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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Harter Schlag für junge Leute im Landkreis Wesermarsch

02.02.2019

Nordenham „Seit 114 Jahren gibt es die Möglichkeit, in einem Nordenhamer Krankenhaus Kinder zur Welt zu bringen. Nun wird diese Tradition innerhalb von 3 Wochen – ohne Prüfung von Alternativen und ohne Gespräche vor Ort zu führen – aus wirtschaftlichen Interessen vom Tisch gefegt und das Recht auf Entscheidung, wo und wie ich mein Kind zur Welt bringen möchte, ohne Diskussion oder Bürgerbeteiligung mit Füßen getreten.“

Mit diesen Worten kritisiert die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nordenham, Karin Windheim-Czichon, die Entscheidung der Helios-Geschäftsführung, Mitte Februar in der neuen Klinik in Esenshamm die gesamte Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe zu schließen.

Die Entscheidung der Landespolitik, mehr Hebammen auszubilden und Studiengänge für Hebammenausbildung anzubieten, komme für jetzt geschlossene Abteilungen wie in Nordenham zu spät. Carin Windheim-Czichon beklagt: „Schwangere Frauen müssen sich auf immer weitere, kurvenreiche Wege, witterungsbeeinflusste und angstbesetzte Fahrten, eine fremde Umgebung und unbekanntes Personal einstellen.“

Das sei ein herber Schlag für eine Stadt bzw. einen Landkreis, die sich in zahlreichen Projekten darum bemühen, vor allem wegen des Fachkräftemangels junge Menschen und Familien in Nordenham und im Kreis zum Bleiben zu bewegen.

Rat unterstützt

Die fünf Fraktionen des Nordenhamer Stadtrates unterstützen nachdrücklich das Vorhaben von Bürgermeister Carsten Seyfarth, der – wie berichtet – mit Landrat Thomas Brückmann beim Helios-Konzernvorstand in Berlin vorstellig werden will. Das teilte SPD-Fraktionschef Wilfried Fugel der NWZ mit. Dem Stadtrat gehören neben der SPD (sie ist größte Fraktion) auch Fraktionen von CDU, FDP, Grünen und WIN (Wählerinitiative Nordenham) an.

Die Kreistagsfraktionen von CDU, FDP, Grünen und SPD haben – wie ausführlich berichtet – zu einer konzertierten Aktion aufgerufen.

Der Kreisverband der Linkspartei in der Wesermarsch fordert, dass das Nordenhamer Krankenhaus, das vor dem Verkauf an den Rhön-Konzern und dann an Helios dem Landkreis gehörte, wieder vom Landkreis übernommen wird. Eine Zusammenarbeit mit dem St.-Bernhard-Hospital in Brake müsse eine Selbstverständlichkeit sein.

Großer Standortnachteil

Ähnlich befürchtet der Vorsitzende des Ärztevereins Nordenham/Butjadingen, Dr. Tilman Kaethner, einen gravierenden Standortnachteil für Nordenham und die ganze Wesermarsch.

Ebenso wie die Gleichstellungsbeauftragte kritisiert der Sprecher des Vereins, dem etwa 70 Ärzte (darunter auch alle Klinikärzte) in Butjadingen und Nordenham angehören: „Mich stört, dass Helios vor der Entscheidung nicht Gespräche mit der Politik, der Stadt und dem Landkreis geführt hat, um auszuloten, ob es andere Regelungen geben kann.“

Probleme wegen des Hebammenmangels seien auch ihm, Kaethner, bekannt gewesen, aber vor etwas mehr als einer Woche habe er mit Klinikgeschäftsführerin Annika Wolter gesprochen und sie habe nicht einmal angedeutet, dass die endgültige Schließung bevorsteht.

Tilman Kaethner ist auch Sprecher der Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsens. Der Nordenhamer Kinder- und Jugendarzt ist zudem persönlich betroffen, weil er seit Jahrzehnten eingebunden ist in die Betreuung der Neugeborenen auf der Wöchnerinnenstation der Nordenhamer Klinik.

Der Patientenrückgang im Jahr 2018 in der Gynäkologie sei sicherlich auch auf die zwei vorübergehenden Schließungen der Kreißsäle zurückzuführen. Tilman Kaethner ist überzeugt, dass nach dem Rückgang der Geburten von 371 im Jahr 2017 auf 321 im Jahr 2018 rasch eine Stabilisierung erreicht werden könnte – und mittelfristig eine Zahl von 400 Geburten jährlich gesichert werden könnte.

Gefordert werden sollte jetzt, dass Gespräche geführt werden über die von Helios den ausscheidenden Hebammen und Ärzten angebotene Einrichtung einer Hebammen-Praxis und über die Weiterführung der Gynäkologie-Praxis in der Klinik.

Kernaufgaben

Wie schätzt der Vorsitzende des Ärztevereins Nordenham/Butjadingen die künftige Entwicklung der Helios-Klinik ein? „Wenn ich positiv denken will, wird sich die Klinik nun auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und diese in Konkurrenz mit dem Braker Krankenhaus vernünftig vorantreiben. Ich glaube nicht, dass Helios die Klinik mittelfristig aufgeben wird, denn mit den Abteilungen der Inneren Medizin einschließlich Kardiologie sowie mit der Chirurgie und Urologie kann die Klinik aus den roten Zahlen kommen.“

Die langfristige Entwicklung werde von vielfältigen Voraussetzungen abhängen – auch von den Vorgaben der Bundespolitik zur Pflege-Personalausstattung und zur Kostenerstattung der Krankenkassen sowie von den besonderen Auswirkungen auf kleinere Krankenhäuser.

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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