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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Hier wurde Wegegeld bezahlt“

19.11.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-11-19T05:39:09Z 280 158

Geschichte:
„Hier wurde Wegegeld bezahlt“

Ovelgönne Ordentlich gebuddelt haben jetzt zwei Männer an einer beinahe vergessenen Grenze. Der Burgdorf-Forscher und Chronist Dieter Bolte legte jetzt mit dem Besitzer des Anwesens, Dieter Schmidt, an der Bahnhofstraße in unmittelbar Nähe zum Braker Sieltief den Grenzfindling an der ehemaligen Geldhebestelle frei, der über die Jahre im Erdreich versunken war.

Mit vereinten Kräften wurde der Stein an gleicher Stelle höher und wieder gut sichtbar platziert. Dieter Bolte hat den Stein vermessen und ausgerechnet, dass er 460 Kilogramm wiegt.

Der Blick zurück: Im Jahre 1854 wurde an dieser Stelle eine Chausseegeldhebestelle vom Herzogtum Oldenburg eingerichtet. Es war eine sogenannte Zahlstelle mit Ausspann. Auch eine Schankkonzession wurde erteilt, damit die Fuhrleute eine Rast einlegen konnten, erklärt Dieter Bolte. „Das eingenommene Geld setzte das Herzogtum für den Klinkerstraßenbau ein. Ein Teil ging an den Grenzwärter“, so der Chronist.

Die Wegegeld-Hebestelle mit Schlagbaum und Gaststätte befand sich an der Amts-und Vogteigrenze Ovelgönne/Strückhausen. Für die Eingesessenen stellte sie eine zusätzlich finanzielle Belastung dar. Im Laufe der Zeit – von 1899 bis 1905 – wurden die Hebestellen aufgehoben.

Die Gemeinden Ovelgönne und Strückhausen versuchten auch nach 1899 die Einnahmequellen aufrecht zu erhalten. An gleicher Stelle – auf der anderen Chausseeseite – wurde 1903 die Fertigstellung des nach Schätzungen 25 bis 30 Meter hohen Schornsteins, der Thieleschen Dampfmühle gefeiert. Neben der zuvor erbauten Mühle der Schlot ein stattliches Bild.

Zuvor war an jenem Platz eine Bockwindmühle in Betrieb gewesen. Im Jahre 1919 verlor die Mühle einen Flügel, und wurde bis in den Winter 1925 nur noch generell mit dem 50-PS-Dieselmotor betrieben. 1924/25 erhielt die Mühle neue Flügel für 10  000 Reichsmark, und konnte wieder mit Wind betrieben werden und stellte einen schönen Anblick dar. 1922 war der Betrieb auch an das elektrische Lichtnetz angeschlossen worden. Doch gleich im Jahre 1925 tobte ein gewaltiger Gewittersturm, der die ganze Kappe der Mühle herunterriss. Aus Kostengründen erfolgte kein Wiederaufbau der Kappe mit den Windmühlenflügeln. Im Jahre 1929 wurde der Verkauf der Motormühle mit Bäckerei aus der Konkursmasse, Inhaber Johann Christoph Thiele, angeboten. Johann Christoph Thiele ersteigerte daraufhin sein eigenes Konkursgut und betrieb die Mühle mit Bäckerei bis zur Aufgabe 1935.

Am freigelegten Findling, Länge 85 Zentimeter, Breite 65 Zentimeter, möchte Dieter Bolte ein Hinweisschild anbringen. Er ist auf der Suche nach einem historischen Schild aus der damaligen Zeit mit den Initialen P.F.A. für den Herzog Peter Friedrich August.