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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Ritt auf Rasierklinge – Stadt wieder flüssig

30.12.2017

Nordenham Ein sicherlich für Jahrzehnte einzigartiger Tag in Nordenham bleibt der 13. Mai 2017. An diesem Samstag zieht die Gesundheitsversorgung in der Anfang 1975 in Betrieb genommenen Wesermarsch-Klinik an der Albert-Schweitzer-Straße um in die neue Helios-Klinik Wesermarsch an der Mildred-Scheel-Straße in Esenshamm. Wenige Tage zuvor, bei der offiziellen Einweihungsfeier für den 46-Millionen-Euro-Neubau am 9. Mai, übertreibt Geschäftsführer Torge Koop nicht, als er sagt, mit diesem modernen neuen Krankenhaus werde „ein Leuchtturm für die Region gesetzt.“

 Starker Schlussspurt

Auf der Zielgeraden zur Inbetriebnahme am 13. Mai muss Helios allerdings einen starken Schlussspurt hinlegen. Rest- und Mängelarbeiten werden nicht vollständig abgeschlossen. Architekt Professor Dr. Ingenieur Werner Vogt spricht bei der symbolischen Schlüsselübergabe humorvoll von einem „Ritt auf der Rasierklinge“. So beschreibt auch Torge Koop die Fertigstellung, nachdem der Umzug am 13. Mai mit 55 Patienten erfolgreich abgeschlossen ist.

Es folgen Wochen mit personellen Engpässen und vielen technischen Mängeln, die auch Verdruss in der Bevölkerung erzeugen. Manche Beobachter befürchten sogar, dass Helios Gefahr läuft, die großen Chancen dieses Neustarts zu verspielen. Helios bittet in der NWZ öffentlich um Entschuldigung und bessert Schritt für Schritt nach. Auch dank des erweiterten medizinischen Angebotes steuert die neue Klinik – trotz Anlaufschwierigkeiten – rasch auf Erfolgskurs. Das 120-Betten-Haus ist fast ausnahmslos voll belegt. Die Ausbaureserve für bis zu 235 Beten soll „zu gegebener Zeit“ genutzt werden.

Die Erfolgsweichen hat Torge Koop gestellt, der zum 1. Juli einen Karrieresprung macht. Der 44-Jährige Mediziner und Gesundheitsökonom übernimmt die Leitung des Helios-Hanseklinikums in Stralsund. Nachfolgerin in Esenshamm wir Birthe Kirberg (42). Sie bringt Erfahrungen vom Neubau und Umzug des Klinikums Schleswig mit.

 Historisches KaufHaus

Ein weiteres Erfolgsprojekt mit Ausstrahlung auf die Region gelingt in Abbehausen: Dem als einzigartig im Oldenburger Land geltenden historischen Kaufhaus droht keine Baufälligkeit mehr. Dank Initiative der Privateigentümerin Tanja Schiller und Fördergeldern wird die Gebäudehülle für insgesamt 188 000 Euro saniert. Die im August 2016 gestarteten Arbeiten werden im März vollendet. Das aus der Mitte des 19. Jahrhunderts vollständig erhalten gebliebene Kaufhaus-Inventar ist jetzt nachhaltig geschützt. Fördergeld (68 000 Euro) bewilligt auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die damit erstmals ein historisches Kaufhaus unterstützt.

Im Frühjahr verliert die hoch verschuldete Stadt ihren finanziellen Spielraum. Der Stadtrat beschließt daher im Februar Erhöhungen der Grund- und der Gewerbesteuer. Zudem werden Ausgabeposten gekürzt (so für Straßenunterhaltung) oder gestrichen (zum Beispiel für neue Maschinen für den Bauhof).

Um neuen Spielraum für die nächsten Jahren gewinnen zu können, sollen alle freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand gestellt werden – mit dem Ziel, im Jahr 2018 Kürzungen vorzunehmen.

 Desaster

Doch damit ist das Haushaltsdesaster nicht abgewendet. Denn der Kommunalaufsicht beim Landkreis ist die Kreditaufnahme für 2017 immer noch zu hoch. Daraufhin zeigen Bürgermeister Carsten Seyfarth (SPD) und alle Stadtratsfraktionen zunächst „klare Kante“ und verweigern weitere Einschnitte im Entwurf des Haushaltes für 2017.

Aber schon eine Woche später, am 9. März, beugt sich der Stadtrat den Vorgaben der Aufsicht und macht weitere Einschnitte. Davon betroffen ist auch die Grundschule Atens: Eingeplante 300 000 Euro für den Bau einer Mensa werden auf 2018 verschoben. Diese Mensa ist aber Voraussetzung für eine offene Ganztagsgrundschule in Atens.

 Eltern enttäuscht

Eltern sind enttäuscht. In der Einwohnerfragestunde der Stadtratssitzung melden sich pro Mensa-Bau ganz mutig auch Kinder zu Wort: Selina Gauks (9), Angelina Knaus (9) und Karina Pazer (10).

Im Juni stellt sich heraus, dass die Haushaltsabschlüsse für 2012 bis 2016 nicht so düster ausfallen wie erwartet. Bittere Folge: Die Stadt ist nicht mehr „arm“ genug, um zugesagte Bedarfszuweisungen des Landes tatsächlich zu bekommen. Somit fällt zusätzliches Fördergeld für die Erneuerung des Areals am Blexer Fähranleger weg. Dieses Vorhaben der Dorferneuerung muss daher auf 2018 verschoben werden. Auch die Neugestaltung der Dorfmitte muss warten – weil das Landesamt für Denkmalpflege den Abriss eines Wohn- und Geschäftshauses untersagt.

Zum Jahresende wird die Jugendherberge Nordenham geschlossen. Die Stadt könnte die Immobilie übernehmen. Ein Investor für ein Hostel ist im Gespräch.

 Sanierungsstau

Im August wird großer Sanierungsstau bei der Stadthalle Friedeburg bekannt. Besucherzahlen sind rückläufig. Lösungen sollen 2018 gefunden werden. Am 28. November fällt der Startschuss zur Gründung eines Fördervereins für das erneuerungsbedürftige Hallenbad Nord.

Im November teilt die Stadtverwaltung völlig überraschend mit: Die Finanzlage entspannt sich – vor allem dank Zuwächsen bei der Gewerbesteuer. Im Dezember gibt’s weitere gute Nachrichten: Vom Landkreis erhält die Stadt eine Sonderzuwendung über 749 504 Euro und vom Land zusätzlich 600  000 Euro.

 Neue Generation

Unterdessen beweist das Einswarder Werk von Premium Aerotec Stärke: Am 8. Juni wird die erste Rumpfschale für eine neue Flugzeuggeneration des Mutterkonzerns Airbus fertiggestellt – für das Programm neo der A 320-Flugzeugreihe.

Bereits im Februar startet Weser-Metall in Friedrich-August-Hütte den Bau eines neuen Reduktionsofens, der im zweiten Quartal 2018 in Betrieb genommen werden soll. Investitionssumme: 40 Millionen Euro. Im neuen Ofen sollen aus der im Hüttenbetrieb anfallenden Schlacke weitere 48 Prozent Blei gewonnen werden.

Ende April beenden die Norddeutschen Seekabelwerke (NSW) dank verbesserter Auftragslage vorzeitig die im Februar angeordnete Kurzarbeit. Anfang Dezember ist beschlossene Sache: NSW bekommt einen neuen Eigentümer. Die italienische Prysmian-Gruppe übernimmt den US-Konzern General Cable. Welche Folgen das für NSW hat, ist vorerst nicht absehbar.

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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