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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Der Gnadenbrot-Hof für Aysche und Co.

17.08.2018

Hoffe Aysche ist 13 Jahre alt, eine hübsche Husky-Hündin, die bei ihrem Herrchen ein schönes Leben hatte. Irgendwann ist ihr Halter erkrankt – so schwer, dass er sich nicht mehr um Aysche kümmern konnte. Inzwischen hat sie ein neues Zuhause. Bei Doris Kraft und ihrem Lebensgefährten Heiko Wilshusen in Hoffe genießt die freundliche Dame ihren Lebensabend. Und sie ist längst nicht der einzige Vierbeiner, um den sich die beiden kümmern.

Immer wieder kommt es vor, dass Hunde oder Katzen plötzlich alleine sind, weil ihre Besitzer schwer erkrankt oder verstorben sind. Manchmal sind diese Tiere wegen ihres Alters oder aus anderen Gründen schwer vermittelbar. „Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, in Würde weiterzuleben“, sagt Heiko Wilshusen. Geld gibt es dafür nicht. Aber Doris Kraft und ihr Partner bringen es nicht übers Herz, Hunde wie Aysche ihrem Schicksal zu überlassen.

Flohmarkt in Hoffe

Um Pflegetiere auch weiterhin versorgen zu können, lädt die Tierpension Kraft für diesen Samstag, 18. August, zu einem Flohmarkt ein. Doris Kraft und Heiko Wilshusen wollen unter anderem Bücher, DVDs, Videokassetten, Elektrogeräte, Werkzeug, Pferdesättel, alte Weine und präparierte Kleintiere aus ihrem Privatbesitz verkaufen. Der Erlös ist ausschließlich für die Gnadenbrottiere bestimmt, um die sich Doris Kraft und Heiko Wilshusen ehrenamtlich kümmern. Der Flohmarkt ist in der Zeit von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Die Tierpension befindet sich an der Stadländer Straße 61 in Hoffe.

Im vergangenen Jahr hatten die beiden vier Rottweilern ein vorübergehendes Zuhause gegeben. Der Halter war plötzlich verstorben. Doris Kraft und Heiko Wilshusen klapperten Geschäfte und Tierarztpraxen ab, um die Hunde zu vermitteln. Das gelang ihnen auch. Nach zwei Monaten hatten die Rottweiler ein neues Zuhause.

Die beiden Tierfreunde schätzen die Arbeit, die im Tierheim in Volkers geleistet wird. Aber sie wissen auch, dass die städtische Einrichtung nur für Tiere zuständig ist, die keine Halter mehr haben. Und sie sind überzeugt, dass sie gerade älteren Tieren in ihrem letzten Lebensabschnitt ein würdiges Umfeld bieten können. Ihren ehrenamtlichen Einsatz sehen als sinnvolle Ergänzung zum Tierheim.

Zehn Jahre im Tierheim

Doris Kraft hatte schon immer mir Tieren zu tun. Gemeinsam mit ihrem Mann Horst, der 2013 gestorben ist, hatte sie Schäferhunde gezüchtet, die in der Hundestaffel im Kernkraftwerk in Kleinensiel eingesetzt wurden. Zehn Jahre hat die gelernte Tierpflegerin das Tierheim in Volkers geleitet. Außerdem hat sie sich mit einer Tierpension selbstständig gemacht. So ist es auch schon vorgekommen, dass ehemalige Pensionshunde die ehrenamtliche Pflege auf dem Hof genießen, „was auch deshalb sinnvoll ist, weil sie die Umgebung bereits kennen“, sagt Doris Kraft.

Die 59-Jährige musste einige Schicksalsschläge verdauen. Tochter Laura hatte 2012 einen schweren Unfall. Ein Jahr später starb ihr Mann. Und plötzlich stand die Frau mit allem alleine da. Das Grundstück in Hoffe ist einen Hektar groß. Kein Wunder, dass sich Doris Kraft die Frage stellte, das Haus zu verkaufen und mit ihrer Tochter ins städtische Tierheim zu ziehen, das über eine separate Wohnung verfügt.

Es war eine harte Zeit für Doris Kraft. „Ich musste einfach nur funktionieren, aber das war vielleicht auch gut, um über alles hinwegzukommen“, sagt die 59-Jährige. Zum Glück hat sie von ihrem Freundeskreis viel Unterstützung bekommen. Vor drei Jahren hat sie das Tierheim abgegeben. „Mir fehlte einfach die Zeit dafür.“

Seitdem hat Doris Kraft die Tierpension ausgebaut. Je 15 Plätze für Hunde und Katzen bietet sie hier an. Und die Nachfrage wird immer größer, auch außerhalb der Ferien. Mit Hilfe ihres neuen Partners hat Doris Kraft viel geschafft. Heiko Wilshusen ist ein geschickter Handwerker. Er hat die Zwinger für die Hunde erneuert. Er hat den Zaun auf dem Gelände erneuert. Er hat Bäume gefällt. Er hält den Garten in Schuss. Und er ist längst nicht fertig mit dieser Arbeit. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt der 61-Jährige.

Heiko Wilshusen stammt aus Bremen. Dort hat er als selbstständiger Gewürzhändler gearbeitet. Inzwischen ist er Rentner. Er hat das hektische Stadt- gegen das ruhige Landleben getauscht. „Und ich will hier nicht mehr weg“, sagt der 61-Jährige.

Harte Arbeit

Abgesehen vom Verkehrslärm der Bundesstraße, die nur zwei Steinwürfe entfernt liegt, ist die ländliche Idylle ungetrübt. Aber sie ist auch harte Arbeit. Doris Kraft ist rund um die Uhr mit den Tieren beschäftigt. Sie müssen gefüttert werden. Einige brauchen Medikamente. Auslauf brauchen sie alle. Hin und wieder muss sie mit eines ihrer Pflegetiere zum Tierarzt. Doris Kraft freut sich, dass sie von den Nordenhamer Tierärzten viel Unterstützung bekommt. Der Wecker klingelt morgens um sechs. „Abends um zehn fallen wir todmüde ins Bett“, sagt Heiko Wilshusen. Aber die Natur, der schattige Garten, die Sonnenblumen, die in diesem Sommer geradezu explodiert sind, die Obstbäume und natürlich die vielen Tiere, die auf ihre Weise ihre Dankbarkeit zeigen, entschädigen für die mühsame Arbeit.

Der ehemalige Gewürzhändler ist Vegetarier, genauso wie seine Lebensgefährtin. „Aus Achtung vor den Tieren“, sagen die beiden. Aus demselben Grund kümmern sie sich um Hunde und Katzen, die in Hoffe ihr Gnadenbrot bekommen. Das hat natürlich seine Grenzen. Schließlich muss Doris Kraft wirtschaftlich zurechtkommen. Mit einer Tierpension lassen sich keine Reichtümer verdienen. Und jeder Zwinger, der von einem Pflegetier belegt wird, steht für ein Pensionstier nicht mehr zur Verfügung.

Jens Milde
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2205

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