• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Es ist Licht am Ende des Tunnels wahrzunehmen“

01.02.2019
Frage: Das neue Jahr hat kaum begonnen, da kommt mit der Schließung der Geburtshilfe in der Wesermarsch-Klinik schon die erste Hiobsbotschaft. Wie lässt es sich als Bürgermeister ertragen, dass es bald keine gebürtigen Nordenhamer mehr gibt?
Carsten Seyfarth: Das ist nur schwer zu ertragen und ein Schlag für die ganze Wesermarsch. Es ist auch eine Enttäuschung für die Bürgerinnen und Bürger in unserer Region, die sich für diese Klinik eingesetzt haben.
Frage: Erst löst Helios die Geriatrie auf, dann die Geburtshilfe. Hat der Krankenhausstandort Nordenham überhaupt noch eine Zukunft, wenn es nur um die Wirtschaftlichkeit geht?
Carsten Seyfarth: Helios hat ja erklärt, voll hinter diesem Standort zu stehen. Herr Landrat Brückmann und ich werden das Gespräch mit dem Helios-Vorstand suchen, um zu erfahren, wie die von Helios angekündigte Neuausrichtung des Standorts aussehen soll und was sie für unsere Region bedeutet.
Frage: Dem Jahr 2017 haben Sie die Note 2 bis 3 gegeben. Was steht im Zeugnis für 2018?
Carsten Seyfarth: Eine Schulnote möchte ich nicht vergeben. 2018 war ein bewegtes Jahr mit vielen Facetten. Bestimmte Dinge sind gut gelaufen, manche weniger gut.

Den zweiten Teil

des ausführlichen Interviews mit Bürgermeister Carsten Seyfarth veröffentlichen wir in der morgigen Sonnabendausgabe. Dann geht es unter anderem um das Neubaugebiet auf dem ehemaligen Klinik-Gelände und die Zukunft der Stadthalle Friedeburg.

Frage: Fangen wir mit dem Positiven an...
Carsten Seyfarth: Erfreulich war, dass sich die finanzielle Entwicklung der Stadt Nordenham verbessert hat. Es ist jetzt Licht am Ende des Tunnels wahrzunehmen. Das Gewerbesteueraufkommen in 2018 ist deutlich höher ausgefallen als erwartet. Diese Einnahmen liegen jetzt bei rund 20 Millionen Euro. Für 2019 rechnen wir mit weiteren 17 Millionen Euro. Wir haben zudem eine Sonderzahlung des Landkreises erhalten. Das ist eine positive Botschaft nach den vielen Sparrunden, die wir in der Vergangenheit gedreht haben. Nach und nach beginnen wir, uns zu konsolidieren. Damit gewinnen wir dann auch wieder freie Spitzen und können Rücklagen bilden. Das gibt mehr Spielraum für Investitionen. Zuletzt ist ja alles darlehensfinanziert gewesen.
Frage: Die verbesserte Haushaltslage weckt natürlich Begehrlichkeiten. Ist es vorbei mit der Zeit des Sparens?
Carsten Seyfarth: Nein, es ist nicht der Punkt gekommen, an dem Milch und Honig fließen und wir das Füllhorn ausschütten können. Aber es ist ein Punkt gekommen, an dem man durchatmen und bestimmte Dinge realisieren kann, die in den zurückliegenden Jahren nicht möglich waren.
Frage: Zum Beispiel?
Carsten Seyfarth: Ich erinnere an die unselige Diskussion, die wir jahrelang über unsere freiwilligen Leistungen hatten. Bei den Zuschüssen für soziale Einrichtungen mussten wir auf den Euro genau alles überprüfen. Jetzt haben wir die Situation, dass wir diesen Einrichtungen bei hoffentlich gleichbleibender Haushaltslage eine gewisse Planungssicherheit für die nächsten Jahre geben können. Weiter geht es darum, den Haushalt zu konsolidieren und Fehlbeträge abzubauen. Wir können nun mehr gestalten. Das ist wirklich eine sehr positive Entwicklung.
Frage: ...und für Sie als Bürgermeister eine ganz neue Situation.
Carsten Seyfarth: Ja, das habe ich bisher bei der Stadt Nordenham so noch nicht kennen gelernt.
Frage: Was für eine Rolle spielt dabei die gute Konjunktur?
Carsten Seyfarth: Keine Frage, davon profitieren wir als Stadt sehr. Es ist aber auch so, dass wir in Konkurrenz zu Privaten treten, wenn wir jetzt investieren. Das bedeutet, dass man Baufirmen finden und Planungskapazitäten haben muss. Da kommt vieles zusammen. Deshalb können manche Vorhaben auch nicht so schnell umgesetzt werden, wie wir es gerne hätten.
Frage: Woran ist 2018 zu erkennen gewesen, dass die Stadt Nordenham voran kommt?
Carsten Seyfarth: Wir haben einiges bewegt und erreicht. Zum Beispiel haben wir das große Förderprogramm City Süd abgeschlossen. Dabei sind immerhin rund 7,5 Millionen Euro an Fördermitteln in die Städtebauförderung geflossen. Dazu gehörten 34 private Projekte und viele öffentliche Maßnahmen, unter anderem die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes.
Frage: Sind Sie zufrieden mit dem neuen Bahnhofsvorplatz?
Carsten Seyfarth: Man muss sich immer daran erinnern, wie dieser Bereich noch vor einigen Jahren ausgesehen hat. Da hat sich vieles zum Positiven geändert. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten, in denen die Stadt gesteckt hat, haben wir immer versucht, zu investierten und städtebaulich etwas zu bewegen. Das triff auf die City-Süd-Sanierung ebenso so zu wie auf die Blexer Dorferneuerung.
Frage: Viele Nordenhamer scheinen die guten Dinge gar nicht zu wahrzunehmen. Haben Sie auch den Eindruck, dass lieber gemeckert als gelobt wird?
Carsten Seyfarth: Kritik gibt es und muss auch sein, wenn sie gerechtfertigt ist. Das ist überhaupt keine Frage. Aber leider ist es so, dass die positiven Stimmen, die es ebenfalls gibt, oftmals nicht so richtig nach draußen dringen. Manchmal bin ich schon etwas irritiert über Äußerungen in den sozialen Medien. Ich würde mir bei aller berechtigter Kritik manchmal von den Verfassern wünschen, dass sie vorher den Verstand einschalten. Es ist nicht alles schwarz oder weiß, sondern es gibt auch Grautöne. Es geht mir wirklich auf den Keks, dass wir inzwischen an einem Punkt angekommen sind, an dem nicht mehr nachgedacht, sondern gleich losgetippt und alles in die Welt hinausposaunt wird. Und das soll dann die absolut letzte Wahrheit sein.
Frage: Worüber haben Sie sich in 2018 besonders gefreut?
Carsten Seyfarth: Da fällt mir spontan der Ehrenamtstag im Juni ein. Das war eine richtig tolle Veranstaltung. Persönlich hat mich Anfang November in unserer französischen Partnerstadt St.-Étienne-du-Rouvray die Gedenkveranstaltung zum 1. Weltkrieg beeindruckt. Wir sind da sehr herzlich aufgenommen worden. Bei solchen Anlässen wird einem bewusst, dass unser friedliches Zusammenleben in Europa ein unheimlich hohes Gut ist, das nicht aufs Spiel gesetzt werden darf.
Frage: Kommen wir zu den unangenehmen Ereignissen in 2018. Was fällt Ihnen da als erstes ein?
Carsten Seyfarth: Auf den Abstieg des Hamburger Sportvereins hätte ich gut verzichten können.
Frage: Und was hat Sie als Bürgermeister geärgert?
Carsten Seyfarth: Die Schmierereien an der Moschee. Diese unakzeptable Tat verurteile ich sehr. Da ist eine rote Linie überschritten worden. Ich hoffe, dass die Täter gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden. Positiv wiederum war, dass viele Nordenhamer und auch Menschen aus anderen Orten bei der Demonstration Mitte Oktober deutlich gemacht haben, dass sie so etwas nicht akzeptieren. Das war für mich ein sehr ermutigendes Zeichen.
Frage: Blicken wir nach vorne: Was haben Sie sich für 2019 vorgenommen, was sind die größten Baustellen?
Carsten: Wir haben zum Ende des vergangenen Jahres wichtige Themen wieder auf die Tagesordnung genommen. Die müssen wir jetzt abarbeiten.
Frage: Zum Beispiel das Thema Rathausturm?
Carsten Seyfarth: Ja, zum Beispiel. Uns liegen seit Dezember die Ergebnisse einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vor. Wir brauchen nun schleunigst eine Grundsatzentscheidung darüber, in welche Richtung wir weiter marschieren wollen. Für mich hat das Gutachten gezeigt, dass der Rathausturm nicht sanierungsfähig ist.
Frage: So ähnlich hatten Sie sich schon vor einem Jahr geäußert. Viele geschehen ist seitdem nicht...
Carsten Seyfarth: Ich hätte mir auch gewünscht, dass manche Sachen schneller laufen. Da bin ich ganz ehrlich. Teilweise gibt es dafür Gründe, die außerhalb unserer Zuständigkeit liegen – wie eine späte Zuteilung von Förderbescheiden. Mitunter hängt das aber auch mit den personellen Kapazitäten hier im Rathaus zusammen. Außerdem werden manche Themen sehr ausführlich im politischen Raum diskutiert.
Frage: Welche Lösung favorisieren Sie in der Rathaus-Diskussion?
Carsten Seyfarth: Dass der Turm nicht zu retten ist, steht für mich fest. Es sind jetzt zwei Optionen im Spiel. Entweder man mietet eine andere Liegenschaft an oder man errichtet einen Neubau. Ich persönlich halte einen funktionalen Anbau an das Rathaus für die sinnvollste Lösung.
Frage: Was spricht dagegen, das ehemalige Postgebäude am Marktplatz zu nutzen?
Carsten Seyfarth: Diese Variante wird ja auch geprüft. Es ist aber zu bedenken, dass es sich dabei um kein Gebäude handelt, das für ein Rathaus errichtet worden ist, sondern für Postzwecke. Man muss sich die Räumlichkeit und deren Nutzbarkeit genau ansehen. Ich will der Entscheidung nicht vorgreifen, aber ich habe bezüglich der Funktionalität eine gewisse Skepsis.
Frage: Ist abzusehen, wann die Entscheidung fällt?
Carsten Seyfarth: Ich denke, dass wir noch vor der Sommerpause Klarheit haben werden.
Frage: Wann könnten die Arbeiten an einem Neubau beginnen?
Carsten Seyfarth: Wenn es dafür einen politischen Grundsatzbeschluss gibt, müsste als nächstes eine Ausführungsplanung auf den Weg gebracht werden. Ein Baubeginn wäre dann frühestens Mitte bis Ende des Jahres 2020 denkbar.
Frage: Viele Bürger beklagen sich über den schlechten Zustand vieler Geh- und Radwege in Nordenham. Ist bald eine Besserung in Sicht?
Carsten Seyfarth: Auch bei dem Thema müssen wir kurzfristig zu klaren Aussagen kommen, wie wir damit umgehen wollen.
Frage: Was genau meinen Sie mit „kurzfristig“?
Carsten Seyfarth: Es gibt einen Arbeitskreis, der sich mit dem Thema Radwege auseinandersetzt und schon mehrfach getagt hat. In letzter Zeit wurde der Fokus verstärkt auf die Hansingstraße gerichtet, wo es um die Gefahrenabwehr ging. Der Arbeitskreis hat sortiert, welche Radwege vorrangig in Angriff genommen werden sollten. Meine Vorstellung ist, dass er demnächst wieder einberufen wird und im März oder April die Ergebnisse öffentlich vorgestellt werden. Dann ist klar zu erkennen, welche Straßen mit dem uns zur Verfügung stehenden Geld zum Zuge kommen. Da besteht ein Erwartungsdruck in der Öffentlichkeit.
Frage: Die Mittel im Haushalt sind mit 500 000 Euro aber überschaubar...
Carsten: Das ist richtig. Aber es sind immerhin Gelder vorhanden, mit denen man etwas machen kann. Es ist wichtig, jetzt anzufangen.
Frage: Warum stellt die Stadt angesichts ihrer verbesserten Finanzlage nicht mehr Geld für Geh- und Radwege zur Verfügung?
Carsten Seyfarth: Wir müssen sehen, was in den nächsten Jahren möglich ist. Man darf aber nicht vergessen, dass wir auch die Planungskapazitäten hier im Haus und die Kapazitäten von Baufirmen haben müssen Das ist nicht so einfach. Ebenfalls zu bedenken sind die gestiegenen Preise.
Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2201
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.