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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Letzte Ausfahrt vor Brooklyn

18.04.2011
NWZonline.de NWZonline 2015-07-30T13:59:59Z 280 158

Freizeit:
Letzte Ausfahrt vor Brooklyn

NORDENHAM Wenn Carsten Golnik aus Osnabrück durch die Butjadinger Wisch fährt, dürfen die Straßen keine zu großen Aufwölbungen aufweisen, sonst droht sein „Spiez“-Cruiser aufzusetzen. Denn der Rahmen seines außergewöhnlichen Fahrrads endet wenige Zentimeter über dem Straßenboden. Carsten Golnik war einer von 70 Cruisern, die sich am Sonnabend in Nordenham trafen und zum „Letzten Cruise vor Helgoland“ starteten.

Die bereits dritte Ausfahrt

Zum dritten Mal hatten Heiko Bahlmann und Ralf Reiners zu der Tour eingeladen. Aus ganz Deutschland waren Cruiser-Freunde angereist. Thomas Hönig hatte sich frühmorgens aus Mönchengladbach auf den Weg gemacht. Nach dreieinhalb Stunden Autofahrt traf er auf dem Marktplatz Nordenham die Cruiser-Kollegen, die sich vielfach aus Internet-Foren kennen. Im Gepäck hatte Thomas Hönig ein vor fünf Jahren gebautes Rad, das bereits in Musikvideos im Fernsehen zu sehen war.

Die Räder waren auf dem Marktplatz ausgestellt und wurden von Cruisern und Passanten bestaunt. Die „Spiez“ von Carsten Golnik zum Beispiel ist das Modell Nummer zwei einer limitierten Produktion aus der Schweiz. Dass die Lötnarben am Rahmen zu sehen sind und eine Lackierung fehlt, ist gewollt. „Das sieht besser aus“, sagte der Besitzer, der unter Cruisern bekannt ist als „charger-rt“. Überhaupt ist das Internet eine wichtige Quelle für die Cruiser – zum Einkaufen der extrabreiten Reifen etwa. Allein die Reifen haben Sven Schulte aus Lippstadt aber nicht gereicht: Er baute die Gabel eines NSU-Mofas an das Vorderrad. Die Kette seines Cruisers ist zweieinhalb Mal so lang wie eine gewöhnliche Fahrradkette.

„Der letzte Cruise vor Helgoland“ führte vom Nordenhamer Marktplatz über den Heetweg zum Waddenser Pumpwerk und von dort über Sillens nach Burhave an den Strand. Nach einer Pause ging es am Deich entlang zurück. Ohne eine einzige Panne erreichten die Cruiser nach der sechsstündigen Ausfahrt über rund 40 Kilometer wieder den Startort.

Wer einen Cruiser fährt, braucht für eine Strecke doppelt so lange wie mit einem normalen Fahrrad. „Das liegt vor allem an der Sitzhaltung“, erklärte der 15-jährige Bente Peters aus Nordenham. Er ist seit einem Jahr in der Cruiser-Szene dabei. Über Familienkontakte konnte er sich einen Cruiser kaufen und fuhr bereits zum zweiten Mal den letzten Cruise vor Helgoland. Im Winter beteiligte er sich auch an der Ausfahrt rund um den Maschsee in Hannover.

Wer einen Cruiser mit dem Auto transportieren will, braucht einen großen Kofferraum oder Bastelgeschick, denn auf die Standard-Fahrradträger für Pkw passen die außergewöhnlichen Bikes nicht.

Kein Cruiser von der Stange

Cruiser von der Stange gibt es nicht. Alle Räder sind Unikate. Und die zum Auffallen verdammten Radfreunde sind ständig auf der Suche nach Rädern, aus denen sie neue Cruiser basteln können. „Besonders Räder aus den 50er und 60er Jahren sind interessant“, sagte Heiko Bahlmann.

Großmutters alte Drahtesel bekommen dann einen ganz besonderen Schick: Die Tochter von Ralf Reiners, Alea, fiel besonders mit ihrem kleinen Cruiser auf. Mehrere Lackierungen waren notwendig, um den schwarz-rot-funkelnden Glanz zu erzeugen – das kostet Geld und Zeit, daraus machen die Cruiser kein Geheimnis. Aber so manches Auto kommt mit dem Design der Zweiräder nicht mit.