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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Der zuckersüße Lebensabend der Wespe

07.09.2018

Nordenham Wespen können einem ganz schön den Spaß verderben. Sie sind der Grund dafür, dass manch einer trotz des schönen Wetters seine Bratwurst oder sein Feierabendbier lieber im geschlossenen Raum genießt. Wer es wagt, den leckeren Erdbeerkuchen im Freien zu vertilgen, bekommt in diesen Tagen mit hoher Wahrscheinlichkeit ungebetene Mitesser. Kaum wittern die schwarz-gelben Störenfriede etwas Süßes, schwirren sie zielstrebig heran und lassen sich auch durch wildes Herumwedeln mit den Händen nicht vertreiben. Wer Pech hat, bekommt noch ein schmerzhaftes Andenken in Form eines Wespenstichs, und wer ganz viel Pech hat, reagiert allergisch darauf.

Der Spätsommer ist die Zeit der Wespen. Dass sie in diesen Tagen besonders häufig in der Nähe des Menschen auftauchen, ist völlig normal. Frank Bierkamp aus Brake ist Experte auf dem Gebiet der so genannten Hautflügler. Nach seinen Worten gibt es zurzeit nicht wesentlich mehr Wespen als zu dieser Jahreszeit üblich. Aber im Vergleich zum Vorjahr dürfte die Population schon deutlich angestiegen sein.

Gute Bedingungen

Der Grund dafür liegt für ihn auf der Hand: das Wetter. Nach den Worten von Frank Bierkamp werden Wespenvölker in den Monaten April und Mai gegründet. Die Königinnen brauchen dafür Temperaturen von über zehn Grad. Weil im Frühling dieses Jahres fast durchgehend diese günstigen Bedingungen gegeben waren, konnten sich die Wespen fleißig vermehren. Jedenfalls mehr als im Jahr 2017, als die Bedingungen alles andere als günstig waren.

Tipps für den richtigen Umgang mit Wespen

Was sollte man tun und was besser lassen:

Die Experten vom Naturschutzbund Deutschland sind überzeugt davon, dass Mensch und Wespe friedliche Nachbarn werden können. Wer sich von den Insekten gestört fühlt, sollten einige einfache Regeln beachten.

Wegpusten: Keine gute Idee. Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt als Alarmsignal im Wespennest und kann die Tiere aggressiv machen.

Wildes Herumwedeln: Ebenfalls nicht ratsam. Durch heftige Bewegungen fühlen sich die Wespen bedroht und reagieren entsprechend.

Ablenkfütterung: Bei einem Experiment für „Jugend forscht“ haben Schülerinnen herausgefunden, dass sich überreife Weintrauben als Ablenkung besonders gut eignen. Fünf bis zehn Meter vom Ort des Geschehens entfernt aufgestellt, halten die Früchte die Wespen in Schach. Von Wespenfallen, die mit Bier oder Saft gefüllt werden, rät der Naturschutzbund ab, weil die Tiere dort einen qualvollen Tod sterben.

Lebensmittel abdecken: Das ist im Freien auf jeden Fall sinnvoll. Außerdem sollten Lebensmittelreste schnell weggeräumt werden. Nach dem Essen sollten die Erwachsenen darauf achten, dass sie den Kindern den Mund abwischen, um die Wespen nicht anzulocken.

Frank Bierkamp gehört zu einer Gruppe von ehrenamtlichen Beratern im Landkreis Wesermarsch, die sich mit Hautflüglern beschäftigen. Dazu gehört neben der Wespe auch die Hornisse. Wenn es Fragen zu oder Probleme mit Hautflüglern gibt, kommen diese Berater ins Spiel. Zurzeit gibt es fünf solcher Berater in der Wesermarsch. Ansprechpartner bei Problemen mit Wespen- oder Hornissennestern ist aber zuerst die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises (Telefon   04401/927369).

Nach den Worten von Frank Bierkamp hat die Gruppe in diesem Jahr etwa 100 Meldungen von Wespen- oder Hornissennestern bekommen. Oberstes Ziel für die Berater ist es, besorgte Bürger zu informieren. In der Regel sei ein friedliches Nebeneinander von Mensch und Insekt kein Problem. Rund 20 Mal sind die Berater aber in diesem Jahr ausgerückt, um Wespen- oder Hornissennester umzusiedeln.

Frank Bierkamp geht davon aus, dass sich das Wespenproblem in den nächsten Wochen von alleine erledigt. Dann werden die meisten Tiere das Zeitliche segnen. Nach seinen Worten haben die Arbeiterinnen keine biologische Funktion mehr. Sie haben die Brut versorgt. Aber bevor die Uhr für die Insekten endgültig abgelaufen ist, schlagen sie sich noch mal richtig die Bäuche voll. Obst, wie zum Beispiel Äpfel und Birnen, sind beliebt. Und natürlich Zucker. Ein Stück Kuchen, das viel Zucker enthält, ist ein gefundenes Fressen für Wespen. Das Gleiche gilt für eine Cola, die überwiegend aus Zucker besteht. „Zucker ist wie ein Magnet für die Tiere“, sagt Frank Bierkamp.

Nützliche Insekten

Weil Wespen unter Naturschutz stehen, ist es verboten, sie zu töten. Es drohen Bußgelder. Wespen haben zwar ein gewaltiges Imageproblem. Nach den Worten von Frank Bierkamp tragen die Tiere aber zum biologischen Gleichgewicht bei. Und sie sind nützlich, weil sie andere Schädlinge im Garten fressen. „Wenn Wespen aussterben würden, könnten wir uns vor Fliegen nicht mehr retten.“

Ein gutes Wespenjahr ist auch ein gutes Jahr für die Hersteller von Cremes, die die Folgen von Wespenstichen lindern. Bei Norbert Schulze in der Stadtapotheke ist die Nachfrage nach solchen Mitteln jedenfalls deutlich höher als in den vergangenen Jahren. „Es ist ein ausgeprägtes Wespenjahr. Und das merken wir. Es kommen zurzeit viele Kunden wegen Wespenstichen.“

Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl des richtigen Mittels ist für den Apotheker: Liegt eine Allergie vor oder nicht? Eine starke Schwellung ist ein Zeichen für eine allergische Reaktion. Hier empfiehlt der Apotheker cortisonhaltige Mittel. Wenn keine Allergie vorliegt, reiche in der Regel ein Anti-Allergikum, das den Juckreiz lindert.

Entscheidend für die Behandlung ist auch die Frage: Wo hat die Wespe zugestochen? Bei Stichen im Gesicht, am Hals oder gar im Mund gilt allerhöchste Alarmstufe. „Solche Stiche können fatale Folgen haben. Da geht es manchmal um Minuten.“ Norbert Schulze rät, in solchen Fällen sofort einen Arzt aufzusuchen. „Schlimmstenfalls können solche Stiche sogar tödliche Folgen haben.“

Jens Milde
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2205

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