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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Aus einer Gurke wurde mehr

13.09.2019

Elsfleth /Wehrder Sein Wecker klingelt jeden Morgen um 6 Uhr. Dann steigt Hannes in seine Arbeitshose und – je nach Witterung – Latschen oder Gummistiefel und macht sich auf den Weg in den Garten. Denn dort wollen alle seine Zöglinge gegossen werden. Und das sind viele: Tomaten, Kürbisse, Gurken, Zucchini, Kapuzinerkresse, Zitronen, eine Bananenstaude, Melonen, Kohlrabi, Kräuter und und und. Hannes ist passionierter Hobbygärtner. Er hat einen grünen Daumen. Ach Quatsch – er hat zwei. Und das Erstaunliche daran ist: Hannes ist erst neun Jahre alt.

Vor gut einem Jahr nahmen die Dinge ihren Lauf. Da stöberte Hannes mit seiner Mama Kristina Munderloh in der Gärtnerei Menger in Elsfleth, um einen Gutschein einzulösen. Hannes schleppte eine Gurke herbei. „Damit fing es an“, erinnert sich Kristina Munderloh zurück und kriegt das Schmunzeln nicht aus dem Gesicht, wenn sie sich in ihrem Garten neben ihrer Dachdeckerei in Wehrder umschaut und sieht, wie rasant die Dinge ihren Lauf nahmen.

Die erste Gurke war gleich ein Volltreffer, die Pflanze machte sich gut. Hannes wollte mehr. Er wollte mehr Pflanzen, er wollte mehr wissen, er wollte mehr anbauen. Er recherchierte in Gartenbüchern und machte sich mit Youtube-Videos schlau, wie welche Pflanze angebaut werden muss, welche Bedürfnisse sie hat, wie man Pflanzen selbst veredeln kann. Auf die Gurke folgte weiteres Gemüse, darauf folgte Obst. Zu seinem Kindergeburtstag wünschte er sich Gutscheine der Elsflether Gärtnerei. „Die anderen Mütter haben sogar bei mir nachgefragt, ob das wirklich sein kann“, sagt die Mama. Hannes wollte kein Lego oder Playmobil. Er wollte gärtnern: Johannisbeeren, Blaubeeren, Weintrauben.

Auch im Winter flachte die Begeisterung nicht ab: Der Adventskalender war – Türchen für Türchen – mit Samen gefüllt. Und der Wunschzettel für den Weihnachtsmann hatte nur einen Posten: ein Gewächshaus.

Der Weihnachtsmann lieferte. Und Papa Andreas musste noch am ersten Weihnachtsfeiertag mit dem Aufbau beginnen. „Ich will am liebsten noch ein zweites“, sagt Hannes, eines reicht erstmal, sagen die Eltern.

„34 Grad sind hier gerade drinnen“, erklärt Hannes als er die üppigen Gurken in seinem Gewächshaus zeigt. Das Schwitzwasser rinnt an den Glasscheiben herunter, mit seinen Fingern fühlt der Junge, ob die Erde bei seinen selbst gezogenen Avocados feucht genug ist. Er ist zufrieden. „Aber die Tür lassen wir jetzt kurz offen.“ Er zeigt seine Zitronenbäumchen, eine Nektarine fehlt ihm noch.

Weiter geht der Rundgang: Vorbei an einem Beet mit Kohlrabi, Erdbeeren, Kürbissen und Tomaten um die Ecke rum: Dort steht – geschützt an der Hauswand – eine stattliche Banane. Hannes misst mit dem Zollstock nach: fast 1,30 Meter. Erst Ostern war die Pflanze als Winzling bei Hannes eingezogen. Dieses Jahr Ostern? „Ja“, schmunzelt wieder die Mutter: „Die Banane geht besser als die Gurken.“ Bald will sie ein Baum werden. „Nein, das ist eine Staude“, klärt Hannes auf.

Und überhaupt: Hannes doktert nicht einfach ein bisschen im Garten herum und versucht sein Glück. Nein, er informiert sich gründlich. Zu allen seinen Pflanzen weiß er etwas. Welche keimt in Dunklen, welche braucht Licht? Wer mag es kühl, wer nicht? Welche Zucchiniblüte ist eine männliche, welche eine weibliche und damit fruchtbildende?

Hannes erklärt quer durch seinen Garten. Zwischendurch rupft er im Vorbeigehen reife Tomaten ab und lässt sie in seinem Mund verschwinden: Obst und Gemüse verputzt Hannes in rauen Mengen, am liebsten frisch aus dem Garten. Fleisch ist nicht sein Ding. „Das muss man so lange kauen“, sagt der Junge.

In der Küche beim Verkochen helfen mag Hannes seiner Mutter übrigens nicht so gerne: Anbau, Ernte, Essen – da sieht der Neunjährige seine Kompetenzen. Die will er demnächst an seinem nächsten Projekt austesten: Hannes erwartet Papaya-Samen aus dem Ausland. „Bei 24 Grad müssen die keimen, auf der Heizung und mit einem Deckel drauf. Die mögen keine Zugluft“, weiß Hannes.

Was Hannes in diesem Sommer nicht so gerne mochte, war in den Urlaub zu fahren. Er hatte Sorge um seine Pflanze. Doch die wurden zuhause gut versorgt. Im Griechenlandurlaub taten sich für ihn aber neue Abenteuer auf. Kristina Munderloh: „Aus jedem Obst wurden die Kerne herausgepult und hier gepflanzt.“ Das Ergebnis wächst und gedeiht.

Anja Biewald Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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