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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Deichschäfer zieht Notbremse

06.11.2018

Moorhausen /Berne Fred Wachsmuth hat die Freude an seinem Beruf verloren. Davon leben konnte er schon lange nicht mehr. Die Kosten fraßen ihn auf. Und darum hat er die Deichschäferei in Moorhausen aufgegeben, die er seit dem 1. September 2003 betrieb. Der II. Oldenburgische Deichband kündigte ihm fristgerecht das Pachtverhältnis zum 30. April 2019. Das erzählt der 59-Jährige auf Nachfrage der Nordwest-Zeitung. Er wohnt jetzt in Berne.

Warum immer mehr Schäfer im Norden ihre Herden aufgeben, hat zwar vielerlei Gründe, der wichtigste aber ist, dass die meisten Schafzüchter von ihrer Arbeit nicht mehr leben können. Drei Jahre lang hielt sich etwa Fred Wachsmuth mit seinem Futtermittelhandel über Wasser. „Man muss die Schäfereien unterstützen. Es gibt kaum noch einen, der von Wolle, Fleisch und Milch leben kann“, betont er. Lammfleisch koste heute immer noch so viel Geld wie vor 40 Jahren. Ein Kilogramm Wolle werde zu 35 Cent gehandelt, sagt Fred Wachsmuth. Zudem werde sich die zunehmende Wasser- und Futterknappheit in den Preisen niederschlagen. „Ich bin erleichtert, dass ich aus diesem Teufelskreis raus bin“, sagt der ehemalige Schafzüchter.

Fred Wachsmuth ist Schäfer in 14. Generation. Seine Familie stammt ursprünglich aus dem Halle-Saale-Kreis sowie aus Sachsen-Anhalt und war über die Jahrhunderte mit der Schafzucht verbunden. Das Erbe einer 350-jährigen Familientradition kann der 59-Jährige nun nicht mehr an seine Kinder weitergeben, die sich ohnehin schon längst anders orientiert haben.

Die Kündigung des Pachtverhältnisses habe er akzeptiert, erzählt Fred Wachsmuth. „Wenn sie mir nicht gekündigt hätten, hätte ich es auf jeden Fall getan“, merkt er an. Eine Zusammenarbeit mit dem II. Oldenburgischen Deichband sei für ihn unmöglich geworden. Wohl auch deshalb, weil seine Warnungen in den Wind geschlagen wurden.

Die Rede ist vom Wolf. „Ich habe es immer vorhergesagt, aber niemand hat mir zugehört.“ Und dann hatte nicht nur Fred Wachsmuth, den die Erinnerungen an die Wolfsattacken mit toten und verletzten Schafen nicht ruhen ließen, Wolfsrisse zu beklagen. Von einem Elektrozaun zum Schutz der Schafherden hält er gar nichts: „Hase, Fasan und Frosch sind tot, um dem Grauen das Leben schön zu machen“, erwähnt er sarkastisch.

Ihm kann der Isegrim nichts mehr anhaben. Seine 600 Suffolk-Schafe mit Jährlingen hat Fred Wachsmuth verkauft. Die letzten weiblicher Lämmer gingen in der vergangenen Woche an eine Zucht in Rottweil. Über einen Viehhändler war das Gros der Herde nach Aserbaidschan, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg verkauft worden. Die Zuchtböcke weiden mittlerweile auch in Aserbaidschan.

Mehr noch als den Verkauf seiner Schafe hat ihn der Verkauf seiner Border Collies zugesetzt. „Das ist mit unglaublich schwer gefallen. Schwerer noch, als sich von den Schafen zu trennen“, merkt er an. Seine Hunde „Jo“, „Mo“ und „Jim“ hätten es aber gut. Sie seien alle wieder an der Arbeit an den Schafen. Zwei Border Collies hüteten Schafe in Schneverdingen, einer in Hildesheim.

Erfolgreich hat Fred Wachsmuth die Schäferei mit Öffentlichkeitsarbeit in Moorhausen betrieben. Er erzählt von einer hervorragenden Zusammenarbeit mit dem damaligen Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes, Leenert Cornelius. 15 000 Gäste seien in den Jahren in der Schäferei Moorhausen betreut worden, doch die Seminarräume stünden seit gut drei Jahren leer.

Fred Wachsmuth, der nie ein Blatt vor den Mund genommen hat, ist jetzt ausgeglichen und völlig entspannt. Und dass ihm der II. Oldenburgische Deichband kündigte, kommentiert er mit den Worten: „Man soll nur nicht denken, dass man mich damit ärgern konnte.“

Sein guter Ruf eilt Fred Wachsmuth voraus. Ohne Bewerbungen geschrieben zu haben, liegt ein nahtloser Übergang in das zweite Berufsleben vor ihm. Seine Erfahrungen als Schafzüchter, der in seinem Berufsleben Schafe auf der ganzen Welt geschoren hat, kann er dabei einbringen. „Ich bleibe den Schafen verbunden.“

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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