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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Internet kein Buch mit sieben Siegeln

18.10.2014

Nordenham Als sich Bertha Lüerßen vor 95 Jahren 3000 Mark von ihrem Vater lieh, um in Nordenham eine Buchhandlung zu eröffnen, hätte sie wohl nie gedacht, dass es dieses Geschäft im Jahr 2014 noch gibt. Das Sortiment mag sich verändert haben, die Kunden natürlich, ja sogar der Name: von Bestenbostel. Doch die Buchhandlung wird nach wie vor von ihrer Familie geführt: Enkelin Anne von Bestenbostel hat vor 13 Jahren ihren Vater Dieter von Bestenbostel – Bertha Lüerßens Sohn – abgelöst, der seinerseits 1948 das Ruder übernommen hatte.

Anne von Bestenbostel ist natürlich nicht mehr die kleine Enkelin, sondern eine gestandene Geschäftsfrau. Die 40-Jährige lässt sich allerhand einfallen, um die Leser weg von der Internet-Konkurrenz hinein in die Innenstadt zu holen. „Wir kennen unsere Kunden, sie uns auch, und wir haben immer Zeit für ein Gespräch“, nennt sie Vorteile der seit Jahren einzigen Buchhandlung vor Ort. Fachwissen sei zwar weiterhin wichtig und gefragt. „Aber die Kunden sind jetzt viel besser informiert als früher, weil sie alles über das neue Buch ihres Lieblingsautors im Internet in Erfahrung bringen können. Manche Fans wissen mehr als wir“, sagt Anne von Bestenbostel.

Sie will gar nicht in Konkurrenz zu den großen Online-Versandhändlern wie Amazon treten. „Wir können nur gut sein und gut bleiben. Wir zeigen überall in Nordenham Flagge und wollen Lieblingsbuchhandlung sein“, sagt die 40-Jährige. In dieser Woche haben Anne von Bestenbostel und Marina Schnathmann von der Stadtbücherei etwa 180 Abc-Schützen von sechs Grundschulen mit Lesetüten beschenkt. Von diesem Projekt profitieren bundesweit 90 000 Erstklässler.

Außer Lesungen organisiert sie auch Abende, die mit Literatur nichts zu tun haben. So gab es beispielsweise während der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer einen Anti-Fußball-Abend für Frauen – mit einem Friseur, einer Kosmetikerin, Nageldesignerinnen und einem Fotografen.

Die digitale Konkurrenz wirke sich aber definitiv auf Nordenham aus. „Heutzutage können die Menschen alles im Internet kaufen. Deshalb ist in den Innenstädten nichts mehr los. Die Läden müssen schließen, die Fußgängerzonen werden unattraktiver. Ein Geschäft kann noch so gut sein. Es nützt nichts, wenn keiner mehr da ist, der es merkt“, bedauert Anne von Bestenbostel.

Manche Branchen leiden stark darunter, dass sich die Kunden vor Ort informieren, dann aber im Internet den virtuellen Warenkorb füllen. „Das macht im Buchhandel wegen der Preisbindung nicht so viel Sinn. Neue Bücher kosten überall dasselbe. Außerdem sind wir genauso schnell wie reine Online-Anbieter“, sagt Anne von Bestenbostel.

Wer das Sofa aber einfach nicht verlassen will, könne auch genau so gut in ihrem Webshop (www.bestenbostel.com) stöbern. „Unser Werbeetat ist zwar kleiner als der von Amazon. Aber wir sind auch 24 Stunden am Tag erreichbar“, sagt sie.

Das hätte Bertha Lüerßen vor 95 Jahren sicherlich auch nicht gedacht.

Lars Herrmann
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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