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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Helios-Klinik gibt Geburtshilfe auf

30.01.2019

Esenshamm Paukenschlag für den Klinikstandort Nordenham: Die am 13. Mai 2017 eröffnete neue Helios-Klinik Wesermarsch im Stadtteil Esenshamm (115 aufgestellte Betten) wird Mitte Februar ihre gesamte Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe schließen. Trotz intensiver Suche sei es nicht gelungen, eine ausreichende Zahl von Hebammen zu finden. Zudem sei der Chefarzt erneut erkrankt, so Klinikgeschäftsführerin Annika Wolter. Hinzu komme „ein äußerst geringes Patientinnen-Aufkommen in der Frauenheilkunde“.

Landkreis verliert

Da die zweite Klinik im Landkreis, das St.-Bernhard-Krankenhaus in Brake, keine Geburtshilfestation hat, werden folglich ab Mitte Februar in der Wesermarsch keine Klinikgeburten mehr möglich sein. Werdende Mütter werden an die nächst gelegenen Geburtshilfestationen verwiesen: Klinikum Bremerhaven Reinkenheide, St.-Johannes-Hospital Varel und Helios-Klinik Cuxhaven.

kommentar

Konzern muss sich beweisen

Horst Lohe

Das ist tatsächlich ein ganz schwerer Rückschlag für die Gesundheitsversorgung in der Wesermarsch: nach der Schließung der Geriatrie-Abteilung im Oktober nun das Aus für die Geburtshilfe- und Frauenheilkunde-Abteilung in der erst vor 21 Monaten in Betrieb genommenen neuen Helios-Klinik – eines der modernsten Häuser im Lande.

Die Geriatrie-Abteilung hatte schon im alten Nordenhamer Krankenhaus Schwächen. Ihr Ruf war nicht besonders gut. Die seit Jahren geschätzte Geburtshilfe mit nun zwei neuen Kreißsälen in familiärem Ambiente versprach dagegen kontinuierlichen Zuwachs. Dazu ist es nicht nur wegen des bundesweit beklagten Hebammen-Mangel nicht gekommen. Helios hat Elan und Hartnäckigkeit aufgegeben – weil sich erst ab 450 bis 500 Klinik-Geburten Gewinn machen lässt.

Jetzt hilft kein Klagen und Jammern. Vielmehr muss sich der Helios-Konzern für die Sicherung des Klinikstandortes Nordenham in die Pflicht nehmen lassen. Nordenham ist ein Prüfstein dafür, ob dieser starke und große Konzern in der Lage ist, auch kleinere Häuser sowohl mit bester medizinischer Qualität auszustatten als auch profitabel zu führen.

Dazu muss kommen, dass jedermann in der Region für diese Klinik eintritt. Unerlässlich ist zudem, dass die Politik bundesweit die Existenzbedingungen für Häuser in ländlichen Regionen verbessert. Kleine Kliniken müssen für ihre Leistungen deutlich besser bezahlt werden.

Das ist das Erfolgsrezept und nicht Diskussionen darüber, ob Konzern-Kliniken zurück in öffentliche Hände gegeben werden sollten. Denn damit werden wirtschaftliche Probleme nicht gelöst, sondern nur verschoben: auf überforderte Städte und Landkreise.

Die etwa fünf in dieser Abteilung tätigen Pflegekräfte werden künftig in anderen Abteilungen eingesetzt. Zwei der zuletzt sieben Hebammen in der Helios-Klinik Esenshamm haben bereits gekündigt. Die fünf verbliebenen müssen sich nun ebenso wie sieben Ärzte einen neuen Arbeitsplatz suchen.

Helios bietet ihnen Stellen in anderen Häusern des Konzerns an (in Nienburg, Cuxhaven und Hamburg). Zudem werden mit ihnen Gespräche geführt, ob künftig ambulante Leistungen vor und nach der Geburt in der Klinik in Esenshamm angeboten werden. Auch die Einrichtung einer Hebammenpraxis sei möglich, so die Geschäftsführerin.

Laut Helios ist die Zahl der Geburten in Esenshamm im vergangenen Jahr deutlich gesunken: von 371 im Jahr 2017 auf 321. „Das ist weit entfernt von der Zielgröße für eine qualitative Geburtshilfe: 500 bis 600 Geburten jährlich – und eine Trendwende ist nicht in Sicht“, sagt Ärztlicher Direktor Dr. Andreas Reents.

Zweimal musste die Klinik 2018 die beiden Kreißsäle wegen Fachkräftemangels vorübergehend schließen.

Die Zahl der Patientinnen in der Gynäkologie habe 2018 bei 180 gelegen – und damit auf einem ähnlich unzureichenden Niveau wie in Vorjahren, bedauert Geschäftsführerin Annika Wolter.

Nordenhams Bürgermeister Carsten Seyfarth sagte der NWZ zur Schließung der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe: „Das ist ein herber Rückschlag für den Krankenhausstandort Nordenham, zumal diese Abteilung ein Aushängeschild der Klinik war und auch bleiben sollte.“ Andererseits müsse berücksichtigt werden, dass auch an anderen Klinikstandorten im Lande – etwa Wittmund – Geburtshilfestationen geschlossen worden seien wegen des bundesweiten HebammenMangels. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Probleme der Kliniken bundesweit fragt Nordenhams Bürgermeister kritisch: „Warum wird trotz eines Überschusses von etwa 23 Milliarden Euro bei den Krankenkassen im Gesundheitssystem gespart?“

Gespräch in Berlin

Carsten Seyfarth hat mit Wesermarsch-Landrat Thomas Brückmann vereinbart, gemeinsam das Gespräch mit dem Vorstand des Helios-Konzerns in Berlin zu suchen, um zu erfahren, welche Perspektiven und Strategien für Nordenham bestehen.

Der Klinik-Betriebsrat hat nach den Worten seines Vorsitzenden Ralf Feierabend ebenso wie die Betriebsversammlung, an der am Dienstag etwa 100 der rund 220 Mitarbeiter teilgenommen haben, mit großer Betroffenheit reagiert. „Das ist eine Schwächung des Klinikstandortes Nordenham. Das zeigt aber auch, welche Schwierigkeiten kleine Häuser haben.“ Der Betriebsrat mahnt daher einmal mehr eine Zusammenarbeit zwischen den Kliniken in Brake und Nordenham an.

Mit dem Verlust der Geburtshilfe sei, so Ralf Feierabend, auch starke Emotion verbunden. „Denn schon bald gibt es keine Neugeborenen mehr, in deren Geburtsurkunde Nordenham vermerkt ist.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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