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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Kein Schaden durch Kernkraft“

17.02.2018

Kleinensiel Die Weser ist nach wie vor ein kritisch belasteter Strom. Aber das liegt nicht am Kernkraftwerk Unterweser (KKU), sondern an der Salzfracht, die der Fluss mit sich führt.

Das hat Stephanie Gudat am Donnerstagabend beim 2. Forum zum Rückbau des KKU im Kreishaus klargestellt. Die Bauingenieurin mit Schwerpunkt Umwelttechnik ist beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Hildesheim für die Überwachung des KKU-Abwassers zuständig.

Lange Messreihen

Die Vorträge von Stephanie Gudat und den drei anderen Referenten lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Das Kernkraftwerk fällt in seiner Umwelt baulich auf, aber nicht durch Verschmutzung. Das zeigt die Umgebungsüberwachung, die Thema dieser rund vierstündigen Veranstaltung war. Für diese Überwachung sind sowohl das KKU selbst als auch unabhängige Anbieter wie das NLWKN zuständig.

Das Umweltministerium sei auf lange Messreihen über viele Jahre angewiesen, um Entwicklungen erkennen zu können, erläuterte Dr. Michael Gründel. Der Physiker leitet in dem Ministerium die Abteilung für radiologischen Strahlenschutz. Grenzwert ist ein Millisievert pro Mensch und Kalenderjahr. Er orientiert sich an der natürlichen Strahlung, die in Norddeutschland etwa 1,8 Millisievert beträgt und Bergregionen wie Harz oder Erzgebirge 4 Millisievert.

Keine einzige Erkrankung lasse sich auf eine Strahlenbelastung durch das Kraftwerk zurückführen, sagte Gründel.

Das KKU misst auf dem Gelände selbst und in bis zu zehn Kilometern Umkreis die Strahlenbelastung, genauso macht es das NLWKN, so dass immer zwei Messreihen zur Verfügung stehen und eine Kontrolle existiert.

Der KKU-Betreiber Preussen-Elektra investiert alljährlich eine Million Euro in die Überwachung der Umgebung, sagte die stellvertretende Leiterin Dr. Susanne Engstler. Stephan Thode, Maschinenbauer mit Schwerpunkt Kerntechnik und Leiter des Teilbereichs Strahlenschutz im KKU, erläuterte, was das Unternehmen alles mit dem Geld macht.

Preussen-Elektra überwacht Abluft und Abwasser und auch die Umgebung. Außerdem lässt es die Filter untersuchen. Dabei liegen seit 1978 alle Ergebnisse deutlich unter dem Grenzwert. Am schlechtesten sah es 1984 aus, als der Grenzwert zu 20 Prozent ausgeschöpft wurde. Danach wurden deutlich bessere Filter eingesetzt.

Nichts auf die Äcker

Untersucht werden auch Luft, Boden, Regen, Oberflächenwasser und Pflanzen, der TÜV Nord kontrolliert diese Proben. Auch dabei wurde nichts Bedenkliches gefunden. Die Direktstrahlung des KKU wird an 52 Messpunkten in der Umgebung überwacht, außerdem ist ein Messwagen unterwegs.

Seit der Abschaltung 2011 hat sich die Überwachung nicht verändert; sie bleibt auch beim Rückbau erhalten.

Wasser, stellte Stephanie Gudat dar, leite das KKU ausschließlich in die Weser ab: „Auf Äcker kommt nichts.“ Das Abwasser aus dem Kontrollbereich sei hoch belastet, werde aber gereinigt und mehrfach überprüft, ehe es in die Weser geleitet werde – bis etwa anderthalb Stunden nach dem Kentern des Flutstroms. Das übrige Wasser laufe kontinuierlich ab.

Wenn im Frühjahr 2019 die letzten Brennelemente aus dem Kraftwerk geholt werden, kommt kein Kühlwasser mehr aus dem Kontrollbereich. Dafür fällt belastetes Wasser durch Dekontaminierung und Nassschneidearbeiten an.

Untersucht werden neben dem Abwasser auch Oberflächenwasser, Schlick und Weserfische. Ergebnis: Alle dort gefundene Radioaktivität ist auf frühere Atombombenversuche und die Tschernobyl-Katastrophe zurückzuführen.

Für die Überwachung der Abluft aus dem KKU-Schornstein ist beim NLWKN die Physikerin Dr. Kirsten Rupprecht zuständig. Abluft aus dem Kontrollbereich komme hier nicht raus. Der Messcontainer ist in 30 bis 40 Metern Höhe zu finden. Neben Luft, Boden und Bewuchs werden auch Milch und Gemüse beprobt.

Bislang ist noch keine Messung eingestellt worden, aber im Laufe des Rückbaus wird das Umweltministerium die Untersuchungen anpassen. „Damit sind wir nicht einverstanden“, sagt Hans-Otto Meyer-Ott im Namen der Atomkraftgegner. Wenn für Veränderungen bei den Messungen keine extra Genehmigungen verlangt würden, sei das für sie ein Klagegrund.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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