzeugpflege sowie für die Casino-Verwaltung zuständig. Auch unterhielt Shiptec drei Schlepper, für die es nach Susanne Wiechmanns Worten bereits Kaufinteressenten gibt. Wie immer es mit der Werft und der „Gorch Fock“ weitergeht – Susanne Wiechmann muss ihre Firma schließen, die sie im Juli 2017 gekauft hatte und in Eigenregie führte.

Auf den Fortbestand der Traditionswerft an der Hunte hofft der CDU-Landtagsabgeordnete Björn Thümler. „Wir dürfen jetzt nicht die Zuversicht verlieren“, appelliert er mit Blick auf die wirtschaftliche Schieflage der Elsflether Werft. Denn eine Eigeninsolvenz könne „ein guter Neuanfang für das Unternehmen“ werden und mit der großen Chance auch auf künftige Bundesaufträge verbunden sein. In den neuen Werftvorstand und Aufsichtsrat habe er großes Vertrauen, betont Björn Thümler.

Die wirtschaftliche Krise des Unternehmens dürfe auf keinen Fall auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werden. Die Beschäftigten bräuchten Solidarität aus der Region: „Sie machen jetzt eine belastende Zeit durch.“ Nun müsse die Suche nach einem zusätzlichen strategischen Partner intensiviert werden – im Sinne einer Stärkung des Traditionsstandortes.

Die Elsflether Werft hat am Mittwoch einen Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht Nordenham gestellt. Beantragt wurde ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. „Wir können nur hoffen, dass durch den Insolvenzantrag eine Möglichkeit gegeben ist, dass der Geschäftsbetrieb weiterlaufen kann“, merkt Elsfleths Bürgermeisterin Brigitte Fuchs an.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
Rufen Sie mich an:
04401 9988 2320
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.