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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Wichtige Rolle im Ökosystem“

25.03.2019
Frage: Wespen, Mücken und Ameisen sind doch nur lästige Plagegeister, die keiner braucht und niemand vermisst! Was erwidern Sie Menschen, die so denken?
Elisabeth Woesner: Auch diese Insekten spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, Ameisen zum Beispiel sind Nahrungsgrundlage für Grünspecht und Wendehals, Mücken werden von vielen insektenfressenden Vögeln wie Schwalben, Grauschnäpper und Rotkehlchen verspeist, aber auch von Fledermäusen, Fischen, Libellen und Fröschen. Wespen als fleischfressende Insekten halten wiederum manch andere lästig werdende Insekten in Schach.
Frage: Warum haben es Insekten heutzutage denn überhaupt so schwer?
Elisabeth Woesner: Die Gründe für den Insektenrückgang sind vielfältig und komplex. Im Bericht der Bundesregierung aus 2018 werden vor allem folgende Gründe genannt: Verlust und Intensivierung des artenreichen Grünlands, Verlust artenreicher Feldraine und Säume, die Zerschneidung und Verinselung von Lebensräumen, zunehmende Flächenversiegelung, Lichtverschmutzung und intensive Waldbewirtschaftung.
Frage: Helfen soll das Kooperationsprojekt „Biotopverbund Grasland“. Was verbirgt sich dahinter?
Elisabeth Woesner: Ein wichtiger Grund für den starken Rückgang von Schmetterlingen, Heuschrecken und Wildbienen liegt im Verlust von artenreichem Grünland und blühenden Wegrainen. Hinzu kommt, dass die noch vorhandenen Wiesen häufig wie Inseln in der Landschaft verteilt liegen, es fehlt an Wanderungskorridoren für Insekten. Genau da setzt das Kooperationsprojekt „Biotopverbund Grasland“ an, hier arbeiten Landwirtschaft und Naturschutz zusammen.
Bei dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekt geht es um die Vernetzung artenreicher Grünlandflächen durch blühende Trittsteinbiotope und Wanderungskorridore für Insekten und typische Wiesenpflanzen. Interessant hierfür sind insbesondere auch Wegeseitenränder und andere lineare Elemente wie Deiche, Dämme und Wiesenblüh­streifen. Das Projekt wird geleitet vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen in Ovelgönne, Projektpartner sind die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die AG Vegetationskunde und Naturschutz der Universität Oldenburg sowie der Nabu Oldenburger Land.
Frage: Für Vögel und (Klein-)Säuger sind Biotopverbünde schon lange ein Thema. Warum sind Wanderungskorridore und Trittsteinbiotope auch für Insekten so wichtig?
Elisabeth Woesner: Auch Insekten müssen sich verbreiten können, um ihre Populationen stabil zu halten und ihren Genpool auffrischen zu können. Ist eine Population durch mangelnden Austausch genetisch verarmt, können die Tiere nicht so leicht auf veränderte Umweltbedingungen reagieren und sich unter Umständen nicht so schnell wieder ausbreiten. Dabei sind die Wanderungs- und Ausbreitungsmöglichkeiten der einzelnen Arten sehr unterschiedlich. Manche Heuschrecken zum Beispiel können nur sehr kleine Distanzen überwinden, fliegende Insekten wie Tagfalter sicher auch etwas größere.
Frage: Und was kann darüber hinaus jeder Einzelne für die Insekten tun?
Elisabeth Woesner: Zunächst einmal kann natürlich jede(r) im eigenen Garten oder Balkon aktiv werden: mit ungefüllten nektar- und pollentragende Blüten für Insekten, mit heimischen Wildpflanzen, heimischen Gehölzen und heimischen Gräsern als Nahrungsgrundlage für die Kinderstube der Insekten (Raupen und andere Larven) sowie Nistmöglichkeiten für Insekten. Wildbienen nisten nicht nur in sogenannten Insektenhotels, sondern häufiger noch in offenen Bodenbereichen. Ebenso ist es wichtig, unnütze und ungeeignete Lichtquellen im Garten zu vermeiden.
Im Rahmen des Biotopverbund-Projektes können alle Landbesitzer aktiv werden: Landwirte, Deichverbände, Gemeinden können Lebensräume für Insekten durch entsprechende Pflege ihrer Flächen, Deiche oder Wegeseitenstreifen oder auch durch gezielte Neuansaaten von Wildblumen fördern.
Um auch etwas für seltene und gefährdete Insektenarten zu tun, kann man die Naturschutzverbände unterstützen, die in Schutzgebieten aktiv sind oder Flächen für den Naturschutz aufkaufen. Und natürlich ist es auch möglich, mit seinem Konsumverhalten Einfluss zu nehmen, indem man zum Beispiel Weidemilch oder ungespritztes Gemüse kauft.

Ein Spezial zum Thema unter   www.nwzonline.de/insektenjahr 
Markus Minten Redaktionsleitung Brake / Redaktion Brake
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