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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Halbe Milliarde Dollar pro Flug

21.04.2012

NORDENHAM „Es gab einen hellen Schein, alles bebte, alles dröhnte.“ Dr. Thilo Günter erinnert sich noch genau an den 12. April 1981. An diesem Tag machte sich das erste wiederverwendbare Raumfahrzeug auf den Weg ins All. Thilo Günter saß damals in seiner Studentenbude vor einem Schwarz-Weiß-Fernseher. Auch der vibrierte. „Der erste Flug war eine Sensation“, erzählte Thilo Günter den 25 Besuchern, die am Donnerstagabend zu seinem Vortrag in den Großen Hörsaal des Gymnasiums gekommen waren.

Der Wissenschaftler und freiberufliche Autor gastierte zum fünften Mal bei den Nordenhamer Sternfreunden. Diesmal beschäftigte er sich mit der Ära der Raumfähren, die an jenem Tag im April des Jahres 1981 begann und erst im vergangenen Jahr endete, als die Atlantis zu ihrer letzten Mission aufbrach.

Hohe Kosten

Wirtschaftlichkeit durch Wiederverwendbarkeit – das hatten sich die Amerikaner bei der Entwicklung versprochen. Die Rechnung ging nicht auf. Die Raumfähren starteten zwar 135 Mal ins All. Aber die tatsächlichen Kosten überstiegen die erwarteten um ein Vielfaches. Die starke Materialbeanspruchung machte umfangreiche Wartungs- und Reparaturarbeiten notwendig. Ein Beispiel für die enorme Beanspruchung: Beim Start einer Raumfähre entstehen in den Brennkammern Temperaturen von bis zu 3000 Grad. Eine einzelne Shuttle-Mission kostete rund ein halbe Milliarde Dollar. Deshalb hagelte es immer wieder Kritik am Shuttle-Programm, in Europa mehr noch als in den USA. Er habe allerdings kein Verständnis dafür, dass die Kritik auch von Wissenschaftlern kam, die den Shuttle-Flügen viele wichtige Erkenntnisse verdanken. „Die Amerikaner haben den ersten Schritt gemacht. Ohne diesen ersten Schritt gibt es keinen Fortschritt.“

Thilo Günter bewertet das Shuttle-Programm insgesamt als erfolgreich, obwohl zwei Flüge katastrophal scheiterten. Beim Challenger-Unglück 1986 starben sieben Astronauten, weil beim Start ein Dichtungsring versagte. 2003 führte ein Loch in der Hitzeschutzverkleidung zum Columbia-Unglück. Auch dabei verloren alle sieben Besatzungsmitglieder ihr Leben. Trotz dieser Unfälle ist die Raumfahrt nach Ansicht von Thilo Günter vergleichsweise sicher. Die Entwicklung der Luftfahrt habe ungleich mehr Opfer gefordert.

Wertvolle Erkenntnisse

Die Raumfähren dienten in erster Linie dazu, Raumsonden, Satelliten und Teleskope ins All zu bringen. Die bekannteste Fracht war 1990 das Hubble-Teleskop. Diesem Teleskop hat die Wissenschaft viele Erkenntnisse zu verdanken. Das gilt auch für das europäische Weltraumlabor Spacelab, das größtenteils in Bremen gebaut wurde. Es kam erstmals 1983 zum Einsatz. Mit an Bord war seinerzeit der erste deutsche Astronaut Ulf Merbold. In dem Labor fanden vorwiegend Experimente in Biologie, Medizin und Materialwissenschaft statt.

Ab 1998 ging es bei den meisten Shuttle-Flügen um den Aufbau der internationalen Raumstation ISS. Diese Arbeit ist erledigt und damit endete auch die Space-Shuttle-Ära. Im Juli 2011 startete die Atlantis zur letzten Mission. „Wenn die Amerikaner nun noch einmal Menschen ins All schicken wollen, müssen sie Russland fragen.“

Wie es mit der bemannten Raumfahrt in den USA weitergeht, stehe in den Sternen. Es gebe Pläne für den Bau eines Raumschiffs, die aufgrund der angespannten Haushaltslage zurzeit auf Eis liegen. Das Schiff werde frühestens Ende dieses Jahrzehnts zum Einsatz kommen, sagte Thilo Günter.

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