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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Medizin On Nordenham: Spezielle Patientenzimmer in der Wesermarsch-Klinik

24.09.2019

Nordenham Über ein Modellprojekt soll in Niedersachsen die Versorgung von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, deutlich verbessert werden. Einen entsprechenden Antrag der Helios-Kliniken hat das Land bewilligt. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann übergab jetzt in Hannover einen Fördermittelbescheid in Höhe von 259 000 Euro an den Chefarzt der Klinik für Altersmedizin in Hildesheim, Dr. Konstantin Lekkos, und an Maren Christina Geissler, leitende Innovationsmanagerin im Helios- Center for Research and Innovation (HCRI). Beide haben das Projekt wissenschaftlich entwickelt. Mit der finanziellen Unterstützung werden in fünf Kliniken Patientenzimmer eingerichtet, die die speziellen Anforderungen von Demenz-Patienten berücksichtigen.

Tendenz stark steigend

Die Erkrankten haben Schwierigkeiten sich zu orientieren, sie werden mehr und mehr vergesslich und können gewohnte Tätigkeiten nicht mehr ausführen. Rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt, Tendenz stark steigend. Das ist auch für Krankenhäuser eine große Aufgabe. Allein in den Helios-Kliniken in Niedersachsen werden jährlich mehr als 14 000 Patienten behandelt, die in der Nebendiagnose unter Demenz leiden. Aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen müssen sie sich auf eine neue Umgebung einstellen – und das in verschiedenen Fachbereichen wie der Neurologie, der Kardiologie und der Orthopädie.

Große Herausforderung

„Die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit einer Demenzerkrankung im Krankenhaus ist eine besondere Herausforderung für Angehörige und für die Beschäftigten“, sagt Gesundheitsministerin Carola Reimann. Die Patienten seien häufig verängstigt und unruhig. Oft würden sie versuchen, die Klinik zu verlassen. Zudem hätten sie oftmals keine Krankheitseinsicht und könnten je nach Stadium häufig auch keine Auskunft über ihre Beschwerden und Wünsche geben. „Daher wollen wir entsprechende Modellprojekte fördern“, betont die Ministerin.

Der Bedarf ist nach Angaben des Helios-Regionalgeschäftsführer Dr. Marc Baenkler auf jeden Fall vorhanden. „Würden wir alle betroffenen Patienten in einer demenzgerechten Umgebung behandeln, bräuchten wir fast 220 Zimmer allein in unseren Krankenhäusern in Niedersachsen“, sagt er. Das sei eine immens wichtige Aufgabe. Mit der finanziellen Unterstützung für das Modellprojekt sei jetzt „ein erster großer Schritt getan“.

An fünf Klinikstandorten – Uelzen, Hildesheim, Nienburg, Stolzenau und Nordenham – werden sogenannte Pilotzimmer eingerichtet. „Wir möchten, dass sich Patienten mit Demenz auf der Station im Krankenhaus besser zurechtfinden und das Angehörige die Umgebung und den Klinikalltag demenzfreundlicher und ruhiger empfinden“, sagt der Altersmediziner Konstantin Lekkos.

Es wird ein demenz- und altersgerechtes Lichtkonzept installiert, das sich individuell auf die Bedürfnisse der Patienten anpassen lässt. Besondere Fußböden, Fußleisten und Matratzen sollen nicht nur die Sturzgefahr mindern, sondern auch frühzeitig Hinweise geben, wenn zum Beispiel ein Patient sein Bett verlässt. Zur Ausstattung der Zimmer gehören auch elektronische Tafeln, über die die Patienten wichtige und immer wiederkehrende Informationen erhalten können. Dazu gibt es Infopanels an den Betten, die persönliche Fotos und andere private Erinnerungen zeigen, um eine vertraute Umgebung zu schaffen. Anhand von sensorgesteuertem Geschirr kann genau ausgewertet werden, was der Patient wann und in welcher Menge gegessen hat.

Dies sei nur eine Auswahl der umfangreichen Zimmergestaltung, sagt Konstantin Lekkos: „Oberstes Ziel ist, dass sich der Patient so wohl wie möglich fühlt und sich selbst besser zurechtfinden kann.“ Das beschleunige auch den Heilungsprozess, wenn er beispielsweise wegen eines Bruches stationär aufgenommen wurde.

Die Zimmer können von den Angehörigen über ein iPad individuell eingerichtet werden. So lassen sich Zimmerfarben auswählen und Nachrichten anzeigen oder abspielen.

Angehörige einbezogen

Die Maßnahmen wurden gemeinsam mit Demenzexperten und denen entwickelt, die es am besten wissen: den Angehörigen von an Demenz Erkrankten. „Auch für unsere Mitarbeiter in den Kliniken haben diese besonderen Zimmer viele Vorteile“, betont Konstantin Lekkos, „sie müssen sich weniger um immer wiederholende Tätigkeiten kümmern und können sich dafür intensiver den Patienten widmen.“

NWZonline.de/gesundheit
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