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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

HG Butzko zielt auf die Magengrube

14.10.2013

Nordenham „Eigentlich haben die Leute es nicht besser verdient, als die nächsten vier Jahre von einer großen Koalition verarscht zu werden.“ HG Butzko, der DAB trinkende Gelsenkirchener, gastierte am Freitag mit seinem Programm in der Jahnhalle. Die Zuhörer im gut gefüllten Kulturzentrum erwartete klassisches politisches Kabarett mit einem wirtschaftlichen Schwerpunkt und allerlei Seitenhieben.

Analytisch und rhetorisch gekonnt zeichnete Butzko in seinem Programm „Herrschaftszeiten“ die Entwicklungen seit der vergangenen großen Koalition nach. Zielsicher nahm der Kabarettist dabei Äußerungen und Phrasen aus den großen politischen Lagern auf und setzte sie in den Kontext realer Verhältnisse. „Wer arbeiten will, der findet Arbeit. Aber nicht unbedingt genug Geld, um von der Arbeit leben zu können“, stellte der Gelsenkirchener gleich zu Beginn fest. „Ich mache das, ich stehe jeden Morgen auf und schufte. Trotzdem sieht mein Kontoauszug aus wie ein 5-Jahres-Plan der DDR.“

Geld und Wirtschaft waren Dreh- und Angelpunkt des gesamten Programms. Anhand des Ökonoms und trotz Regierungswechseln langjährigen Staatssekretärs des Finanzministeriums, Jörg Asmussen, zeigte Butzko die vielfältigen Verquickungen zwischen Finanzministerium, Banken und Wirtschaft auf. Asmussen, der auch im Vorstand der IKB-Bank gesessen und die Vorgehen befürwortet habe, die zur Auslösung der Finanzkrise 2007 führten, sitzt mittlerweile im Präsidium der Europäischen Zentralbank. „Jörg Asmussen bekämpft jetzt in der EZB die Schuldenkrise, die er selbst mit ausgelöst hat.“

Seit 1997 Kabarett

Butzko, der seit 1997 politisches Kabarett macht und schon bei Extra3 und Ottis Schlachthof war, fragte sich irgendwann: „Wenn du dich mit den Mächtigen beschäftigen willst, warum hältst du dich dann mit Politikern auf?“ Die Antwort auf diese Frage zog sich durch das Programm: Zwar hinterfragte er Politiker mit ihren Äußerungen und Handlungen, sein Schwerpunkt lag aber auf den nach seiner Ansicht wirklich Mächtigen: Banken. Die Dinge, die zur Finanzkrise geführt haben, hat der Kabarettist dabei selbst recherchiert und er ist damit laut eigener Aussage bis heute nicht fertig geworden.

Aber nicht nur Banken und Banker, denen er weniger Kompetenz unterstellte als Schimpansen, waren Ziel der pointierten Angriffe. Auch „Mutti Merkel“, der Absturz der FDP bei der Wahl und die Verfehlungen der SPD wurden aufgenommen. Rainer Brüderle will der Kabarettist für sein „Brüderlegelalle“ den Edmund-Stoiber-Gedächtnisorden verleihen, und Merkels Handhaltung hält er für die Öffnung eines Schwarzen Lochs, das alles verschlingt.

Auch die Unterschiede zwischen Arm und Reich in Deutschland wurden unter die Lupe genommen. „Wir brauchen nicht nur einen Mindestlohn, sondern auch ein Höchstvermögen! Ja, das ist Schwachsinn, aber auch kein größerer als jetzt.“

Kurzer Ausbruch

Einen kurzen Ausbruch aus dem stark wirtschaftlich geprägten Programm bot der Auftritt des Alter Egos „Chris Di Motten“, der die Zuhörer in philosophische Gefilde entführte und die wirklich wichtigen Fragen des Lebens stellte: „Können Neonazis DJ werden, wenn sie den Unterschied zwischen 33 und 45 nicht verstehen? Was hatte der Mensch, der als erstes Kühe gemolken hat, eigentlich ursprünglich vor?“ Dieser befreiende Ausflug aus dem ansonsten sehr Daten und Fakten orientiertem Programm tat dem Publikum sicher gut, löste er doch viele Lacher aus und minderten etwas die Schläge in die Magengrube der Gesellschaft.

Zu einem versöhnlichen Ende mit Politik und Wirtschaft kam Butzko nicht. „Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich beschleicht so langsam das Gefühl, dass sich zwischen uns, unserer Arbeit und unserem Geld Leute rumtreiben, auf die wir auch gerne verzichten können.“

Claus Arne Hock
Volontär, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2743

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