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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Fahrer sollen nicht in die Röhre gucken

14.12.2017

Kleinensiel Ein Verkehrschaos durch eine komplette Sperrung des Wesertunnels wollen alle Beteiligten möglichst vermeiden. Da der Tunnel aber Teil der geplanten Küstenbautobahn A20 werden soll, müssen einige Umbauarbeiten vorgenommen werden. Ein Konzept zur Verkehrsführung während der Umbauphase hat am Dienstagabend der Arbeitskreis Wesertunnel beraten. „In ihrem Verkehrskonzept für die anstehenden Arbeiten favorisiert die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr den sogenannten Richtungswechselbetrieb, mit dem der Wesertunnel etwa sechs bis acht Monate betrieben werden soll“, berichtet Joachim Delfs, Leiter des Geschäftsbereichs Oldenburg bei der Landesbehörde.

Stop and Go

Experten gehen davon aus, dass sich der Verkehr durch die Anbindung an die A20 bis zum Jahr 2030 in etwa verdoppelt – zurzeit nutzen rund 16 000 Fahrzeuge am Tag den Tunnel. „Aus diesem Grund müssen die Belüftungs- und Sicherheitsanlagen sowie die Verkehrsleitsysteme des Tunnels den neuen Anforderungen angepasst werden“, sagt Joachim Delfs. Für einige Arbeiten ist eine Vollsperrung der jeweils betroffenen Röhre nötig. Unter anderem müssen zum Beispiel die Auffangbecken, die sich am tiefsten Punkt des Tunnels befinden, so vergrößert werden, dass sie das durch den Verkehr eingebrachte Regen- und Tauwasser und für den Fall eines Brandes auch das Löschwasser zuverlässig aufnehmen können, sagt Joachim Delfs.

Die ersten drei Abschnitte der Küstenautobahn A 20

Der erste Abschnitt der geplanten Küstenautobahn soll von der A28 zur A29 führen.

Der zweite Abschnitt soll von der A29 bis zur Bundesstraße 437 bei Schwei verlaufen. Die Auslegung der Pläne zum zweiten Abschnitt ist für den 8. Januar geplant. Ein Beschluss wird für Ende 2019 erwartet.

Der dritte Abschnitt soll östlich des Wesertunnels bis zur Landesstraße 121 führen. Ein Antrag für ein Planfeststellungsverfahren soll im April 2018 erfolgen. Die Niedersächsische Landebehörde für Straßenbau und Verkehr rechnet mit einer Auslegung der Unterlagen etwa Ende 2019 und einem Beschluss etwa 2020.

In diesem Zuge soll auch die Beleuchtung, die derzeit in der Röhrenmitte installiert ist, so umgerüstet werden, dass sie wechselseitig über den Spuren oder an den Seiten des Tunnels angebracht wird. „Zurzeit muss für eine Wartung der Beleuchtung immer die komplette Tunnelröhre gesperrt werden. Das ist im Moment zweimal im Jahr der Fall“, berichtet Joachim Delfs. Sind die Leuchtmittel an den Seiten angebracht, könnte während der Wartungsarbeiten zumindest auf einer Spur der Verkehr weiter fließen.

Die Umrüstung des Tunnels solle etwa ab 2020/2021 beginnen. „Auch wenn die Autobahn noch nicht im Bau ist“, sagt Joachim Delfs. Denn natürlich sei die Umbauphase leichter zu bewältigen, solange das Verkehrsaufkommen noch geringer ist. Außerdem haben einige im Tunnel verbauten Komponenten eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Dieser Zeitpunkt sei teilweise schon erreicht beziehungsweise stehe bis 2020 an, sagt Joachim Delfs.

Thomas Gerlach vom Ingenieurbüro Getrasol erläuterte das Verkehrskonzept. Demnach sei eine sogenannte Blockabfertigung, in der der Verkehrsfluss kontrolliert unterbrochen und wieder fließen gelassen wird, vorgesehen. Während also eine Röhre gesperrt ist, wird der Verkehr aus beiden Richtungen durch die zweite Röhre geführt. Allerdings nicht gleichzeitig, sondern erst in die eine Richtung, dann die andere.

Es habe zwar den Vorschlag gegeben, die zwei Spuren einer Röhre in je eine Richtung freizugeben, doch diese Variante sei aus sicherheitstechnischen Gründen verworfen worden, berichtet Joachim Delfs. „Da die Belüftungsanlage des Wesertunnels nicht für einen solchen Gegenrichtungsverkehr konzipiert ist, können im Falle eines Brandes Rauchgase nicht hinreichend von gefährdeten Fahrzeugen und Personen ferngehalten werden, was bei einem Unglück im Tunnel gravierende Folgen haben könnte. Im favorisierten Richtungswechselbetrieb ist zudem die Zufahrt für Rettungskräfte kontinuierlich möglich“, sagt er.

Grün- und Rotphasen

Das Ingenieurbüro hat die aktuelle Verkehrsbelastung ermittelt. In Mikrosimulationen wurden verschiedene Szenarien durchgespielt. Die erste Variante sieht einen Vier-Zyklen-Rhythmus pro Stunde vor. Dabei wird jede Richtung zweimal pro Stunde für elf Minuten eine Grünphase haben, der Gegenverkehr muss warten, erklärt Diplom-Ingenieur Thomas Gerlach. Der Experte rechnet mit Staus von rund 1600 Metern Länge auf der Wesermarsch-Seite beziehungsweise etwa 1300 Metern am anderen Ufer. Diese sollen sich aber innerhalb einer Grünphase komplett auflösen, sagt Thomas Gerlach. Ein zweites Szenario sieht sechs Zyklen pro Stunde vor. Hier würden geringere Staulängen erzeugt – auf der Wesermarsch-Seite geschätzt 1200 Meter und auf der anderen Weserseite 900 Meter. So oder so, eine definierte, bekannte Wartezeit sei besser, als einen Umweg über Bremen zu fahren, meint der Experte.

Sogenannte Operatoren sollen in einer ständig besetzten Zentrale den Verkehrsfluss überwachen. Zusätzliche Kameras verschaffen ihnen einen Überblick. So könnten die Intervalle der Grünphasen wenn nötig noch angepasst werden, sagt Thomas Gerlach. Schranken und Lichtsignale sollen sicherstellen, dass Fahrzeuge nicht noch bei Rot fahren können und dann in den Gegenverkehr geraten, berichtet der Ingenieur. Die Experten gehen von einer Fahrzeit von rund drei Minuten aus, bis sich der Tunnel geleert hat. Hinzu kommt eine Sicherungszeit von einer Minute, bevor der Verkehr in die andere Richtung freigegeben werden würde. So könnte an beiden Ufern ein Verkehrschaos verhindert werden.

Merle Ullrich
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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