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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Landkreis versiegelt Haus – Familie kämpft für Lebenstraum

18.08.2018

Neuenkoop Kai Heil wusste schon, als er den Resthof an der Neuenkooper Straße das erste Mal gesehen hat, dass es „eine Lebensaufgabe“ wird, diesen wieder bewohnbar zu machen. Dabei ist Kai Heil gerade mal 39 Jahre alt. Dennoch hat er sich zu einem Mietkauf entschlossen. Nach einer bestimmten Anzahl von Mietzahlungen soll der Resthof ihm und seiner Familie gehören. Hier will er eine neue Husky-Ranch aufbauen.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet er nun mit Familie und Freunden an dieser Lebensaufgabe, hat Gehege für seine rund 30 Huskys errichtet, hat den komplett zugemüllten Hof geleert und Müll aus der Diele entsorgt, wo sich Abfallsäcke, Altholz und jeder erdenkliche Müll ebenfalls meterhoch stapelten – insgesamt sollen es 300 Kubikmeter gewesen sein bei Kosten von bis zu 2000 Euro pro Container – und ein Ende ist nicht in Sicht. „Dass hier über Jahre eine Müllkippe war, hat den Landkreis nicht interessiert. Aber mir stellt sich das Bauamt in den Weg.“

Scheune einsturzgefährdet

Denn seiner Familie – Frau Christa und die vier Kinder Nicole (16), Dominique (14), Michelle (9) und Samantha (vier Monate) – konnte er bisher kein Zuhause bieten. Zwar ist die Familie am 1. August aus der Gemeinde Kirchhatten zugezogen, wohnen darf sie hier aber nicht. Der Landkreis hat die Nutzung untersagt, am 7. August schriftlich und am 14. August durch Versiegelung der Immobilie.

Beim Anblick des maroden Bauernhauses aus dem Jahr 1869 mag das nicht verwundern. Das Dach ist schief und mit allen möglichen Materialien gedeckt, die Außenwände sind schief und rissig (bei dieser Form des Hauses aber nicht tragend). Wirklich handfeste Gründe für eine Nutzungsuntersagung gibt es für den 39-Jährigen aber nicht. „Die Scheune ist einsturzgefährdet, das sehe ich ein. Das Wohnhaus aber nicht. Das hat uns auch ein Statiker bestätigt. Es geht nur um einen Ständer in der Diele.“

Der Landkreis sieht das allerdings anders. Der widerspreche sich aber im seinem eigenen Schreiben, meint Kai Heil . So heißt es in einem Bescheid etwa: „Die baulichen und technischen Mängel am Wohnwirtschaftsgebäude sind von so einem großen Ausmaß, dass überprüft werden muss, ob ein Fachunternehmer die baulichen und technischen Mängel beseitigen und das Gebäude dem heutigen bauphysikalischen Stand angepasst werden kann.“ Im nächsten Satz sieht Heil allerdings den Widerspruch zum Handeln des Landkreises: „Ein unmittelbarer Einsturz des Hauptgebäudes ist zum jetzigen Zeitpunkt augenscheinlich nicht zu erwarten.“ Das habe auch ein Baustatiker bei einer Begehung im Juli so formuliert, meint der 39-Jährige. Weiter ist im Schreiben des Landkreises von Ertüchtigungsmaßnahmen an einigen tragenden Bauteilen die Rede, die von Fachingenieuren erfasst, dokumentiert und statisch nachgewiesen werden müssten.

Genau diese Ertüchtigungsmaßnahmen wollte Kai Heil nach eigenem Bekunden als nächstes angehen – sobald der Platz in der Diele frei ist. Im Wesentlichen handele es sich nämlich um einen einzigen Stützbalken, der erneuert werden müsse, so der Bauherr. Das Dach an der Südostseite – über Jahrzehnte aus diversen Materialien geflickt – will er in den kommenden Wochen neu eindecken.

Rund 100.000 Euro investiert

Rund 100.000 Euro hat er nach eigenem Bekunden bereits investiert. Er hat einen Vorbau errichtet, die Küche saniert, Estrich gegossen und Innenwände neu errichtet. In Neuenkoop will er seine Husky-Ranch, die er in Kirchhatten betrieben hat, fortführen. Von hier aus will er Touren anbieten und zu Rennen in ganz Europa starten.

„Offiziell sind wir obdachlos“, meint Kai Heil. Anmelden könne er sich ohne Wohnung nicht. Das Angebot der Gemeinde, in eine Notunterkunft im Ort zu ziehen, hat er abgelehnt. „Ich muss allein schon wegen der Hunde auf dem Hof bleiben.“ Die Familie wohnte zunächst im Schlafbereich des Hunde-Lkw sowie in einem großen Zelt. Derzeit sind Frau und Kinder bei Bekannten untergekommen. Ein Wohncontainer sei für kommende Woche bestellt, dann soll es zurück auf den Hof gehen. Hier steht auch das Hab und Gut der Familie in einer Lkw-Brücke.

Denn aufgeben will Kai Heil seinen Lebenstraum trotz aller Hürden nicht. Das Dach könne er schließlich auch von außen neu decken, ohne das versiegelte Haus zu betreten. Gegen den Bescheid des Landkreises will er Widerspruch einlegen. Ein eigener Statiker soll nächste Woche seine Sicht dokumentieren.

Markus Minten
Redaktionsleitung Brake
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2301
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