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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

In den Doggerbergen auf Mammut-Jagd

20.01.2011

NORDENHAM Schal oder nicht Schal? Viel mehr bedeutet den meisten ein Temperatur-Unterschied von fünf Grad nicht. Doch wenn es sich um die durchschnittliche Temperatur auf der Erde handelt, machen läppische fünf Grad den Unterschied aus zwischen Warmzeit und Eiszeit, zwischen Nordsee und arktischer Steppe, zwischen Doggerbank und Doggerbergen.

Den Nerv getroffen

Denn noch vor 10 000 Jahren war die Doggerbank, heute eine Untiefe in der Nordsee, ein Gebirge in der kalten Steppe. Wo heute Container-Schiffe und Ausflugsdampfer fahren, stellten damals Steinzeit-Menschen am Rande der eiszeitlichen Gletscher dem Mammut und dem Wollnashorn nach. Das schilderte Professor Dr. Dierk Hebbeln, Meeresgeologe an der Universität Bremen, am Dienstagabend in seinem Vortrag „Vom flachen Land zum flachen Meer – 10 000 Jahre Nordsee-Geschichte“.

Der Rüstringer Heimatbund hatte mit diesem Thema den Nerv getroffen. Das Foyer des Museums konnte die mehr als 100 Zuschauer kaum fassen, die Zahl der Stühle reichte nicht aus.

Das entscheidende Fazit des Professors lautete: Unsere Küstenlinie ist nichts Festes, sie hat sich zu allen Zeiten und in jede Richtung verändert – immer nach den Gegebenheiten der Natur. Dem hat der Mensch durch den Bau starker Deiche einen Riegel vorgeschoben, und Dierk Hebbeln ist überzeugt davon, dass die Deiche trotz der fortschreitenden Erwärmung und dem damit verbundenen Anstieg des Meeresspiegels auch die nächsten 100 Jahre überstehen werden. Wenn dann der Klimawandel nicht gestoppt sei, müssten andere Strategien verwirklicht werden, denn anders als früher könnten die Küstenbewohner nicht einfach umziehen, sagte der 48-Jährige: „Überall wohnen schon andere.“

Vor 20 000 Jahren erreichten die Gletscher der bislang letzten Eiszeit ihre größte Ausdehnung. Die Durchschnittstemperatur der Erde betrug 10 Grad, 5 Grad weniger als heute. Während heute 15 Prozent der Landoberfläche von Eis bedeckt sind, waren es damals 30, darunter ganz Nordeuropa. Auf Schleswig-Holstein, woher Hebbeln stammt, lastete ein 300 bis 500 Meter mächtiger Eispanzer.

Nordenham dagegen war eisfrei. Aber es lag 1000 Kilometer von der Küste entfernt, die damals zwischen Südnorwegen und Nordengland verlief. Ein Nordenhamer hätte nach London laufen können. Aber Städte gab es damals noch nicht, und die Gegend war dünn besiedelt.

Wegen der Kälte war der natürliche Wasser-Kreislauf unterbrochen. Das Wasser, das aus dem Meer verdunstete und zum Festland zog, fiel nicht mehr als Regen in die Flüsse, die sich wiederum ins Meer ergossen, sondern als Schnee auf gefrorenes Land, blieb liegen und wurde im Laufe der Zeit zu Eis. Dadurch sank der Meeresspiegel um bis zu 120 Meter.

Die Elbe floss wesentlich weiter nach Norden, der Rhein traf die Themse, und die heutige Doggerbank war ein Gebirge. 1931 wurde dort eine 13 700 Jahre alte Harpune entdeckt, dazu kamen Knochen von Bären, Mammuts und Wollnashörnern. Englische Archäologen untersuchten 2003 ein Gebiet der Nordsee nach neuesten Methoden, das doppelt so groß ist wie die Wesermarsch. Sie fanden Spuren von 24 Seen und 1600 Kilometer Flussläufen.

Mit dem Ende der Eiszeit stieg der Meeresspiegel wieder. Vor 9500 Jahren war er weltweit noch 55 Meter niedriger als heute, vor 8000 Jahren waren es nur noch 25 Meter: Die Doggerbank war eine Insel geworden. Vor 5000 Jahren verschwand sie im Meer.

Inseln wandern nach Süden

Etwa zu dieser Zeit entstanden auch die ostfriesischen Inseln als Sandbänke. Der steigende Meeresspiegel trieb sie vor sich her, aber nicht von Westen noch Osten, wie die Forscher lange glaubten, sondern von Norden nach Süden – auf die Küstenlinie zu. Langeoog ist schon einmal komplett über sein Watt gewandert. Heute stehen die Inseln so fest wie die Küstenlinie – weil der Mensch es will und die technischen Mittel dazu hat. Wie lange noch?

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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