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Medizin: Mehr Zeit für Reisen und Basketball

04.06.2016

Nordenham Einige Patienten waren überrascht, andere auch ein bisschen enttäuscht. Sie alle würden sich freuen, wenn Dr. Bernhard Skupin seine Entscheidung rückgängig machen könnte. Aber danach sieht es nicht aus: Der Nordenhamer Arzt hat beschlossen, zum Ende dieses Monats in den Ruhestand zu gehen. Nach fast genau 33 Jahren hat er am 22. Juni seinen letzten Arbeitstag in der Praxis am Marktplatz.

Es gibt einen guten Grund dafür, dass viele Patienten mit dem Abschied ihres Arztes zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechnet haben: Bernhard Skupin macht bestimmt nicht den Eindruck eines älteren Herrn, der sich erschöpft nach der Pensionierung sehnt und lieber heute als morgen in einen seniorengerechten Müßiggang verfallen möchte. Stattdessen wirkt er so frisch und dynamisch, als könnte er noch ewig seinen Beruf ausüben. Dazu passt, dass Bernhard Skupin gerade erst eine Berufung für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft erhalten hat und Ende Juni bei der Europameisterschaft in Serbien mitspielen soll. Natürlich im Seniorenteam, aber immerhin. Rentner stellt man sich anders vor.

Mit 66 Jahren

Dann sind da aber die nackten Zahlen: Bernhard Skupin ist 66 Jahre alt. In dem Alter darf auch ein Mediziner ans Aufhören denken. „Das ist eine ganz normale Zeit, um in Rente zu gehen“, findet Bernhard Skupin. Außerdem hatte er sich schon immer vorgenommen, aus dem Beruf auszusteigen, „bevor die Kräfte allzu sehr erlahmen“.

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Er wäre vielleicht noch etwas länger geblieben, wenn es mit der zunächst angedachten Nachfolgeregelung geklappt hätte. Es gab die Idee, dass sein Sohn Julian die Praxis übernehmen könnte. Aber der 31-jährige Mediziner, der in einer Oldenburger Klinik tätig ist, hat sich nach reiflicher Überlegung entschieden, in der Chirurgie zu bleiben. Für seinen Vater ist das kein Grund, in Groll zu verfallen. „Ich habe für die Entscheidung großes Verständnis“, sagt Dr. Skupin senior.

Allerdings steht seit der Absage seines Sohnes auch fest, dass trotz intensiver Bemühungen kein Nachfolger für den hausärztlichen Internisten in der Praxisgemeinschaft Schmidt/Skupin/Schäfer in Sicht ist. Einige Patienten können zwar zu seinen beiden Kollegen wechseln. Aber die Kapazitäten von Peter Schmidt und Cordula Schäfer sind begrenzt, so dass sich viele nach einem neuen Arzt umsehen müssen. Eine große Auswahl haben sie nicht, weil die Zahl der Arztpraxen in Nordenham seit Jahren rückläufig ist. Der Rückzug von Bernhard Skupin verschärft somit den zunehmenden Hausarztmangel in der Unterweserstadt.

Unglaublich spannend

Für Bernhard Skupin hatte schon als Kind festgestanden, dass Arzt sein Traumberuf ist. Dafür gab es ein Schlüsselerlebnis, als er im Alter von zwölf Jahren mit einem gebrochenen Bein im Braker Krankenhaus behandelt wurde. „Da habe ich gemerkt, dass die Medizin unglaublich spannend ist“, erinnert er sich, „ich wollte unbedingt Arzt werden.“

Der gebürtige Delmenhorster wuchs auf Gut Nutzhorn in Schierbrok auf, bis die Familie nach Brake umzog, weil der Vater dort eine Stelle als Studienrat am Gymnasium antrat. In Brake machte Bernhard Skupin 1968 sein Abitur. Nachdem er seine Wehrpflicht beim Bundesgrenzschutz absolviert hatte, nahm er ein Medizinstudium in Kiel auf. Dazu gehörte ein Auslandssemester in San Francisco in den USA. Nach dem Physikum wechselte Bernhard Skupin zur Universität Bonn, um näher bei Leverkusen zu sein. Der Grund dafür war, dass er inzwischen zum erweiterten Kader des Basketball-Bundesligisten TuS Leverkusen gehörte.

Weitere Stationen seiner medizinischen Laufbahn waren die Tätigkeit als Assistenzarzt im Braker Kreiskrankenhaus, die Facharztausbildung zum Internisten in Bad Godesberg, Essen und Gladbeck sowie eine Zusatzqualifikation für die Behandlung von Nierenerkrankungen in Bremen. Im Juli 1983 eröffnete Bernhard Skupin gemeinsam mit Dr. Peter Schmidt in Nordenham eine Arztpraxis. Sie hatte zunächst an der Hansingstraße ihren Standort und wurde im Januar 1985 in die jetzigen Räume an der Marktstraße verlegt.

Wie stellt sich der sportbegeisterte Mediziner sein Dasein als Pensionär vor? Große Pläne hat Bernhard Skupin nicht, aber er hat seinem Bruder Rudolf (62) versprochen, mit ihm nun endlich die schon lange verabredeten Reisen zu unternehmen. Seiner Frau Gesine dürfte ebenfalls einiges einfallen, um den künftigen Rentner vor einem Freizeitloch zu bewahren. Und dann ist da ja noch der Basketball.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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