• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Hat dieser Storch den Abflug verpasst?

23.12.2017

Esenshamm Nach mehr als 20 bis 30 Jahren hatte sich in Esenshamm im vergangenen Jahr erstmals wieder ein Storchenpaar niedergelassen – und für Nachwuchs gesorgt. Abwassertechniker und Tierfreund Andreas Busche (42) hatte auf der sieben Meter hohen Spitze einer abgekappten Tanne in seinem Garten als Nestbauhilfen eine Plattform und den Eisenring eines alten Wagenrades installiert. Die Storcheneltern bekamen die Namen Hugo und Rajan.

Nach ihrer Überwinterung in südlichen Gefilden ist in diesem Jahr nur Hugo nach Esenshamm zurückgekehrt. Ein anderes Weibchen gesellte sich hinzu. Von den vier in diesem Jahr geschlüpften Küken überlebten zwei.

Erfolgreiche Brut

Störche sind in der Wesermarsch überwiegend in Berne, Brake und Elsfleth sowie auch in Ovelgönne und Schwei heimisch. In Nordenham sind sie bisher eher selten anzutreffen.

Das Brutergebnis dieses Jahres 2017 war laut Udo Hilfers, Leiter der Storchenplegestation in Berne, das beste seit Jahrzehnten. Allein im Landkreis Wesermarsch fanden sich 161 Paare an den Nestern ein. 128 Paare brachten erfolgreich 312 Jungstörche zum Ausfliegen. Im gesamten Oldenburger Land gab es weitere 19 Paare mit 23 Jungen. Aus der Pflegestation in Berne-Glüsing flogen in diesem Jahr zusätzlich 45 Jungvögel gesund aus.

Von den 380 Jungstörchen in der Wesermarsch und im gesamten Oldenburger Land sind 161 mit Ringen der Vogelwarte Helgoland beringt worden. Diese Ringe werden jeweils von der Vogelwarte zugeteilt.

Die Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne-Glüsing ist eine Privatinitiative zum Schutz des Weißstorches und eine staatlich anerkannte Artenschutz-Betreuungsstation. Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt und besteht jetzt seit zehn Jahren. Die Storchenpflegestation gibt es bereits seit 25 Jahren. Leiter Udo Hilfers ist telefonisch erreichbar unter 04406/1888.

    www.storchenstation.de

Ende August hat das Storchenpaar den Abflug in den Süden gemacht. Anfang September folgte der Nachwuchs. Doch Ende September erblickte Andreas Busche einen fremden Storch im Nest.

Wärmflasche nicht nötig

„Der hat den Abflug verpasst und könnte jetzt eine Wärmflasche und einen Glühwein vertragen“, schmunzelt Nachbar Gerd Schwarting. Der 76 Jahre alte Landwirt fügt aber sogleich hinzu: „Wir sollten die Natur einfach Natur sein lassen und uns darüber freuen.“

Andreas Busche hat sich schlau gemacht: „Störche können es bei uns im Winter bei bis zu 10 bis 15 Grad minus aushalten. So lange es keine geschlossene Schneedecke und Dauerfrost gibt, finden sie genug Nahrung.“

Tatsächlich besteht kein Anlass zur Sorge, bestätigt Udo Hilfers (60), Leiter der Storchenpflegestation in Berne. „Richtig Winter haben wir in unseren Gefilden ja nur auf dem Kalender. Die Wiesen sind nass genug, so dass Störche hier ausreichend Regenwürmer finden. Sie ernähren sich im Winter zudem von Mäusen und Maulwürfen.“ Der Experte fügt ergänzend hinzu: „Deshalb haben wir jetzt übrigens auch so viele Silberreiher. Vor 20 Jahren gab es sie hier gar nicht. Dank Golfstrom und milderen Wintern lässt es sich inzwischen bei uns offenbar gut überwintern.“ Auch der Esenshammer Gerd Schwarting hat in diesem Winter viele Silberreiher gesichtet.

Schon seit einigen Jahren verbringen immer mehr Störche den Winter in Deutschland. Laut Udo Hilfers trifft dieser Trend auch für Berne, Elsfleth und Brake in zunehmendem Maße zu. In Nordenham dagegen sieht man ohnehin selten einen Storch – erst recht im Winter.

„Ich vermute, unser Storch hat wirklich den Abflug verpasst oder er ist ein Querkopf oder es gefällt ihm hier auch im Winter“, spekuliert Gerd Schwarting. „Vielleicht will er die Überwinterung in Esenshamm nur ausprobieren“, ergänzt Andreas Busche.

Nicht beringt

Weil der Wintergast nicht beringt ist, lässt sich nicht feststellen, ob er aus der Wesermarsch stammt. Nach Einschätzung von Udo Hilfers könnte er auch aus Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern stammen und bei seinem Flug in Richtung Süden Esenshamm als geeigneten Überwinterungsort ausgewählt haben. Oder aber: Dieser Storch hat sich hier nach einer Verletzung oder wegen eines anderen Handicaps niedergelassen.

Störche ziehen in der Regel im August/September in den Süden und kehren im Frühjahr zurück. Manche fliegen nach Spanien, andere bis West- oder Südafrika. Immer mehr aber, so weiß der Storchenexperte Udo Hilfers, ziehen es vor, weniger weit zu fliegen – zumal Störche in Afrika nicht unbedingt mehr Nahrung finden als in milden Wintern auf Wiesen in Deutschland.

 Udo Hilfers geht davon aus, dass der Esenshammer „Winter“-Storch im Januar oder Anfang Februar zu seinen Horst aus dem Vorjahr zurückfliegen wird. Der könnte sich zum Beispiel auch in Cuxhaven befinden.

 Andreas Busche und Gerd Schwarting sind auf jeden Fall zuversichtlich, dass Storchenvater Hugo im Frühjahr nach Esenshamm zurückkehren wird. „Hugo wird sich hier so schnell nicht vertreiben lassen.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2206
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.