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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Kunden mit Kompetenz und Kaffee locken

19.02.2015

Brake Der Einzelhandel in Brake hat Zukunft. Aber nur, wenn er die Herausforderungen annimmt, vor die ihn eine wachsende Online-Konkurrenz und die demografische Entwicklung stellen. Dabei gibt es allerdings kein Patentrezept.

Das ist das ernüchternde, aber nicht entmutigende Ergebnis der „Kauf hier“- Podiumsdiskussion von NWZ  und Wirtschaftsförderung am Dienstagabend bei Neptun Hullmann im Binnenhafen. Unter Leitung von Detlef Glückselig, Leiter der Braker NWZ -Redaktion, und Frank Obalski von der Wirtschaftsförderung Wesermarsch erörterten Carola Havekost von der Industrie- und Handelskammer Oldenburg, Buchhändlerin Eleonore Gollenstede, Tina Tönjes, Geschäftsleiterin des Vereins Brake Marketing und Tourismus, sowie Bürgermeister Michael Kurz vor rund 50 interessiert lauschenden Gästen die Chancen und Risiken für den hiesigen stationären Einzelhandel.

Online-Handel steigt

Carola Havekost legte die Fakten eingangs schonungslos auf den Tisch: Der Umsatz des Online-Handels steige seit Jahren, der Anteil liege derzeit bei etwa 10 Prozent. Dazu kämen der demografische Wandel mit kleineren Haushalten und älter werdenden Menschen sowie ein zunehmender Wettbewerb zwischen den Kommunen, um als Wohn- und Arbeitsstandort attraktiv zu bleiben. Darauf müssten die örtlichen Einzelhändler reagieren. „Es muss etwas passieren, sonst sind Sie in einigen Jahren nicht mehr am Markt“, sagte sie.

Die Bedrohung durch die Online-Konkurrenz dürfe man also keineswegs unterschätzen, gleichwohl dürfe man das Internet auch nicht nur verteufeln. Denn es sei eine Trendwende zu beobachten, nach der die Kunden sich im Internet über Produkte informieren, diese dann aber im Laden vor Ort kaufen würden. „Das Internet hat also auch Vorteile für den stationären Handel“, betonte Havekost.

Deshalb sei es (überlebens-)wichtig, sich im Internet zu präsentieren – mindestens mit dem vorgehaltenen Angebot und den Öffnungszeiten, damit die Kunden das Geschäft in Brake auch finden würden. Ob man darüber hinaus einen Web-Shop eröffnet, „müssen sie am Ende des Tages selbst entscheiden“. Ein Online-Shop sei von Aufwand und Kosten her im Grunde wie ein zweites Ladenlokal, erklärte Havekost.

Persönliche Ansprache

Die „große, große Chance des stationären Einzelhandels“ ist nach Einschätzung der IHK-Fachfrau, dass der Kunde im Laden vor Ort die Ware „angucken, anfassen, fühlen oder schmecken und sofort mitnehmen kann“.

Mit diesem Konzept begegnet Buchhändlerin Eleonore Gollenstede, die mit ihrem Mann zwei Filialen in Brake betreibt, der Online-Konkurrenz: kompetente Fachberatung, angenehmes Ambiente (mit Kaffeeangebot), persönliche Ansprache. „Das hängt natürlich sehr an den Mitarbeitern. Man muss es ihnen anmerken, dass sie sich freuen, wenn ein Kunde in den Laden kommt“, sagte Gollenstede. Dazu biete sie einen Bestellservice im Internet an, mit dem sehr kurzfristig die gewünschten Bücher besorgt und auf Wunsch sogar nach Hause geliefert werden können. „Aber die meisten Kunden wollen lieber zu uns ins Geschäft kommen“, berichtete die Buchhändlerin.

Der Zusammenhalt unter den Braker Einzelhändlern sei bereits „relativ gut“, betonte Tina Tönjes, Geschäftsleiterin des Vereins Brake Tourismus und Marketing. Sie verwies unter anderem auf regelmäßige Gemeinschaftswerbung und gemeinsame Veranstaltungen. Gleichwohl, räumte Tönjes ein, müsse die Zusammenarbeit noch besser werden. Auf keinen Fall würden die Geschäftsleute aber gegeneinander arbeiten.

Netzwerk knüpfen

Von einheitlichen Öffnungszeiten in der Innenstadt als eine Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung hielt Tönjes nichts. „Die inhabergeführten Geschäfte bieten mit wenig Personal eine maximale Öffnungszeit“, versicherte sie. Entsprechende Versuche, die Zeiten zu vereinheitlichen, hätten sich in der Vergangenheit „nicht rentiert“. Zudem verwies Tönjes darauf, dass es einheitliche Öffnungszeiten nicht einmal in großen Städten wie Oldenburg gebe.

Tina Tönjes machte sich erneut stark für die Einstellung eines Citymanagers oder „Kümmerers“, der die Stadt als „Gesamtheit“ sehen und insbesondere Netzwerke knüpfen solle. Eleonore Gollenstede pflichtete ihr bei: Ein solcher „Kümmerer“ sollte Existenzgründer vom ersten Gang zur Bank bis zur Eröffnung und darüber hinaus mindestens noch ein Jahr begleiten, um im Bedarfsfall helfend eingreifen zu können.

Einen Citymanager lehnte Bürgermeister Michael Kurz aus Kostengründen ab. Er verwies darauf, dass die Stadt in der Vergangenheit nicht untätig gewesen sei mit einem Konzept für die Weserstraßenansiedlung aus dem Jahr 2006 und dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept aus dem Jahr 2012.

Gleichwohl räumte er ein, kein Patentrezept zu haben, wie die Einzelhändler der Online-Konkurrenz begegnen könnten. Es liege vor allem an den Brakern selbst, ob sie in der Innenstadt einkaufen würden oder nicht. „Nur gemeinsam geht es“, sagte Kurz.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/wesermarsch 
Video

Torsten Wewer
Elsfleth
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2322

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