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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Jedes Gramm wird ausgemessen“

07.07.2016

Kleinensiel Im Herbst will das Kernkraftwerk Unterweser (KKU) Bürger aus der Umgebung zu einem Tag der offenen Tür einladen. Zu sehen ist dann die neue Freimessanlage, die derzeit von der Firma Ratec aus Quickborn bei Hamburg aufgebaut wird.

Sie findet Platz in einem Materiallager unweit der Reaktorkuppel, das nicht mehr vollständig gebraucht wird. Der erste Stoff, dessen Radioaktivität die Anlage messen soll, steht schon bereit: Rund 70 Fässer voller Aktivkohle aus dem Umluftfilter im Reaktorgebäude, die schwach radioaktiv belastet ist.

Warten auf Genehmigung

Maschinenbau-Ingenieur Florian Nöckel sitzt vor zwei Bildschirmen und kann die neue Anlage nach Belieben öffnen und schließen. Nur in Betrieb nehmen darf er sie noch nicht, weil dafür die Genehmigung des Umweltministeriums der Landesregierung fehlt, das den TÜV mit der Begutachtung beauftragt hat. Am Mittwoch waren ein TÜV-Mitarbeiter und ein Bediensteter des Umweltministeriums wegen der neuen Anlage im Kraftwerk.

Dr. Susanne Engstler, die stellvertretende Leiterin des KKU, rechnet für den Herbst mit der Genehmigung; dann sollen sich auch die Bürger die Anlage ansehen können. Die Freimessanlage ist ein entscheidendes Utensil für den Rückbau des Kernkraftwerks, der – ebenfalls die Genehmigung des Umweltministeriums vorausgesetzt – Anfang 2017 im Kontrollbereich beginnen soll, also in den Gebäuden, in denen Radioaktivität auftreten kann.

Wie berichtet, müssen 675 000 Tonnen Material entsorgt werden, darunter 193 000 Tonnen aus dem Kontrollbereich. Davon können 176 900 Tonnen uneingeschränkt freigegeben und etwa im Straßenbau eingesetzt werden. Weitere 12 700 Tonnen können zweckgerichtet freigegeben werden; sie kommen auf eine Deponie oder werden zu Mosaikbehältern für kerntechnische Anlagen verarbeitet.

Sämtliche Stoffe aus dem Kontrollbereich müssen aber freigemessen werden. „Jedes Gramm wird ausgemessen“, verspricht Susanne Engstler. Das soll die Anlage erledigen, die von jeweils einem Strahlenschutz-Mitarbeiter des KKU bedient wird. Zweckgerichtet freigegeben werden darf nur bis zu einer maximalen Strahlenexposition von 10 Mikrosievert pro Jahr. Das ist erstaunlich wenig, erläutert Susanne Engstler: Bei einer Mammografie betrage die Strahlenexposition 250 Mikrosievert – in wenigen Minuten, nicht in einem Jahr. Die durchschnittliche Strahlenexposition liege in Deutschland bei 2100 Mikrosievert, sei aber sehr ungleich verteilt: Im gebirgigen Bayern betrage sie 6000 Mikrosievert, in der gesteinsarmen Wesermarsch deutlich weniger. Die Krebsgefahr beginne bei 100 Millisievert im Jahr, also dem 10 000-fachen des Freimessungs-Grenzwerts.

Jeweils eine Minute

Die Anlage, die extra für das KKU gebaut worden ist, kostet 430 000 Euro. Angesichts des Ausstiegs aus der Kernenergie hofft Florian Nöckel auf den Verkauf weiterer Anlagen. Auf Förderrollen werden die Stoffe in die Anlage gezogen und an Detektoren vorbeigeführt. Das dauert jeweils eine Minute. Jede Messung wird fotografiert und dokumentiert – für das Umweltministerium. Gemessen werden Geräte und Innenwände aus dem Kontrollbereich, Außenwände werden Quadratmeter für Quadratmeter mit kleinen Detektoren erfasst.

Was nicht freigemessen werden kann – schätzungsweise 3400 Tonnen schwach- und mittelradioaktive Stoffe – kommt zunächst ins geplante Zwischenlager Luna am KKU und später – eines ungewissen Tages – vielleicht ins Endlager Schacht Konrad.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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