• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Nicht genehmigte Güllegrube“

07.04.2018

Moorriem Wer seinen Blick über den Moorhauser Polder schweifen lässt, sieht Wiesen, Felder, den Huntedeich, in der Ferne die Autobahnbrücke bei Oldenburg und Unmengen an Vögeln. Riesige Schwärme ziehen über die Niederung hinweg und lassen sich auf den Weiden nieder, um sich satt zu fressen. Eine Idylle, so scheint es, offenbart sich dem Naturliebhaber. Doch es gibt etwas, was dem Betrachter, der mit den örtlichen Begebenheiten nicht so sehr vertraut ist, verborgen bleibt.

Denn der wunderschöne Schein trügt. Das aufgestaute Wasser und die vielen rastenden Gänse, in Spitzenzeiten sind es 30 000 bis 50 000 Vögel, sorgen für Verdruss. Was den Anschein eines intakten Ökosystems erweckt, hat in den Augen von Günther Vögel nicht mehr viel mit Natur und Naturschutz zu tun. Der 67-jährige Landwirt beklagt die zunehmende Verkotung der Hunteniederung durch die rastenden Gänse und bezeichnet das aufgestaute Wasser mittlerweile als Gänsegülle, die dann über das Wulfsiel in die Hunte abgeleitet wird. „Wenn ich eine Kleinkläranlage so entsorgen würde, machte ich mich strafbar“, sagt der CDU-Ratsherr. Der Moorhauser Polder ist nach seiner Auffassung wegen des künstlich aufgestauten Wassers ebenfalls als „Anlage“ zu bewerten. „Eine nicht genehmigte Güllegrube“, wie er betont, und fordert, endlich die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Günther Vögel hat Fakten geschaffen. Proben des Oberflächenwassers, die er vom anerkannten Institut für Düngemittel und Saatgut – Lufa Nord-West in Hameln – hat machen lassen, unterstreichen seine Aussagen. Der „Untersuchungsauftrag für Gülle und Jauche“ mit der Probenahmestelle Moorhauser Polder/Moorhauser Wiesen bescheinigt dem Auftraggeber, dass das aufgestaute Wasser hochgradig verdreckt ist.

Der Moorhauer Polder ist mit seiner Fläche von 118 Hektar, wobei 75 Hektar unter Wasser stehen, der erste Polder, der Oldenburg vor Hochwasser schützt. „Jeder Kubikmeter, der aufgestaut wird, steht für den Hochwasserschutz nicht zur Verfügung“, sagt Günther Vögel. Wenn nicht aufgestaut würde, bräuchte auch niemand am 1. Mai die Durchlässe zu öffnen und hunderttausende Kubikmeter Gänsegülle über den Wulfsiel in die Hunte zu entlassen. Die Wulfsiel-Schleuse liegt in der Hauptdeichlinie an der Hunte im 1. Deichzug des Verbandsgebietes des II. Oldenburgischen Deichbandes. Sie wurde kürzlich von der Moorriem-Ohmsteder Sielacht saniert.

„Ich fordere den Landkreis Wesermarsch auf, kein Wasser im Moorhauser Polder aufzustauen, die ursprüngliche Bestimmung wieder herzustellen und die beiden Durchlässe geöffnet zu lassen, damit Oberflächenwasser oder Huntewasser bei nächster Gelegenheit den Polder wieder verlassen kann.“

Günther Vögel ist der Überzeugung, dass zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen würden. Zum einen würde der Moorhauser Polder keine Gänse mehr anlocken, die zurzeit auf den landwirtschaftlichen Flächen große Schäden anrichteten und den Graswuchs so stark verschmutzten, dass ein Verfüttern an Milchvieh nicht mehr möglich sei. Er weist in diesem Zusammenhang auf die Salmonellengefahr hin. Zum anderen würde auch keine Gänsegülle mehr in die Hunte geleitet, wenn das Aufstauen unterbliebe.

Jagdpächter Hartwig Vögel aus Moorhausen hat die Durchlässe im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) viele Jahre bedient. Nachdem ihm die Ergebnisse der Wasserproben bekannt wurden, gab er diese Aufgabe an das NLWKN zurück. Er ist fassungslos, hat die Entwicklung vor allem der Tierwelt in den zurückliegenden Jahren intensiv beobachtet. Das Gebiet Moorhauser Polder ist seit 1983 EU-Vogelschutzgebiet. Der Zwergschwan war damals die wertbestimmende Art für das Vogelschutzgebiet. Daher wurde auch Wasser eingestaut bis zu einer Höhe von 50 bis 60 Zentimetern. Diese Art sei mittlerweile durch die zunehmende Gänseschar vertrieben worden. Das gelte auch für Pfeifenten und Löffelenten. „In den letzten zehn Jahren hat sich kein Zwergschwan mehr in der Hunteniederung sehen lassen“, wissen sowohl Hartwig Vögel als auch Günther Vögel. Bei den Pfeif- und Löffelenten seien nur noch geringe Bestände zu beobachten.

Die Landwirte Gerd Lübken und Sönke Heineke sowie Deichschäfer Fred Wachsmuth sind hinzugekommen, schauen auf die Niederung. „Die Gänse verdrecken den Boden. Der Gänsekot klebt an den Gräsern“, sagen sie. „Alles sei voll Gänsescheiße“, beklagen sie beim Blick auf die Weiden. Der erste, nährstoffreiche Schnitt sei meist verdorben, die finanziellen Einbußen würden dadurch steigen. Und auch das: Die Gänse fräßen nicht nur die Grasnabe, sondern würden auch die Wurzeln aus dem Boden ziehen, was eine erneute Aussät erforderlich mache. Man müsste also Futter fürs Milchvieh hinzukaufen. Gerd Lübken spricht von einem doppelten Schaden, der einem Betrieb erwächst. Auch Deichschäfer Fred Wachsmuth betrachtet sorgenvoll die große Ansammlung von Gänsen und deren Hinterlassenschaften. Man wisse nicht, welche Krankheiten sie einschleppten und verbreiteten.

Auch Hennig Heinemann kennt das Problem. Der Vorsteher der Moorriem-Ohmsteder Sielacht sitzt quasi zwischen den Stühlen. Er sieht einen grundlegenden Konflikt, der aus der Welt zu schaffen ist. „Wir als Verband wünschen uns eine Lösung“, sagt er. Doch dafür müssten Gespräche mit allen Beteiligten geführt werden.

Eine Lösung, die alle Seiten zufrieden stellt, gibt es für Günther Vögel allerdings noch nicht. Bis auf ein Sechsaugengespräch habe es keine weiteren Gespräche gegeben. Er betont, dass der Landkreis Wesermarsch im Zugzwang ist. Die jüngste Äußerung, dass aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Wesermarsch eine Lösung gefunden sei, die alle Seiten zufrieden stelle, sei schlichtweg falsch. Ein solches Gespräch habe nicht stattgefunden.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
Rufen Sie mich an:
04401 9988 2320
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.