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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Im Norden sagt man „Hannes“

07.10.2019

Elsfleth Einem maritim interessierten Elsflether Mitbürger etwas über den Werdegang „Vom Schiffsjungen zum Kapitän“ zu erzählen, ist das etwa wie „Eulen nach Athen“ zu tragen? Das mag wohl sein; aber wenn ein Mann wie Kapitän Johannes Reifig spannend und mit viel Humor über seine seemännische Laufbahn plaudert, kann auch ein versierter Kenner der nautischen Szene noch Neues erfahren. Das von Rita Städtler initiierte „Erzählcafé“ machte seinem Namen wieder einmal alle Ehre.

Bei Johannes Reifig begann es mit dem Interesse seines Vaters am Segelsport. Nach den seglerischen Anfängen auf dem Münsteraner Aasee wandte sich die Familie mit ihren vier Söhnen dem „Dickschiffsegeln“ (hochseetüchtige Yachten) zu und der junge Johannes verschlang alles an Literatur, was mit der Seefahrt zu tun hatte. Nach einer TV-Reportage über das Segelschulschiff „Gorch Fock“ fasste er schon in der 6. Klasse den Entschluss: „Ich will zur Bundesmarine und auf der Gorch Fock zur See fahren!“

Nach einem Gespräch mit einem gestandenen Fahrensmann kamen jedoch erste Zweifel. „Was willste bei der Marine, die liegen doch eh nur im Hafen, geh lieber zur Handelsschifffahrt“, wurde ihm geraten. „Als der befreundete Kapitän diesen Satz mit einer Selbstverständlichkeit herausbrachte und mir die Reize der weiten Welt skizzierte, habe ich sofort meinen Plan geändert. Es wurde eine Weichenstellung für mein Leben aus dem Bauch heraus, eine Entscheidung, die ich im Nachhinein nie bereut habe.“

Vom Schiffsjungen zum Kapitän: das hieß für Reifig Bewerbung um eine Lehrstelle als Schiffsmechaniker bei der Rendsburger Reederei Peterson und bei der Wahl zum 1. Schulzeitblock entschied sich der Münsteraner für die Ausbildung in Elsfleth. Damals lag das Segelschulschiff „Großherzogin Elisabeth“ als Internatsschiff noch im Liener Sieltief, der Unterricht fand in der Berufsbildenden Schule am Rittersweg sowie in den Braker Lehrwerkstätten statt.

Laut Reifig führte der damalige Internatsleiter Johann Oltmanns ein strenges Regiment, seine Schützlinge begannen morgens um 7 Uhr mit der Backschaft, Schulbeginn war um 8 Uhr. Von den Mitarbeiterinnen auf der „Lissi“, Edith Dornseifer und Heidrun Irmer, seien die Schüler ganz herzlich aufgenommen worden, betont Reifig. Und wie das so ist im Norden: aus dem Münsteraner Jung’ Johannes wurde ganz schnell der norddeutsche „Hannes“.

An Bord ging es für Hannes nach dem ersten Schulzeitblock an seinem 20. Geburtstag Ende November 1987 in Charter auf dem Containerschiff „Woermann Obongo“ mit Zielhafen Dakar, Nigeria.

Prägende Erfahrungen machte der angehende Schiffsmechaniker auch mit den Naturgewalten auf See. Als einmal bei einer Sicherheitsübung ein gewaltiger Brecher über den Bug schlug, wurde Reifig quer über die ganze Back geschleudert.

1990 schloss er seine Schiffsmechanikerausbildung ab und bewarb sich bei der Reederei Hamburg-Süd. Gegen Ende der vorgeschriebenen Fahrtzeit fasste er seine nautische Offiziersausbildung ins Auge. Reifig: „In allen Semestern zusammen waren wir gerade mal 50 Studenten.“

Im Juli 1994 erwarb Johannes Reifig sein A6/AG Diplom, auf die Patentfeier musste er verzichten, weil er als 2. Offizier am gleichen Tag auf der MS „Dorsch“ der Bremer Reederei Carl Büttner antrat. „Mit dem fachlich versierten Elsflether Kapitän Gerhard Lüdert wurde es eine gute Zusammenarbeit“, betont Reifig.

Seinen Wunsch, auf einem Großsegler einmal das Kommando zu übernehmen, konnte er auf den Törns der „Lissi“ mehrfach erfüllen und maritim engagiert ist Reifig in der NK „Visurgis“. Nach dem Rücktritt von Kapitän Horst Werner Janssen wurde er Präsident des Schulschiffvereins „Großherzogin Elisabeth“ und er ist Sänger und Solosänger im Elsflether Visurgen-Shanty-Chor.

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