• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Was hilft wirklich gegen Krähenlärm?

16.10.2019

Nordenham Wie steht es um Lärm-Belästigungen durch Saatkrähen im Stadtgebiet? Was hat die Stadt bisher dagegen getan? Was lässt sich nachhaltig wirksam unternehmen? Diese Fragen haben neue Aktualität gewonnen, weil jetzt etwa 150 Bewohner der Wohnsiedlung Friedeburgpark mit einer Unterschriftenliste von der Stadt schärferes Vorgehen fordern.

Betroffene berichten

Baudezernentin Elle Köhnke hat daraufhin zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, die an diesem Donnerstag, 17. Oktober, im Ratssaal stattfindet. Beginn: 17 Uhr. Alle Bürger sind dazu eingeladen. Bewohner des Friedeburgparkes, die über zunehmende Belästigungen durch Saatkrähen klagen, kommen zu Wort.

drei Kolonien

Nach Informationen der NWZ nisten seit einigen Jahren Saatkrähen in größerer Zahl nicht nur im Stadtpark, sondern auch an den Gateteichen und am Ilseplatz. Über diese Kolonien hinaus sind Ansiedlungen am Lutherplatz, im Museumspark und an der Bahnhofstraße bekannt.

Die Vögel sind Allesfresser, ernähren sich überwiegend von Insekten und Regenwürmern sowie von Saatgut.

In Nordenham hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren vereinzelt Versuche unternommen, die Krähen zurückzudrängen. Krähennester sind im Frühjahr vergangenen Jahres und 2017 im Friedeburgpark und am Ilseplatz entfernt worden. Baumkronen sind gestutzt worden. Am Plaatweg sind einige Pappeln gefällt worden. Das geschah jeweils mit Ausnahmegenehmigungen der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis.

Denn seit 1977 sind Saatkrähen durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Sie dürfen weder getötet, noch verletzt oder gefangen werden. Auch darf ihnen nicht nachgestellt werden. Nester dürfen nicht entnommen, Bäume in Kolonien nicht gefällt oder zurückgeschnitten werden.

Erfolge fraglich

Ausnahmen von diesen Verboten sind nur mit Ausnahmegenehmigungen möglich – unter anderem, wenn sie der Sicherung der menschlichen Gesundheit dienen. Unklar ist, inwieweit die Vergrämungsaktionen in Nordenham etwas gebracht haben. Im Friedeburgpark offenbar nichts, denn andernfalls gäbe es jetzt nicht die Unterschriftenliste.

Unumstritten ist auch unter Fachleuten, dass von Saatkrähen verursachter Lärm und Verschmutzungen eine erhebliche Belästigung für Menschen darstellen – zumindest während der drei bis vier Monate der Brutzeit im Frühjahr.

Einzelfall Prüfen

Das dürfe jedoch nicht automatisch zu einer Vertreibung der im Siedlungsbereich lebenden Saatkrähen führen. Stets sei eine Einzelfallprüfung nötig, schreiben die Diplom-Biologen Thorsten Krüger und Markus Nipkow in einem auf Konflikte und Lösungsmöglichkeiten detailliert eingehenden Informationsheft. Diese Broschüre hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Herbst 2015 herausgegeben.

Nach Erkenntnissen der Experten ist die Vergrämung bzw. Vertreibung von Saatkrähen zur lokalen Reduzierung des Bestandes kritisch zu sehen. Denn in der Regel gelingt es nicht, die Vögel langfristig aus dem Siedlungsbereich zu verdrängen. In der Regel bleiben lokale Vergrämungsversuche wirkungslos oder sogar kontraproduktiv.

Andere Brutplätze

Die bisherigen Erfahrungen in Niedersachsen zeigen laut dieser Informationsschrift, dass eine Vergrämung nur dann befriedigend verläuft, wenn den Saatkrähen alternative Brutplätze angeboten werden und gleichzeitig alle Brutkolonien außerhalb der Siedlungen vor Störungen geschützt werden.

Das bedeutet: Bereits vor einer Vergrämung muss geprüft werden, ob es in der Nähe einen Bereich mit entsprechendem Baumbestand als Ausweichbrutplatz gibt oder ob eine solche Alternative entwickelt werden kann.

Das erfordert in der Regel ein mehrjähriges Engagement. Doch gibt es keine Gewissheit, dass die Vögel den Ausweichbrutplatz auch tatsächlich annehmen.

Positiv empfinden

Die andere dauerhafte Lösungsmöglichkeit: Die Bevölkerung erkennt die Daseinsberechtigung von Saatkrähen an, toleriert sie und versucht soweit wie möglich, sie als nicht so störend zu empfinden. Denn, so heißt es wörtlich in der Broschüre des NLWKN: „Erst die subjektive Empfindung macht den Schall der Saatkrähen zum störenden Lärm.“

Die Experten kommen in ihren detaillierten Analysen zu dem Ergebnis, dass es für sich allein genommen keine Methode gibt, die verlässlich dazu führt, dass Saatkrähen einen Koloniestandort aufgeben – vielleicht mit einer Ausnahme: wenn Nistbäume gefällt werden. Auf die Beseitigung von Nestern reagieren die Vögel oft nicht mit Abzug, sondern sie bauen ihr Nest einfach immer wieder neu.

Gefährdet werden könnten Saatkrähen – ebenso wie Graureiher – nach Erkenntnis der Experten sehr wohl durch Störung von Waschbären. Dafür gebe es Beispiele in Schnackenburg und im Landkreis Schaumburg.

Neu an Bundesstraßen

Es mehren sich Neugründungen von Saatkrähen-Kolonien in Baumreihen oder Baumgruppen direkt an Bundesstraßen, Autobahnen oder innerhalb von „Autobahnkleeblättern“ – zum Beispiel bei Brake, Zetel oder Bremen-Brinkum.

Wie die NWZ berichtete, hat die Stadt Jever, die 2015/16 Krähenklatschen angebracht hatte, im Frühjahr 2018 erstmals seit Jahren keine Vergrämungs-Maßnahmen in der Innenstadt ergriffen. Doch ist die Population nicht wie befürchtet explodiert, sondern im Gegenteil: 100 Paare haben weniger Nester in den Bäumen im Schlosspark und entlang der Graften gebaut.

Falkner-Einsatz

Vielleicht auch für Nordenham interessant sein dürften darüber hinaus Presse-Berichte aus Süddeutschland über den erfolgreichen Einsatz von Falknern. Sie lassen Falken oder Bussarde am Himmel patroullieren und verscheuchen so Saatkrähen.

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2206
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.