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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Landwirtschaft: Grünland gewinnt eher beim Klimawandel

20.06.2012

SEEVERNS Die Wesermarsch mus keine Angst vor dem Klimawandel haben, sondern sie wird in einigen Bereichen eher von ihm profitieren. Dennoch darf sie mögliche negative Folgen nicht aus dem Blick verlieren.

Das hat Dr. Arno Krause, der Geschäftsführer des Grünlandzentrums Niedersachsen/Bremen in Ovelgönne, am Dienstagvormittag am Melkhus Seeverns gesagt. Der Geowissenschaftler begleitete eine Tour von 50 Teilnehmern der Jahrestagung des EU-Projekts Interreg durch die Wesermarsch.

Gras wird produktiver

Ein wesentlicher Grund für den Klimawandel ist, dass die Industrieländer mehr Kohlendioxid ausstoßen – beispielsweise mit ihren Autos oder ihren Kohlekraftwerken. Von dem Kohlendioxid profitiert aber das in der Wesermarsch vorherrschende Grünland, weil dieser Stoff im Gras pflanzliche Prozesse anstößt und damit dessen Produktivität erhöht – vor allem auf fruchtbarem und gut mit Stickstoff versorgten Grünland, erläuterte Krause.

Die Nahrungsmittel, die die Bauern in der Wesermarsch erzeugen, werden dringend gebraucht: Bis 2050 wird der Bedarf wegen der weiter steigenden Zahl der Menschern weltweit zum 50 bis 70 Prozent steigen, sagt die Welternährungsorganisation FAO voraus.

Deshalb werden Bauern künftig noch effizienter wirtschaften – aber so, dass sie zunehmend Umweltbelange berücksichtigen, sagte der 45-Jährige. Landwirte müssten dann immer mehr öffentliche Güter wie saubere Luft und Artenvielfalt im Blick haben, dafür aber auch von der Gesellschaft entschädigt werden. Er riet den Landwirten zu einem neuen Rollenbild: Sie sollten nicht nur Erzeuger von Nahrungsmitteln sein, sondern Dienstleister für die Gesellschaft.

Alternativen zum Einsatz von mehr Technik sind der Anbau ertragreicherer Pflanzen und die längere Nutzung der Tiere, ergänzte Kreislandwirt Peter Cornelius, der auch Vorstandsvorsitzender des Grünlandzentrums ist. Zu diesem Thema forschen mehrere Universitäten, die im Netzwerk des Grünlandzentrums einen Forschungsverbund bilden.

„Bauer kein Buhmann“

Wenn Landwirte die Artenvielfalt stabilisieren und in ihren Pflanzen Treibhausgase binden, muss ihnen die Gesellschaft das anrechnen wie das tägliche Brot, sagte Krause weiter. Statt staatlicher Vorschriften brauchten die Landwirte ökonomische Anreize.

Bevor die Bürger darüber nachdenken, was ihnen die Arbeit der Landwirte für die Gesellschaft wert ist, müssen sie aber einige weit verbreitete Vorurteile abbauen, forderte Krause: „Der Bauer ist nicht der Buhmann, sondern er ist ein Gärtner, der die Erde erst gestaltet. Ohne Landwirte wäre ein großer Teil unserer Landschaft Sumpf.“

Weil er gerade dabei war, räumte der gebürtige Ostfriese mit weiteren Vorurteilen auf. „Bauern gefährden nicht die Vielfalt der frei lebenden Arten – im Gegenteil: Aktuelle Untersuchungen beweisen, dass auf bewirtschafteten Flächen mehr Artenvielfalt herrscht als auf Flächen, die der Natur überlassen bleiben.“ Auch ein weiteres Vorurteil müsse endlich verschwinden: „Was groß ist, ist nicht unbedingt schlecht, und was klein ist, ist nicht unbedingt gut. Entscheidend ist die Effizienz“, sagte Arno Krause.

Zu den negativen Seiten des Klimawandels, die auch im Grünland zu spüren sind, gehören Starkregen, die Zunahme von Unwettern und längere Trockenperioden im Sommer von 3 bis 6 Wochen. Doch die Wetterunbilden könne die Wesermarsch locker wegstecken, da sei Südeuropa sehr viel schlimmer dran, sagte Arno Krause.

Der Anstieg des Meeresspiegels und die gleichzeitige langsame Senkung der Küstenlinie seien „intellektuell unter Kontrolle: Die Zahlen sind alle bekannt“, betonte der Wissenschaftler. Die Politik könne sich mit dem Deichbau auf die Erfordernisse einstellen. Das werde viel Geld kosten, aber keine Katastrophe über das Land bringen.

Seit 1996, sagte Krause, ist die durchschnittliche Temperatur in der Wesermarsch um ein Grad gestiegen.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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