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Aktualisiert vor 9 Minuten.

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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Wie gefährlich ist das Blei im Trinkwasser?

12.07.2019

Nordenham Das Wort Entwarnung wollte niemand in den Mund nehmen bei der Informationsveranstaltung, zu der das Gesundheitsamt des Landkreises Wesermarsch für Donnerstag ins Einswarder Mehrzweckhaus eingeladen hatte. Aber es klang ein wenig nach Entwarnung, was Roland Suchenwirth den Teilnehmern erzählte. Wie gefährlich ist das Trinkwasser, das aus den Bleirohren kommt, die in einigen Mehrparteienhäusern in Einswarden entdeckt worden waren? Diese Frage brannte den rund 30 Besuchern natürlich unter den Nägeln.

Fest steht, dass eine Probe, die in einem Mehrparteienhaus an der Friesenstraße 12 genommen wurde, über dem in der Trinkwasserverordnung festgelegten Grenzwert liegt (die NWZ berichtete). Inzwischen haben die Vermieter weiterer Wohnungen in Einswarden Trinkwasseruntersuchungen veranlasst. Nach Auskunft von Astrid Kosch vom Gesundheitsamt des Landkreises sind in neun Mehrparteienhäusern in Einswarden Bleileitungen entdeckt worden. Sie befinden sich an der Friesenstraße, der Wangeroogestraße, der Borkumstraße und der Werftstraße.

Wasser im Treppenhaus

Die Vermieter haben inzwischen so genannte „fliegende Wasserleitungen“ installieren lassen. Die Mieter in den betroffenen Gebäuden können sich unbelastetes Trinkwasser im Treppenhaus zapfen. Aber das ist nur eine Übergangslösung. Volker Blohm, der Leiter des Gesundheitsamtes, sagte, er habe die Auskunft von den Vermietern bekommen, dass die Bleileitungen ausgetauscht werden. In welchem Zeitrahmen das passiert, könne er aber nicht sagen. Eigentümerin der betroffenen Gebäude sind die Firmen ZBI und Nordwohnen. Manuel Trinkgeld von der Firma Nordwohnen sagte am Donnerstag auf Nachfrage, dass die Sanierung schnellstmöglich, voraussichtlich noch in diesem Jahr, über die Bühne geht.

Welche Auswirkungen das bleibelastete Trinkwasser haben kann, erklärte Roland Suchenwirth, der beim niedersächsischen Landesgesundheitsamt die Abteilung Umweltmedizin leitet. Die Hauptrisikogruppe seien Kinder im Alter bis zu sechs Jahren, weil sie bis zu sechs Mal mehr Blei aufnehmen als Erwachsene. Nach den Worten des Mediziners kann das Blei das Gehirn der Kinder schädigen. Das gelte auch für ungeborene Kinder, deren Mütter über einen längeren Zeitraum zu viel Blei aufnehmen.

Aber was ist zu viel Blei? Der Grenzwert in der Trinkwasserverordnung liegt bei 10 Mikrogramm pro Liter. In Einswarden wurden 80 Mikrogramm gemessen. Dieser Wert trat nach einer vierstündigen Ruhephase auf, in der das Wasser in den Leitungen Blei aufnehmen konnte. Das Wasser sei aber nicht an jeder Stelle im Haus und nicht zu jedem Zeitpunkt gleich belastet, sagte Roland Suchenwirth. Wer das Wasser solange laufen lässt, bis es nicht mehr kälter wird, gehe kein Risiko ein. Das gelte auch, wenn schon zum Beispiel seit längerer Zeit die Waschmaschine läuft. Gleichwohl verlange die Trinkwasserverordnung, dass das Wasser zu jedem Zeitpunkt in Ordnung ist. Deshalb empfiehlt das Gesundheitsamt den betroffenen Mietern auch weiterhin, kein Wasser aus ihren Wohnungen zu trinken.

Ergebnisse unauffällig

Der Experte berichtete von einem Fall, der sich im vergangenen Jahr in Cuxhaven ereignete. Auch dort wurden in mehreren Häusern Bleileitungen entdeckt. Etwa 100 betroffene Mieter hätten ihr Blut untersuchen lassen. Es sei zwar eine erhöhte Bleibelastung nachweisbar gewesen. „Die Ergebnisse waren aber Lichtjahre von den Werten entfernt, die Therapiemaßnahmen erfordert hätten.“ Eine Frau aus Einswarden berichtete am Donnerstag, dass sie eine Blutprobe zur Untersuchung abgegeben habe. Das Ergebnis sei unauffällig gewesen.

Mit Blick auf den Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter sprach Roland Suchenwirth von einem hohen Schutzniveau, das vor allem den Risikogruppen dient. Und er sagte, dass die Europäische Union den Grenzwert weiter absenken will – auf 5 Mikrogramm. Zum Vergleich: Bis Ende der 90er-Jahre galt ein Grenzwert von 40 Mikrogramm.

Nach den Worten von Roland Suchenwirth ist es völlig normal, dass die Menschen Blei im Körper haben. So lange es noch verbleites Benzin gab, sogar deutlich mehr als heute.

Roland Suchenwirth machte deutlich, dass das Landesgesundheitsamt die Notwendigkeit, Bleirohre auszutauschen, gegenüber Vermieter- und Handwerkerverbänden intensiv kommuniziert habe. „Eigentlich müsste das Thema spätestens seit 2013 erledigt sein.“

Dass dies nicht der Fall ist, zeigen die Probleme in Einswarden. Einige Vertreter der Partei die Linken, die an der Info-Veranstaltung teilnahmen, kritisierten, dass die Einhaltung der Trinkwasserverordnung unzureichend kontrolliert werde.

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Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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