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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Er steht seit 75 Jahren im Berufsleben – und wird nun 90

08.12.2018

Großenmeer Hans Thormählen ist ein Sonntagskind. Am 9. Dezember 1928 hat er in Südbollenhagen das Licht der Welt erblickt – und an diesem Sonntag feiert der gelernte Hufschmied in Großenmeer seinen 90. Geburtstag.

Gut, ein 90. Geburtstag ist schon etwas Besonderes; doch dieser Mann hat etwas zu bieten, das beinahe unglaublich und kaum zu fassen ist. Hans Thormählen steht in diesen Tagen seit genau 75 Jahren im Arbeitsleben – ohne Urlaub, ohne Kur und ohne Krankheit.

Am 1. März 1943 hat er in Neustadt seine Lehre als Schmied angetreten und sich am 1. März 1953 als Blitzschutz-Experte selbstständig gemacht, zunächst in Südbollenhagen – genau gegenüber von der Ex-Kult-Gaststätte Jabben – und ab 1955 in Großenmeer, dem heutigen Sitz der Zentrale mit zahlreichen Stationen in Norddeutschland und einem Mitarbeiterstab im Gesamtverbund von inzwischen 180 Fachkräften.

400 DM Startkapital

Hans Thormählen ist damit einer der wenigen, für den der Traum vom Tellerwäscher zum Millionär Wirklichkeit geworden ist. Nur ist Hans Thormählen nie als Tellerwäscher aktiv gewesen, sondern hat als gelernter Hufschmied genau erfahren, wie hart diese Arbeit sein kann.

Nach seiner Meisterprüfung in Oldenburg am 30. April 1952 arbeitete Hans Thormählen zunächst im Moor bei der Torfstreufabrik Meiners in Oldenbrok, ehe er in Jade bei Fritz Döbbelin eine Arbeit als Blitzschutzmonteur fand.

Und der blitzgescheite Hufschmiedmeister erkannte schnell, dass diese Branche Zukunft hat. Schon am 1. März 1953 gründete er in Südbollenhagen die Firma Hans Thormählen mit einem Startkapital von 400 DM.

Der Unternehmer aus Südbollenhagen war nicht nur ein Mann der Tat, er hatte auch ein Händchen für seine Mitarbeiter.

Dreirad-Transporter

Die ersten Aufträge wurden erfolgreich abgewickelt, und dann ging es fast blitzartig weiter. Der erste Transporter war ein dreirädriger Goliath. 1955 folgte der Umzug von Südbollenhagen nach Großenmeer. „Schon früh haben wir in Aurich den ersten Anker ausgeworfen. Ich wusste von Anfang an, dass man für die Kunden vor Ort ansprechbar sein muss“, sagt Thormählen. Die Entwicklung von Blitzschutz Thormählen war absolut rasant. Es folgten Aufträge in Hamburg – unter anderem wurde das Schulbezirksamt in Eimsbüttel fachgerecht ausgestattet – und zahlreiche Aufträge für die gerade neu gegründete Bundeswehr.

„Ende der 1950er Jahre hatten wir mehr als 100 Mitarbeiter und sechs Außenstellen“, erinnert sich Thormählen. Inzwischen ist Blitzschutz vielfältig vorgeschrieben und das familien- und inhabergeführte Unternehmen ist in Deutschland längst eine Marke und zugleich Marktführer.

Einen Auftrag wird Hans Thormählen in seinem Leben nicht vergessen. „Nach dem Fall der Berliner Mauer haben wir die Stasi-Zentrale nach dem Firmenmotto ,gesichert und geschützt’. Ich habe auf dem Dach einige Fotos geschossen.“

Am 1. März 1998 hat Hans Thormählen die Geschäfte an Reyno Thormählen übergeben und am 1. März 2018 feierte die Firma frei nach dem Motto „gesichert und geschützt“ 65. Geburtstag. Doch Hans Thormählen ist in der Firma immer noch aktiv – auch wenn er nicht mehr als Geschäftsführer fungiert.

Mit 16 ein Monat Soldat

Der aufmerksame Leser wird sich jetzt fragen, warum Hans Thormählen erst jetzt das stolze Jubiläum – 75 Jahre im Arbeitsleben, – feiern kann, schließlich hat er am 1. März 1943 seine Lehre begonnen und nicht am 9. Dezember.

Hans Thormählen, der als Selbstversorger immer noch gerne kocht, kann das schnell erklären. „Hitler war schuld. Als 16-Jähriger wurde ich eingezogen – und mein Arbeitsleben wurde für acht Monate unsanft unterbrochen“, sagt er im Gespräch mit der NWZ.

Und er kann sich noch sehr gut an diese Zeit erinnern. „Nach einem Monat der sogenannten Wehrertüchtigung in Munster-Lager musste ich drei Monate Arbeitsdienst in Bühren bei Wildeshausen leisten. Vom 3. April bis zum 3. Mai war ich dann Soldat, komplett eingekleidet, aber ohne Waffe“, erinnert sich Hans Thormählen.

Von der Kaserne in Oldenbrug-Kreyenbrück ging es nach Munster-Lager und über die Elbe in Richtung Berlin. „Es war fürchterlich, uns kamen viele Flüchtlingstrecks entgegen“, sagt Hans Thormählen. Am 3. Mai wurde er von den Amerikanern gefangen genommen. „Es war in Rom bei Parchim. Wir waren unbewaffnet. Mir war zuvor dieser komische Wagen aufgefallen. Es war der Jeep der Amerikaner“, sagt Thormählen, der heute froh ist, dass die Amerikaner so weit nach Osten vorgedrungen waren.

„Wenn ich bei den Russen gelandet wäre, dann wäre das Ganze wohl nicht so glimpflich ausgegangen“, sagt der Jubilar. Schon nach drei Monaten in einem Kriegsgefangenenlager in Mecklenburg durfte der damals 16-Jährige in seine Heimat zurückkehren.

„Wir haben im Lager Hunger geschoben und uns einen schlimmen Virus eingefangen. Ich fühlte mich unendlich schwach und weiß noch, dass wir nur überlebt haben, weil wir uns Brennnesseln zubereitet haben.“

Brennnesselsuppe wird es an diesem Sonntag aber vermutlich dennoch nicht geben, wenn Hans Thormählen im Kreise der Familie seinen 90. Geburtstag feiert.

Hans-Carl Bokelmann Jade/Ovelgönne / Redaktion Brake
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