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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Gänse machen Festtafel zur Toilette

25.08.2016

Augustgroden Im Frühjahr fährt der Bauer für den ersten Grasschnitt aufs Feld. Doch nicht selten haben andere die Arbeit schon für ihn erledigt: Nonnengänse. Ihnen gefällt es in der küstennahen Wesermarsch so gut, dass sie nicht nur in größerer Zahl kommen, sondern auch länger bleiben. Was Ornithologen freut, ist für Landwirte mittlerweile ein großes Problem.

Dieser Sorgen nahm sich am Mittwochvormittag die Stadlander CDU an. Weil Kommunalpolitiker aber wenig daran ändern können, hatten sie den CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Hillmer aus Uelzen mitgebracht, der selbst Landwirt von Beruf ist. Er sagte bei einem Treffen mit dem Kreislandvolk und betroffenen Bauern auf dem Hof von Sandra und Ralf Onken in Augustgroden parlamentarische Initiativen zum Schutz vor Gänsefraß zu.

700 Euro pro Hektar

Die Schäden sind erheblich: Auf 700 bis 800 Euro pro Hektar und Jahr schätzt sie Gerd Reimers aus Seeverns. Die Ausgleichszahlungen des Landes – die längst nicht jeder Betroffene bekomme – seien wesentlich niedriger. Deshalb hat er sich eine Schussanlage genehmigen lassen, die das hungrige Federvieh mit gelegentlichen Knallgeräuschen von seinen Feldern vertreibt – ganzjährig. Stattdessen fressen sie sich nun ein paar Kilometer weiter satt.

Eine dauerhafte Lösung für alle können solche Schussanlagen also nicht sein, zumal sie in Vogelschutzgebieten so gut wie nicht genehmigt werden, wie auch Ralf Onken erfahren musste, dessen Hof im Vogelschutzgebiet Jadebusen liegt. „Dem fressen die Gänse die Haare vom Kopf“, zeichnete Landvolk-Geschäftsführer Manfred Ostendorf ein drastisches Bild der Lage.

Bernd Kuck aus Tettens warf ein, dass eine Schussanlage die Gänse nur aufscheuche – und danach hätten sie noch mehr Hunger. Zudem machten sie die lauten Knallgeräusche nervös. Bejagung könne auch keine Lösung sein: Es seien einfach zu viele Tiere für die Jäger. „Die setzen sich einfach zwischen die schießenden Jäger“, schilderte Bernd Kuck.

Kreislandwirt Dr. Karsten Padeken und der Bauer und Jäger Jörg Kuck, Rotehenne, schlugen dennoch vor, die Nonnengänse zu jagdbarem Wild zu erklären. Das könne die Gänse zumindest von den Flächen vertreiben, auf denen sie die Landwirte nicht haben wollten. Wie Karsten Padeken sagte, hätten sich im Frühjahr an einer Stelle der Wesermarsch bis zu 60 000 Gänse niedergelassen – so viel wie nie zuvor. Nach seinen Aussagen fraßen sie 130 000 Kilogramm Gras am Tag, konnten davon aber nur zwei Prozent verwerten – auch weil das Gras nach dem Winter noch wenig energiereich ist. Der Rest landet als Kot auf den Ländereien.

Besser außendeichs

Deshalb müsse es Ziel eines Managements sein, die Gänse in Gegenden zu vertreiben, in denen sie keine Schäden anrichten können. Dabei denkt Karsten Padeken vor allem an das naturbelassene Vordeichsgelände, das das Federvieh, anders als das gepflegte intensiv bewirtschaftete Grünland, meidet. Dafür müssten aber die Vordeichs-
ländereien anders gestaltet werden, was der Naturschutz ablehne.

Als zweiten Punkt nannte Karsten Padeken: „Wer die Gänse loswerden will, muss die Pütten dicht machen.“ Denn Wasserflächen ziehen das Geflügel an. Doch auch das sei mit dem Naturschutz schwer zu vereinbaren.

Das beinharte Vorgehen der Niederländer und Belgier, die rastende Gänse in Lastwagen vergasen, lehnen die Landespolitiker fraktionsübergreifend ab, sagte Jörg Hillmer. Er ergänzte, Konkurrenz um die Ernte zwischen Bauer und Wild habe es immer gegeben, und der Landwirt habe seine Ernte verteidigt, indem der die Konkurrenten bejagt habe. Wenn die Politik ihm dies verbiete, müsse sie die Schäden ausgleichen.

Genau das passiert aber nicht, kritisierte Manfred Ostendorf. Denn das Geld reiche nicht, um alle betroffenen Bauern in den Vogelschutzgebieten zu entschädigen. Und fast nie reiche die Entschädigung aus.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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