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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Das traurige Schicksal der Straßenkatzen

08.08.2019

Nordenham „Den Glauben an Tierhalter habe ich schon lange verloren“, sagt Silvia Kerney vom Tiersuchdienst Wesermarsch. Die Nordenhamerin engagiert sich seit zehn Jahren in dem Verein. Ihre langgehegte Überzeugung, dass Tierhalter gleichzeitig auch Tierfreunde seien, habe sie längst über Bord geworfen. Anlässlich des Internationalen Tages der Katze an diesem Donnerstag lassen sie und ihre Mitstreiterinnen Heidi Huth-Hinrichs und Sandra Jatsch die Arbeit des Vereins Revue passieren.

Die Katze ist das Haustier Nummer eins in Deutschland. Mehr als 13 Millionen Tiere leben in deutschen Haushalten. Um das Zusammenleben mit dem beliebten Haustier zu feiern, haben Katzenfreunde den Internationalen Tag der Katze ausgerufen. Doch Feierlaune kommt bei den Ehrenamtlichen des Tiersuchdienstes Wesermarsch nicht auf.

Zusammen mit den anderen aktiven Mitgliedern haben Heidi Huth-Hinrichs, Silvia Kerney und Sandra Jatsch im vergangenen Jahr 245 Katzen von der Straße gerettet. Was sich die Frauen bei ihren Einsätzen oft von Tierhaltern anhören müssen, sorgt für Kopfschütteln. „Wenn wir die Menschen darauf hinweisen, dass sie ihre Katzen mit Freigang doch bitte kastrieren sollen, ernten wir entweder Schulterzucken oder bekommen Antworten wie: ,Ein kastrierter Kater ist doch kein richtiger Kater mehr’ oder ,Wir wollen den Katzen doch nicht die Liebe nehmen’“, erzählt Silvia Kerney.

Seit 2013 gilt in Nordenham die Katzenverordnung. Erfährt die Stadt von Haltern, die ihre freilaufenden Katzen nicht kastrieren, drohen Geldstrafen. „Wir mussten bisher noch keine Geldstrafen verhängen“, sagt Ordnungsamtsleiterin Uschi Wilkens. Nach einer Mahnung hätten bisher alle Katzenhalter die Kastration nachgeholt. Silvia Kerney hingegen hält die Verordnung für wirkungslos. Die Tierhalter müssten gleich beim ersten Mal ein Bußgeld zahlen, fordert sie.

Krankheit und Tod

Werden Katzen nicht kastriert, vermehren sie sich unkontrolliert weiter. Die vielen zusätzlichen Tiere finden in der freien Natur nicht genügend Nahrung. Niemand fühlt sich für sie verantwortlich. Manche Tiere enden tot auf der Straße. Andere wiederum vegetieren krank vor sich hin.

Die Mitglieder des Tiersuchdienstes haben den Eindruck, dass Katzen für viele Tierhalter mittlerweile zu einer Art Wegwerfgegenstand geworden sind. Sie kennen unzählige Geschichten von Tieren, die irgendwann für ihre Besitzer lästiger Ballast geworden seien. Oder sei es ein Paar, das Kinder bekam und dem die Versorgung der Katzen zu viel wurde. Kurzerhand seien die Tiere auf die Straße gesetzt und fortan auch nicht mehr gefüttert worden. Die herumstreunenden Katzen seien Nachbarn aufgefallen. „Einmal haben wir die Besitzer von zwei Katzen ausfindig gemacht. Die waren dann ganz verwundert, dass wir die Tiere gefunden hatten. In der Zwischenzeit waren nämlich wieder zwei neue Tiere da“, sagt Heidi Huth-Hinrichs.

In Einzelfällen finden die Frauen auch Katzen vor, die mit einem Kabelbinder oder einem Kupferdraht um den Hals herumlaufen.

Die Tiersuchdienst-Mitstreiterinnen appellierten an die Bevölkerung, kranke herumstreunende Tiere sofort bei ihnen zu melden. Sonst könnten diese wie jener herrenlose Kater enden, dessen halbes Gesicht und ein Ohr von einem Krebsgeschwür schon entstellt gewesen war. Eine andere Katze hatte eine ganze Zeit mit einem von Maden befallenen Bauch unter einem Auto gesessen. „Und dann erzählen uns die Leute, dass ihnen diese Tiere sehr wohl schon lange aufgefallen seien“, sagt Silvia Kerney. „Aber sie ekeln sich davor, die Tiere anzufassen. Dabei hätten sie uns einfach nur anrufen müssen.“

Schlechte Aussichten

Streunende Katzen assoziieren viele Menschen nach wie vor besonders mit Südeuropa. Die Situation sei in Deutschland jedoch eine ganz ähnliche, versichern die Frauen vom Tiersuchdienst Wesermarsch. Da es in Deutschland nicht so warm wie in südlichen Ländern sei, hielten sich die Tiere aber mehr in Verstecken auf.

Die Zukunft der Katzenhaltung in Deutschland sehen Silvia Kerney, Heidi Huth-Hinrichs und Sandra Jatsch daher sehr pessimistisch. Jeder, der mit den Gedanken spiele, sich eine Katze anzuschaffen, sollte sich das genau überlegen. „Tierliebe bedeutet manchmal auch, kein Tier zu haben, wenn man sich nicht darum kümmern kann“, sagt Silvia Kerney.


     www.tiersuchdienst-wesermarsch.de 
Tatiana Gropius Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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