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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Tischgespräch: Fisch-Fritz macht Feierabend

01.10.2011

ELSFLETH „Ich wollte nie Fischhändler werden.“ Fritz Roth sitzt mit seinem Rücken zur Weser, auf der anderen Uferseite liegt Harriersand. In sieben Tagen ist soweit: Am Freitag kommender Woche wird Fritz Roth, der bekannte Fischverkäufer aus Bremerhaven, nach 37 Jahren zum letzten Mal auf dem Elsflether Wochenmarkt seinen Fisch anbieten. Fritz Roth geht in den Ruhestand.

„Ich werde die Elsflether vermissen“, sagt der 63-Jährige nachdenklich und wartet auf eine doppelte Portion Wiener Schnitzel. „Kein Fisch bitte, ich bin da sehr vorsichtig“, sagt Roth. Kein Fisch? „Ich esse nur Fisch, den ich auch selbst gekauft habe. In Restaurants weiß ich nie, wie frisch er ist.“ Also bestellt sich Roth beim NWZ -Tischgespräch ein großes Wiener Schnitzel in doppelter Ausführung, dazu Bratkartoffeln und ein bisschen Salat.

Der Fischhändler, der keiner werden wollte, und der selbst keinen Fisch isst – zumindest nicht außerhalb seiner eigenen vier Wände. Was hat es mit diesem Mann, den die Elsflether über vier Jahrzehnte kennen und schätzen gelernt haben, auf sich? Was ist seine Geschichte?

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Fritz Roth lehnt sich zurück und erzählt. „Ich wollte immer Koch werden, ich koche aus Leidenschaft.“ Doch bei seiner Berufswahl mischten seine beiden Onkel, väterlicher- und mütterlicherseits, kräftig mit, wie Roth berichtet.

„Der eine war Schriftsetzer bei einer Zeitung. Er riet mir zu einer Buchdrucker-Lehre. Und so kam es auch. Ich war Buchdrucker mit Leib und Seele“, so Roth. Vom Fischverkaufen war er damals meilenweit entfernt – zumindest in Gedanken.

Denn in seiner Familie gab es auch einen Onkel, der Fischverkäufer war. „Er hatte keine Kinder und deshalb hat er mich gefragt, ob ich seinen Betrieb übernehme“, erinnert sich Roth. Der Betrieb bestand aus einem kleinen Transporter, einem Hanomag. Mit diesem Fahrzeug fuhr der junge Fritz Roth fortan durch den gesamten Nordwesten. „Die Stammkundschaft meines Onkels war im Emsland. Alles Privathaushalte. Das waren auch meine Kunden“, erzählt Roth.

Die junge Kellnerin bringt die Wiener Schnitzel. Mit weit geöffneten Augen mustert Roth seinen Teller und stellt dabei erstaunt fest, dass statt einem kapitalen Schnitzel gleich zwei für ihn gebraten wurden. „Eine eigenartige Panade“, fügt der Fischhändler hinzu und sieht die Kellnerin dabei fragend an, die im Weggehen seinen fragenden Blick erwidert. „Wir machen unsere Panade selbst, aus eigenem Brot“, sagt die junge Frau verlegen. Fritz Roth lacht und scheint damit sein Einverständnis zu signalisieren.

Dienstag und Mittwoch. Das waren die beiden Wochentage, an denen Roth auf „Klingeltour“ war, wie er sagt. Das bedeutet, dass er mit seinem Transporter, anfangs noch ohne elektrische Kühlung, übers Land tingelte und Hausbesuche machte. Damals gab es keinen Discounter um jeder Ecke.

„Ich hatte wirklich interessante Kunden, die ich belieferte“, sagt Roth und schwelgt in Erinnerungen. „Einige haben tatsächlich den Fisch beim Kochen eingeplant, obwohl sie ihn noch gar nicht hatten.“

Was heute im modernen Begriff „Just-in-time“ genannt wird, praktizierten seine Kunden schon vor über 30 Jahren. „Wenn ich klingelte, dann flog der Fisch direkt in die Pfanne“, sagt Roth und beißt von seinem Schnitzel ab, dass ihm offenbar schmeckt, wie seine Gesichtszüge verraten.

Auf fünf Wochenmärkten in den Landkreisen Cloppenburg, Emsland, Wesermarsch und Oldenburg hatte Roth seinen Stand.

Die Elsflether sind ihm dabei besonders ans Herz gewachsen. „Sie sind offen, nicht so stur wie die Emsländer“, sagt er und lacht. „Die Elsflether vertragen auch mal einen derben Spaß“, so Roth. „Sie legen nicht jedes Wort auf die Goldwaage.“

Sein Geschäft hat Roth schon verkauft. Seinen Nachfolger arbeitet er gerade ein. Dabei hat er Roth einen Rat, den er auf jeden Fall weitergeben muss. „Eins steht fest: Als Fischverkäufer musst du ein Unterhaltungskünstler sein. Die Leute wollen unterhalten werden. Du musst die Zähne auseinander kriegen, sonst hat du verloren.“

Felix Frerichs Nordenham / Redaktion Nordenham
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