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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Erster Akt ist geschafft: der Rohbau

17.05.2019

Kleinensiel Der erste Akt ist geschafft! Projektleiter Randolf Okrey ist nicht wenig stolz darauf, dass der Rohbau des neuen Zwischenlagers Luna am Kernkraftwerk Unterweser fertig ist. Entspannt zurücklehnen kann sich Maschinenbau-Ingenieur mit seinem zwölfköpfigen Team dennoch nicht: Die Arbeit geht weiter, die Zeit drängt.

Infotag geplant

Denn am 1. Oktober soll das Lager Unterweser für schwach- und mittelradioaktive Abfälle – so heißt Luna mit vollem Namen – betriebsbereit sein. Und bis dahin ist noch einiges zu tun. Beruhigend: Bis jetzt ist der Zeitplan für das 18-Millionen-Projekt eingehalten worden. Und es soll noch ein bisschen Zeit bleiben zwischen Fertigstellung und Inbetriebnahme, denn Ende September/Anfang Oktober soll es einen weiteren Infotag für Bürger geben, bei denen sie auch das Luna besichtigen dürfen. Am 1. Januar 2020 geht das Luna zusammen mit dem Lager Unterweser (Luw) von Preussen-Elektra an die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) über.

Personalabbau und Einstellungen

165 eigene Mitarbeiter beschäftigt das Kernkraftwerk Unterweser (KKU) zurzeit. Tendenz: auf 150 sinkend. Vor allem die Zahl der Schichtarbeiter ist seit Erreichen der Brennstofffreiheit in diesem Februar reduziert worden.  Dazu kommen 165 bis 195 Mitarbeiter von Fremdfirmen, sagt KKU-Chef Gerd Reinstrom.

Die eigenen Leute planen, steuern und überwachen den Rückbau, die betriebsfremden führen ihn aus.

Neue Kollegen sucht das KKU trotz des Personalabbaus. In Kürze werden Stellen für Entsorger und Strahlenschützer öffentlich ausgeschrieben, kündigt Gerd Reinstrom an. Die Strahlenschützer müssen zunächst ausgebildet werden, bevor sie ihre Arbeit aufnehmen können. Das wird etwa zwei Jahre dauern und überwiegend praktisches Lernen sein. Die geplanten Einstellungen sind in der Gesamtzahl von 150 Mitarbeitern schon enthalten.

Jetzt ist drinnen noch nicht allzu viel zu sehen; wer etwas erkennen will, muss auch sein geistiges Auge schweifen lassen. Am südlichen Ende der Halle wird der etwa 300 Quadratmeter große Verladebereich eingerichtet. Ein eckiges Loch in der Abschirmwand zum Lager wird das Abschirmtor aufnehmen, durch das die Gebinde an ihren Stellplatz schweben werden. Das Abschirmtor – es dient wie die Wand dem Strahlenschutz – ist 43 Tonnen schwer, denn seine Hohlräume sind mit Beton verfüllt.

Ein Gebinde ist übrigens ein mit schwach- oder mittelaktivem Abfall gefüllter Behälter, der etwa 16 bis 20 Tonnen wiegt. Der Kran, der bis Ende Juni eingebaut werden soll, wird ihn von der Ladefläche des Transportwagens heben und durch das Abschirmtor ins Lager bringen. Er kann bis zu 32 Tonnen heben. 500 Tonnen Abfall aus dem Rückbau des KKU liegen jetzt schon bereit.

Im Lager werden keine Menschen arbeiten. Ein Mitarbeiter steuert den Kran per Joystick, eine Kamera hat die Transportstrecke im Blick. Der erste Behälter wird aber nicht vor dem Infotag ins Lager einschweben.

Und er wird auch nicht auf dem rauen Betonfußboden abgestellt, der sich jetzt dort ausbreitet. Denn dieser wird mit einem Feinestrich nivelliert, so dass er komplett eben ist.

Trockene Luft

Das ist eine der Arbeiten, die noch ausgeführt werden müssen. Schon begonnen hat die Isolierung des Daches; dafür steht noch ein Gerüstturm an der Westseite der 17 Meter hohen Halle.

Ebenfalls auf der Tätigkeitsliste steht die neue Lüftungsanlage, für die die viereckigen Öffnungen unter dem Dach im Verladebereich vorgesehen sind. Diese Anlage soll die Feuchtigkeit der von außen angesogenen Luft auf 40 bis 45 Prozent verringern, damit die Stahlbehälter, in denen die Abfälle ruhen, nicht rosten. Im Winter soll die Anlage die Zuluft zusätzlich anwärmen – auf mindestens plus 5 Grad.

Gebaut werden müssen auch ein Raum für den Kranführer, Sozialräume, der Strahlenschutzbereich und der Kontrollbereich, in dem der Inhalt eines schadhaften Fasses im Fall des Falles umgefüllt werden könnte. „Hier in Kleinensiel wird das aber sicher nicht erforderlich sein“, sagt Randolf Okrey. Denn die Behälter haben eine sehr hohe Lebensdauer, wie der 59-jährige Maschinenbau-Ingenieur betont.

So lange sollen sie aber nicht in Kleinensiel bleiben. Denn ihr Bestimmungsort ist der Schacht Konrad bei Salzgitter, für den sie im Kernkraftwerk – und nicht im Luna – auch konditioniert werden. Dieses Endlager soll ab 2027 zur Verfügung stehen; dann können sowohl das Luna als auch das Lager Unterweser (Luw), in dem seit den 80er Jahren schwach- und mittelaktive Betriebsstoffe ruhen, geräumt werden. Das Luna könne dann nachgenutzt werden, beispielsweise für den Schiffbau, sagt KKU-Chef Gerd Reinstrom.

So weit ist es aber noch lange nicht. Seit März 2018 wird das Luna gebaut. Es steht auf 128 Pfählen, ist 79 Meter lang, 28 Meter breit, 17 Meter hoch und soll 4200 Tonnen nicht wärmentwickelnden Abfall aufnehmen.

Dicke Wände

Die Wände sind 85 Zentimeter dick, das Dach 50 Zentimeter. Verbaut wurde WU-Beton. WU bedeutet wasserundurchlässig. Das heißt: Ein Hochwasser könnte dem Bauwerk nichts anhaben, wie Randolf Okrey betont. Das Bemessungshochwasser in Kleinensiel beträgt vier Meter, aber das Abschirmtor beginnt erst fünf Meter über NN, „so dass wir einen Meter Sicherheit haben“, wie Randolf Okrey ergänzt. Dass Hochwasser durch die Öffnungen der Lüftung ins Lager eindringen können, hält er für vollkommen ausgeschlossen: „Die Sturmflut möchte ich sehen, die so hoch aufläuft.“

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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