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NWZonline.de Region

„Landwirtschaft so darstellen, wie sie ist“

13.02.2016

Rodenkirchen /Wesermarsch Der niedrige Milchpreis treibt die Landwirte in existenzielle Nöte. Doch aus vielen Gesprächen mit Bauern weiß Katrin Mahlkow-Nerge, dass es einen weiteren Missstand gibt, der ihnen fast noch mehr die Freude am Beruf raubt: die mangelnde Wertschätzung der Gesellschaft.

Verbraucher sind irritiert

Doch während die Bauern dem Verfall des Milchpreises nahezu wehrlos ausgeliefert sind, können sie die öffentliche Meinung durchaus beeinflussen, auch wenn das eine weitere schwere Arbeit für sie ist. Das sagte die Professorin für Tierernährung an der Fachhochschule Kiel am Mittwochabend in der Jahreshauptversammlung des Maschinenrings. Ihr Vortrag trug den Titel „Nutztierhaltung im öffentlichen Fokus – Was können wir tun?“

Die Haltung der Gesellschaft zur Landwirtschaft habe sich in den vergangenen 40 Jahren radikal verändert, sagte die 50-Jährige. Einerseits werde den Verbrauchern von der Werbung ein antiquiertes Bauernhof-Idyll vorgegaukelt, andererseits verbreiteten die Medien böse Bilder von Missständen in Ställen.

„Viele Verbraucher wissen nicht mehr, was der Landwirt tut und warum er es tut“, resümierte die Referentin. Dieses Unwissen führe zu Vertrauensverlust: „Wenn das Wissen schwindet, wachsen die Emotionen.“

Dagegen helfe nur eins: „Wenn die Landwirte das Vertrauen der Gesellschaft zurückgewinnen wollten, müssen sie die Landwirtschaft so darstellen, wie sie ist.“ Das Motto müsse lauten: „Tue Gutes und rede darüber.“

Doch nicht nur bei der Öffentlichkeit bestehe Verbesserungsbedarf, auch im Innenleben der Landwirtschaft selbst. So fühle sich mancher Landwirt mit dem rasanten Wandel und den steigenden Anforderungen an Betriebe und Betriebsleiter schlicht überfordert. Wie andere Menschen auch, seien Landwirte in Verhaltensmustern gefangen, die sie aufbrechen müssten.

Dabei müsse die landwirtschaftliche Beratung helfen, die viel stärker auf die individuellen Bedürfnisse des Landwirts zugeschnitten sein müsse, „auf das, was er kann, und das, was er nicht kann.“

Nach außen habe die Landwirtschaft vor allem ein Medienproblem. Die Medien rückten Themen wie Tierwohl und fleischloses Essen in den Mittelpunkt, nicht aber die realen Produktionsbedingungen der Landwirte. Das sei ein typisches Phänomen einer Überflusssituation: „Früher wurde nicht über Lebensmittel diskutiert, man war froh, wenn man welche hatte.“

Nichts beschönigen

Was hilft? Professor Dr. Katrin Mahlkow-Nerge empfahl, die Verbraucher ehrlich und authentisch zu informieren und Probleme nicht zu beschönigen. Eine Möglichkeit in Kontakt zu kommen ist, Besucher auf dem Hof zu empfangen.

Andere Möglichkeiten bietet das Internet. Auf der Plattform „Bauernwiki – Frag doch mal den Landwirt“ stellen 150 Bauern ihre Betriebe vor und beantworten Fragen von Verbrauchern. Eine andere Plattform heißt www.massentierhaltung-aufgedeckt.de und ist ein Projekt von Studenten der Fachhochschule Osnabrück. In Wort, Bild, und Video stellen sie dar, dass moderne Ställe nicht schlechter sind als die alten Anbindeställe, sondern für die Tiere viel gesünder.