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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Meyer: Milch nicht dem Markt überlassen

20.08.2015

Seefeld Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) will die Milchwirtschaft nicht einfach dem Markt überlassen. Angesichts des Preisverfalls, der die Existenz vieler Betriebe bedrohe, sprach er sich am Dienstagabend im Café der Seefelder Mühle für neue Regulierungen aus.

Persönliche Premiere

Meyer machte die Seefelder Mühle dabei zum Schauplatz einer ganz persönlichen Premiere: Zum ersten Mal probierte er hier sein Diskussionsforum „Politik für Land und Leute“ aus, mit dem er auf Bürger zugehen und um Sympathie werben will. Als Fachmann an seiner Seite stand Dr. Arno Krause bereit, der Geschäftsführer des Grünlandzentrums in Ovelgönne. Die Moderation übernahm Meyers Pressesprecher Klaus Jongebloed (sprich: Jungblut).

Das Interesse war riesig, mehr als 100 Gäste drängten sich in dem kleinen Raum, und nicht für jeden gab es einen Stuhl. Einige Zuschauer saßen auf der Treppe zum Balkon, andere mussten zweieinhalb Stunden stehen. Nichtsdestoweniger war die Atmosphäre sachlich und ruhig.

Gegen den Preisverfall von knapp 40 auf 27 Cent pro Kilogramm strebt Christian Meyer vor allem einen höheren Interventionspreis und ein sogenanntes Marktverantwortungsprogramm an. Derzeit liegt der Interventionspreis bei 21 Cent. Das heißt: Wenn der Preis auf dieses Niveau absackt, kauft die EU in großen Mengen Milch und lagert sie ein. Meyer sprach sich für eine deutliche Erhöhung dieses Niveaus aus, ohne eine Zahl zu nennen.

Wenn die EU dann Milch kauft, sinkt das Angebot, und weil die Nachfrage gleich bleibt – sie ist nach Auskunft des Ministers unabhängig von Preisschwankungen seit Jahren stabil –, steigen die Preise. Dagegen sprach sich Hendrik Lübben, Langenriep, stellvertretender Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes und Vorsitzender des Milchausschusses des Kreislandvolks, aus: „Auf dem Weltmarkt kann es keine Vollkasko-Landwirtschaft geben.“

Ein zweiter Schutzdamm, den der Minister einziehen will, zielt in die gleiche Richtung: Bauern reduzieren in Krisenzeiten freiwillig die Milchproduktion und bekommen dafür eine Entschädigung. Bezahlt werden soll diese zunächst aus der Superabgabe in Höhe von 306 Millionen Euro, die deutsche Bauern für 2014 entrichten mussten, später aus Abgaben, die Bauern in besseren Zeiten überweisen. Dazu müsse aber zunächst die Monitoring-Stelle der EU ausgebaut werden, die die Entwicklung der Milchmenge überwacht.

Hendrik Lübben bezeichnete dieses Instrument als „bürokratisches Monster“. Ging es zu Zeiten der inzwischen abgeschafften Milchquote um die Gesamtmenge, müsse bei einer solchen Regelung jeder einzelne Betrieb überwacht werden. Das sei unmöglich und werde zudem von der großen Mehrheit der EU-Staaten abgelehnt. Lübben vertrat mit den Stellungnahmen nicht nur seine persönliche Meinung, sondern auch die offizielle Haltung der Landwirte auf Kreis- und Landesebene.

Weidemilch gefragt

Positiv sieht das Landvolk das Projekt Weidemilch, das das Grünlandzentrum im vergangenen Jahr gestartet hat. Dabei geht es darum, Milch von Kühen, die mindestens 120 Tage im Jahr ganztags auf der Weide grasen, unter einer eigenen Marke zu verkaufen und damit ein einen etwas höheren Preis zu erwirtschaften, wie Arno Krause erläuterte. Sowohl er selbst als auch der Minister halten einen Aufschlag von einem Cent pro Liter für realistisch. „Zwischen konventionell erzeugter Milch und Bio-Milch gibt es ein Segment, in dem Verbraucher bereit sind, etwas mehr zu zahlen“, sagte Christian Meyer. „Das nutzen wir noch zu wenig.“

Etwa jeder zweite Lieferant der Ammerland-Molkerei nimmt an deren Weidemilch-Programm teil. Jeder dritte Milchviehbetrieb in der Wesermarsch erfüllt die Voraussetzungen für eine Teilnahme, sagte Arno Krause. Ein weiteres Drittel setze voll auf Stallhaltung – vor allem bei Kuhzahlen von mehr als 150. Tendenz: steigend. Der grüne Landwirtschaftsminister will aber erreichen, dass möglichst viele kleinere Betriebe überleben – und setzt auch deshalb auf Weidemilch.


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Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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