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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Umwelt: Naturschauspiel mit Nebenwirkungen

17.10.2015

Moorsee Bei vielen Landwirten herrscht ein gewaltiger Druck auf dem Kessel. So fasste Dr. Arno Krause, Geschäftsführer des Grünlandzentrums Niedersachsen-Bremen, den Unmut der Bauern zusammen. Grund für den Ärger sind Wildgänse, die in Niedersachsen rasten oder überwintern und große Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen anrichten. Am Donnerstag standen die Tiere im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung, zu der der Landkreis in die Moorseer Mühle eingeladen hatte. 25 Zuhörer nahmen an der Veranstaltung im Rahmen der Zugvogeltage unter der Überschrift „Nordische Wildgänse – Willkommene Wintergäste?“ teil.

Aus der „Vogelperspektive“ berichtete Dr. Helmut Kruckenberg. Er ist Biologe und einer der führenden Gänseforscher. Nach seinen Worten ist Niedersachsen der „Frankfurter Flughafen“ oder auch „das Mallorca“ vieler Gänse, die ihre Brutgebiete in arktischen Regionen haben. Der Bestand vieler Arten sei in den 60er-Jahren bis auf ein Minimum geschrumpft. Experten gehen davon aus, dass es Anfang der 60er-Jahre nur noch rund 80 000 Blässgänse gab. Aufgrund von internationalen Schutzprogrammen hat sich der Bestand deutlich erholt. Er liegt inzwischen bei über einer Millionen.

„Weil die meisten Blässgänse in Deutschland überwintern, haben wir auch die größte Verantwortung für den Erhalt dieser Art,“ sagte Helmut Kruckenberg. Die Population sei in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr angewachsen. Regional könne sich die Situation aber sehr unterschiedlich darstellen.

Vom Aussterben bedroht

Das Gleiche gelte für die Nonnengans. Auch sie sei in den 60er-Jahren vom Aussterben bedroht gewesen. Inzwischen habe sich der Bestand deutlich erholt. Der Experte rechnet damit, dass die Population in fünf Jahren ein Niveau erreicht hat, bei dem sie sich selbst reguliert und nicht weiter ansteigt.

Martin Wendeburg vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz, ging unter anderem auf die verschiedenen Schutzprogramme ein, an denen sich Landwirte beteiligen können. Die Nachfrage sei enorm, wobei in der Wesermarsch der Wiesenvogelschutz eine größere Rolle spiele als der Gänseschutz.

Von den Problemen der Landwirte berichtete Dieter Emke von der Landwirtschaftskammer. Er hatte im Sommer für vier landwirtschaftliche Betriebe in Butjadingen ein Gutachten erstellt und dabei eine durch Nonnengänse verursachte Schadenssumme von 33 000 Euro ermittelt (die NWZ  berichtete). Nonnengänse treten in der Regel erst Mitte Mai den Heimflug an.

Die Reduzierung des Trockenmasseertrags trete ausschließlich beim ersten Schnitt auf, der das energiereiche Futter für den Winter liefert, sagte Dieter Emke. Landwirte, bei denen dieser erste Schnitt ganz ausfällt oder gemindert wird, müssten Futtermittel zukaufen.

Ein Programm, das Schäden durch sogenannte Rastspitzen ausgleicht, gibt es bisher nur für Ackerland. Ein Grünland-Programm sei in Planung, berichtete Martin Wendeburg. Er gehe davon aus, dass die Entwicklung noch drei Jahre dauert. Das Problem sei, dass die Schadensberechnung schwierig ist. Die Gänserast hat nämlich nicht nur Auswirkungen auf den Ertrag, sondern auch auf die Qualität der Gräser.

Es geht um die Existenz

Betroffenen Landwirten dauert das zu lange. Arno Krause drückte es so aus: „Das ist, als wenn sie einem Ertrinkenden erzählen, dass sie an der Entwicklung eines Rettungsbootes arbeiten.“ Einzelnen Betrieben in Butjadingen fehlten bis zu 12 000 Euro im Jahr, sagte Dieter Emke. Hinzu kommen die niedrigen Milchpreise. Für viele Landwirte gehe es inzwischen um die Existenz, so Arno Krause.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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