• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Minijobs gehören endlich abgeschafft“

24.05.2017

Rodenkirchen Die meisten jungen Frauen sind heute besser qualifiziert als die gleichaltrigen Männer. Dennoch bleiben sie im Beruf oft hinter dem anderen Geschlecht zurück. Vor allem im Alter wird es für sie finanziell eng. Was kann die Politik dagegen tun? Und was können die Frauen selbst dagegen tun?

 Weg in die Altersarmut

Das war am Montagabend Thema einer Podiumsdiskussion in der Markthalle Rodenkirchen mit der niedersächsischen Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) und vier weiteren Expertinnen. Moderatorin war die Landtagsabgeordnete Karin Logemann. Der Titel lautete „Raus aus der Minijob- und Minirenten-Falle“. Veranstalter war die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) in der Wesermarsch, deren Vorsitzende Verena Sievers-Kania, Nordenham, die Gäste begrüßte. Nur etwa 50 Gäste waren gekommen.

„Die Minijobs gehören abgeschafft, weil sie ein sicherer Weg in die Altersarmut sind“, betonte Sozialministerin Cornelia Rundt in ihrem Impulsreferat. Doch dafür ist die Landesregierung nicht zuständig. 65 Prozent der Minijobber seien Frauen, nur 9 Prozent der Minijobber schafften den Aufstieg in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit, überwiegend Männer. Die eigentliche Ursache der Probleme sei die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie, erklärte die Ministerin.

Die SPD helfe den Frauen durch das Gehaltstransparenz-Gesetz, das Ungleichbezahlung in Betrieben aufdecke, durch die 30-Prozent-Frauenquote in Aufsichtsräten, die langfristig ebenfalls zu besserer Bezahlung der Frauen führen werde, und durch ein Gesetz der Landesregierung, demzufolge für höhere Positionen des öffentlichen Dienstes so lange bevorzugt Frauen eingestellt werden müssen, bis Parität erreicht ist.

  In Dörfern schlimmer

Auch Marleen Knust tritt für die Abschaffung der Minijobs ein. Die gelernte Gartenbauingenieurin lebt in einem kleinen Dorf im Heidekreis und ist mehrfache Mutter. Ehrenamtlich sitzt sie dem Landfrauenverein Neuenkirchen vor, hauptamtlich ist sie bei der Kreisvolkshochschule in Soltau als Arbeitsvermittlerin und Job-Coach tätig.

Marleen Knust wartete mit einer alarmierenden Zahl auf: Während Frauen im Durchschnitt um 20 Prozent schlechter bezahlt werden als Männer, beträgt der Unterschied auf dem Land 30 Prozent. Deshalb hat sie sich auch zur ehrenamtlichen Equal-Pay-Beraterin weiterbilden lassen – also zur Beraterin für gleiche Bezahlung.

Für den größeren Gehaltsabstand gibt es Gründe, sagt Marleen Knust: Der Weg zu einer qualifizierten Arbeit ist aus den Dörfern weiter, und die Kinderbetreuung ist schlechter. Dazu komme das konservative Umfeld, das sowohl berufstätige Mütter als auch Männer, die sich um ihre kleinen Kinder kümmern, abwerte.

Dagegen helfe nur informieren und wachrütteln. So fragt sie 15- und 16-jährige Schülerinnen, wer denn wohl für die Mama in die Rentenkasse einzahle, wenn sie zu Hause bleibe? Fast alle antworten: „Der Papa.“ Und sie reagieren sehr nachdenklich, wenn Marleen Knust richtigstellt: „Keiner!“ Zudem informiert sie über Eheverträge und Witwenrente.

Marleen Knusts Credo lautet: „Schnelle Wiedereingliederung von Müttern in den Beruf macht die Familien krisenfest – beispielsweise für den Fall von Scheidung sowie Arbeitslosigkeit oder Tod des Partners.“

 Frauen ins Handwerk

Stefanie Seyfarth, die stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Wesermarsch, warb dafür, dass Frauen verstärkt die Männerdomäne Handwerk für sich erobern und auch Betriebe übernehmen. Betriebsleiter suchten händeringend nach Fachkräften.

 Digital hintendran

Raphaela Gerdes-Schmidt von der Koordinierungsstelle für Frauen und Wirtschaft im Landkreis Wesermarsch machte aber Schluss mit der Illusion, dass sich die Lage für die Frauen von allein verbessern könne. Denn attraktive Berufe gebe es vor allem im Bereich Mint, der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik umfasst. Dort sind beispielsweise Kenntnisse in Programmiersprachen und beim Aufbau von Netzwerken gefragt. Bei den unter 25-Jährigen können 37 Prozent der Männer, aber nur 1 Prozent der Frauen mit Kenntnissen in Programmiersprachen aufwarten, beim Aufbau von Netzwerken sehe es ähnlich schlecht aus.

Zur Abhilfe wolle die Koordinierungsstelle mit Unternehmen einen Verbund gründen, der Frauen fortbildet, aber beispielsweise auch eine Großtagespflegestelle mit sehr langen Öffnungszeiten betreibt.

 Rente ein Taschengeld

Die Kreisvorsitzende der Landfrauen, Ute Cornelius aus Kleintossens, machte deutlich, dass Selbstständigkeit keineswegs zu einer guten Altersversorgung führt. „Jüngere Frauen sollten sich vor ihrer Heirat beraten lassen – etwa von der Landwirtschaftskammer“, empfahl sie. Denn: „Die Bäuerinnen-Rente ist ein Taschengeld“. Und wegen des Höfesterbens funktioniere auch das Altenteiler-System nicht mehr wie früher.

Ute Cornelius betonte: „Es ist an der Zeit, das ganze soziale Sicherungssystem auf den Prüfstand zu stellen.“

Finden Sie Ihren Traumjob auf NWZ-Jobs.de!

NWZ-Jobs.de
Finden Sie Ihren Traumjob auf NWZ-Jobs.de!

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2203
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.