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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Fast so alt wie die Stadt Nordenham

12.07.2008

NORDENHAM Als Rudolf Otromke geboren wurde, war die Stadt Nordenham gerade mal zwei Jahre alt. Das Alte Rathaus am Marktplatz wurde schon gebaut, aber das imposante Amtsgericht und die schöne Jahnturnhalle standen noch nicht. Und überhaupt, sagt Rudolf Otromke: „Ich bin Blexer.“

Geboren wurde er am 5. September 1910 Am Luisenhof in der damals noch selbstständigen Gemeinde Blexen als Sohn eines Schiffbauers. Nach der Schule begann er 1924 bei der Einswarder Frerichswerft eine Lehre zum Maschinenschlosser.

1928 musterte er als Ingenieurassistent beim Norddeutschen Lloyd an und fuhr zur See. Danach besuchte er zweieinhalb Jahre lang die Schiffsingenieurschule in Bremen und Bremerhaven. Im Herbst 1935 bewarb er sich bei Weserflug, dem neuen Großunternehmen auf dem Gelände der alten Frerichswerft. „Ich musste mich bei Generaldirektor Dr. Feilcke in Bremen vorstellen“, erinnert er sich.

Im November fing er im Einswarder Verbindungsbüro an, einer Schaltstelle zwischen den Lizenzgebern Heinkel und Junkers und dem Lizenznehmer Weserflug. „Damals wurden die ersten Wasserflugzeuge fürs Militär gebaut“, sagt er, „die Heinkel He-60 und die Junkers W-34.“

1937 heiratete Otromke seine Marlene und bezog mit ihr eine Wohnung der Weser-Wohnstätten An den Wurten 11. „Es waren schöne Wohnungen für die damalige Zeit“, erinnert er sich. Auf den 48 Quadratmetern war sogar Platz für ein Badezimmer. 1938 wurde der Sohn Manfred geboren, 1943 folgte Norbert und 1945 Henner.

Schon 1941 war Otromke ins Weserflug-Werk Nordenham gewechselt, das am Fliegerdamm, dem heutigen Helgoländer Damm, lag. Dort leitete er das Verbindungsbüro mit etwa 90 Mitarbeitern. Oft musste er Dienstreisen unternehmen; beim großen Bombenangriff vom 18. Juni 1944 war er auf der Suche nach neuen Kopiergläsern unterwegs. Auch wenn er nicht an die Front musste, trug er ein hohes Risiko. Rudolf Otromke deutet nur an, wie groß der Druck war. Fehlschläge bei der Konstruktion des kriegswichtigen Materials konnte er sich keinesfalls leisten.

Im April 1945 endete die Produktion. Rudolf Otromke musste an die Front, geriet in englische Kriegsgefangenschaft, wurde im August entlassen und musste bis Weihnachten als Hilfsarbeiter in Volkers Töpfe und Pfannen aus Aluminiumblech fertigen, das noch massenweise in den Werkshallen lag, wo die Amerikaner Platz für ihr Nachschubdepot brauchten. Danach war er wegen seiner Englischkenntnisse als Übersetzer im Depot Blexen auf dem späteren Dockbauplatz tätig. Er begleitete öfter den Chef Cornel Cochrane, der auf privaten Touren Bohnenkaffee gegen Schmuck tauschte.

Nach der Auflösung des Blexer Lagers wurde Otromke zum Helgoländer Damm befohlen. Hier übersetzte er auch bei Vernehmungen, wenn Deutsche dabei erwischt worden waren, wie sie Lebensmittel aus dem Depot schmuggeln wollten. Als auch dieses Depot Ende 1948 schloss, blieb Otromke im Auftrag des Weserflug-Nachfolgers Weserfinanz mit 10 Mann Werkserhaltung und 30 Mann Wachen, bis am 28. August 1949 Felten & Guilleaume mit einem Lastwagen die ersten Spritzgussmaschinen aus Köln anlieferte.

Bis 1975 war Rudolf Otromke Leiter der F & G-Werkserhaltung mit bis zu 120 Mitarbeitern. Dazu gehörte auch die Lehrwerkstatt, in der zu seiner Zeit 300 bis 350 junge Leute ausgebildet wurden. Seine wichtigsten Mitarbeiter waren Dirk Döscher, Hermann Struß, Fred Memenga und seine Sekretärin Ingeborg Windhorst. In den 80er Jahren war sein Sohn Henner Werkleiter.

Heute lebt Rudolf Otromke, dessen Frau 1995 gestorben ist, am Mittelweg. Anita Martin, die Witwe seines Freundes Lothar Martin, ist seine Gefährtin. Und er zeigt Gesicht für Nordenham: In der Fotoausstellung im Rathaus ist er als ältester Nordenhamer zu sehen.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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