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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Fischer mit Kurs auf Katastrophenjahr

13.08.2019

Fedderwardersiel Dirk Ostendorf mäht zurzeit drei Mal in der Woche seinen Rasen. Weil er sonst nichts zu tun hat. Normalerweise würde der Fedderwardersieler Krabbenfischer jetzt auf See sein, seinem Job nachgehen, Geld verdienen. Doch tatsächlich liegt sein Schiff, die „Seestern“, im Hafen fest – genau wie vier andere in Fedderwardersiel beheimatete Krabbenkutter.

Die Fischer in Fedderwardersiel und an vielen anderen Orten an der Nordseeküste sind Opfer übervoller Tiefkühllager. Die Großhändler nehmen ihnen seit zwei Wochen keine Krabben mehr ab. Der zwangsweise Fangstopp wird noch diese Woche anhalten. Dann können die Fisscher zwar wieder rausfahren. Viel verdienen werden sie aber trotzdem nicht.

Dirk Sander, Geschäftsführer und Sprecher der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer in Cuxhaven, bestätigt, dass der von den Großhändlern verhängte Annahmestopp mit randvollen Lagern zusammenhänge. Krabben waren Mangelware, nachdem der Wittling, ein Raubfisch, die Bestände dramatisch dezimiert hatte. Doch diese Bestände haben sich längst mehr als erholt – und mit ihnen die Preise.

Im Herbst 2018 gab es eine solche Krabbenschwemme, dass die Großhändler keine andere Wahl mehr hatten, als sich die Lager zu füllen. Der Effekt wirkt sich nun in diesem Jahr aus. Bereits im Frühjahr hatte es einen dreiwöchigen Annahmestopp gegeben, nun läuft der zweite. „Wir haben sowieso nur eine begrenzte Fangzeit von acht bis neun Monaten. Wenn davon dann noch sechs Wochen ausfallen, kann dass für manche Kollegen existenzgefährdend sein“, sagt Dirk Sander.

Dirk Ostendorf aus Fedderwardersiel ist in der glücklichen Situation, über Rücklagen zu verfügen, mit denen er die Zeit, in der seine „Seestern“ zwangsweise im Hafen liegt, überbrücken kann. Er denkt aber auch an Berufskollegen, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen, womöglich eine Rücklagen haben. Für die könne ein solcher Verdienstausfall wie zurzeit zur ernsthaften Bedrohung werden.

„Ich bin seit 20 Jahren Fisscher, und es gab immer mal gute und weniger gute Jahre. Aber ein Katastrophenjahr wie dieses hatten wir noch nie“, so der Kapitän der „Seestern“. Er meint damit nicht nur die beiden Fangstopps jetzt und im Frühjahr. Auch in der Zeit dazwischen herrschte unter den Fischern alles andere als Goldgräberstimmung. Sie mussten Fangmengenbegrenzungen einhalten. „Da lief das gerade mal kostendeckend“ sagt Dirk Ostendorf, „ein Nullsummenspiel“.

Und das wird es auch wieder sein, wenn ab nächster Woche der Fangstopp vorbei ist, die Fischer wieder rausfahren können. Sie müssen dann erneut eine Fangmengenbegrenzung verdauen. „Es wird wieder gefischt, aber mit angezogener Handbremse“, bestätigt Dirk Sander.

Für große Sprünge und um Rücklagen zu bilden, wird es da wieder nicht reichen, zumal noch ein weiterer Aspekt hinzukommen: Die Preise für Krabben sind im Keller. In Zeiten des Mangels erlösten die Fischer noch vor Kurzem bis zu 10 Euro pro Kilo, jetzt sind es lediglich noch 3 Euro. Gut für die Endverbraucher, schlecht für die Fischer, die auch in absehbarer Zeit kaum etwas auf die hohe Kante werden legen können.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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