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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Seit 45 Jahren für Tiere im Einsatz

22.11.2019

Nordenham Seit 45 Jahren ist Rolf Urbich als Tierarzt in Nordenham tätig. Nun will er kürzer treten – besser gesagt, er muss! Denn ein Unfall im Stall hat ihn im April kalt erwischt. Eine Kuh trat aus und traf den heute 73-Jährigen. Er stürzte und brach sich dabei den Oberschenkel. Statt sich wie gewohnt mit vollem Einsatz um seine kleinen und großen Patienten zu kümmern, galt es für den Tierarzt nun, erstmal selbst wieder gesund zu werden.

Eine glückliche Fügung war es da, dass sich drei Tage vor dem Unfall Isabelle Wolle bei Rolf Urbich gemeldet hatte. Die angehende Tierärztin hatte Rolf Urbich vor einiger Zeit während eines Termins auf einem Hof kennengelernt. Nun berichtete sie, dass sie alle ihre Prüfungen zur Veterinärmedizinerin bestanden hatte. Während sie noch an ihrer Doktorarbeit schrieb, wollte sie gerne einige Tage in der Woche in der Praxis von Rolf Urbich arbeiten. „Wir hatten uns für die Woche darauf verabredet, um alles zu besprechen“, sagt Rolf Urbich. Seine Mitarbeiterin, Melanie Kieselhorst, schlug nach dem Unfall vor, Isabelle Wolle anzurufen, und sie zu bitten, Rolf Urbich zu vertreten.

Erste Überbrückung

Sie willigte ein „und hat dann die Praxis überbrückend bis Oktober weitergeführt“, sagt Rolf Urbich. Seit Oktober ist er wieder im Einsatz, aber noch nicht komplett genesen. Deshalb bietet der Veterinär nur noch eingeschränkte Öffnungszeiten an. Behandlungen finden von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 11 Uhr und zwar nur noch nach telefonischer Vereinbarung statt. Mittwochnachmittags übernimmt Rolf Urbich den Notdienst, ebenfalls mit telefonischer Anmeldung. Freitags ist der Tierarzt nicht in der Praxis. Seine Mitarbeiterin Melanie Kieselhorst ist aber telefonisch von 9 bis 12 Uhr (Telefon   04731/923023) zu erreichen. Jeweils in der letzten Woche eines Monats bleibt die Praxis geschlossen.

Rolf Urbich war der erste Tierarzt in Nordenham, der feste Sprechzeiten in seiner Praxis anbot, erzählt der 73-Jährige. Geboren wurde er in Thüringen. Dort hatte seine Familie einen Hof. Hier entdeckte er auch seine Leidenschaft für die Arbeit mit Tieren. Weil seine Eltern sich nach dem Krieg nicht mit dem Regime in der sowjetischen Besatzungszone anfreunden konnten, sei die Familie 1953 ins Rheinland gezogen.

Von 1965 bis 1971 studierte Rolf Urbich Tiermedizin in Gießen. „Mein Vater wollte, dass ich die Familientradition in der Landwirtschaft weiter führe. Aber ich hatte immer eine Neigung zur Medizin. So habe ich mich für die Tiermedizin entschieden und beides verbunden“, erzählt der 73-Jährige. Die Entscheidung habe er nie bereut.

Von 1971 bis 1973 reiste er durchs ganze Land und übernahm Vertretungen für Tierärzte, die im Urlaub waren. Dabei habe er festgestellt, dass im nordwestdeutschen Raum vor allem Veterinäre für Rinder gebraucht wurden. „Eine Rinderpraxis war für einen jungen Kerl wie mich verlockend“, erinnert er sich. So zogen er und seine Frau nach Nordenham, wo er zunächst eine Praxis an der Martin-Pauls-Straße eröffnete. Trotz seiner Faszination für die Behandlung von Rindern wollte er die Kleintiere nicht im Stich lassen, erzählt der Tierarzt. Nach zwei Jahren kaufte er das Haus in der Bernhardstraße und verlagerte seine Praxis dorthin.

Besondere Momente gab es viele, erzählt er. Geburten seien für ihn immer das Schönste, sagt der Tierarzt. Aber auch, wenn eigentlich schon tot geweihte Patienten, die er intensiv betreuen musste, am Ende doch überlebten, waren das schöne Momente.

Schlimm waren dagegen immer Unfälle, in die Tiere verwickelt waren. „Wenn ein Hund im Kofferraum eines Unfallwagens eingeklemmt ist, kann es für den Tierarzt gefährlich werden. Man muss dann oft das verschreckte Tier erstmal in Narkose legen, um überhaupt heran zu kommen“, erzählt Rolf Urbich.

Auf Fakten konzentrieren

Solche Momente gehen dem Veterinär natürlich nahe, doch eine ordentliche Behandlung kann er nur dann vornehmen, wenn er seine Gefühle in solchen Momenten absperre und sich nur noch auf die Fakten konzentriere, sagt er. „Dass heißt aber nicht, das Tierärzte keine Gefühle haben“, betont der 73-Jährige. In seine Behandlungen müsse er immer auch die Menschen, also die Besitzer der Tiere, einbeziehen, sagt er.

Trotz aller Höhen und Tiefen in seinem Beruf, und trotz der Verletzung, die ihm immer noch zu schaffen macht, möchte er seine Arbeit noch nicht so ganz loslassen, sagt Rolf Urbich. „24 Monate sind meine Vision“, sagt der 73-Jährige. „Das halte ich noch durch. Dann bin ich 75. Das ist ein Wendepunkt“, ist der Veterinär überzeugt.

Wenn es nach Rolf Urbich geht, soll dann Isabelle Wolle seine Praxis übernehmen. Die Tierärztin wolle sich zunächst noch Fortbilden und in einer Spezial-Tierklinik in Posthausen ihre Fähigkeiten ausbauen, erzählt Rolf Urbich. Anschließend solle sie die Praxis übernehmen. Das sei seine Vision. „Aber eine Vision, mit ordentlichem Realitätscharakter“, ist der 73-Jährige überzeugt.

Merle Ullrich Nordenham / Redaktion Nordenham
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