• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Freie Fahrt in der Fußgängerzone?

23.01.2019

Nordenham Der Mann auf dem Mountainbike zögert einen Moment. Er blickt auf das blaue Schild, das eine Mutter mit Kind an der Hand zeigt und ihm eindeutig zu verstehen gibt, dass er mit seinem Drahtesel hier nichts zu suchen hat. In dem Augenblick rauscht eine ältere Dame mit ihrem Rad an ihm vorbei und fährt ganz selbstverständlich durch die rot gepflasterte Fußgängerzone, als wäre die für sie gemacht. Da tritt der Mountainbike-Mann in die Pedale und radelt ihr hinterher.

Anfangs hat er noch ein schlechtes Gewissen. Aber das ist schnell verflogen, weil es die Passanten nicht die Bohne zu interessieren scheint, dass ein Radfahrer illegal in ihr Revier eingedrungen ist. Bei dieser Szenerie drängt sich eine Frage auf, die auch die Kommunalpolitiker im Nordenhamer Rathaus beschäftigt: Welchen Sinn hat ein Fahrradverbot in der Fußgängerzone, wenn sich sowieso niemand daran hält?

Mehr Leben

Zudem könnte eine Öffnung der Einkaufsmeile für Radfahrer zu einer Belebung der Innenstadt beitragen. Solche Überlegungen haben in Brake dazu geführt, dass Rat und Verwaltung das Tabu für Radler in der Fußgängerzone aufgehoben haben. Zuerst nur probeweise für ein halbes Jahr, inzwischen auf Dauer.

In Nordenham ist das Radfahren in der Fußgängerzone nur morgens und nachts gestattet. Genauer gesagt: im Zeitraum von 20 bis 10 Uhr.

Trotz der positiven Erfahrungen in der Kreisstadt hat der Nordenhamer Bürgermeister Carsten Seyfarth derzeit wenig Interesse daran, das Braker Modell zu übernehmen. „Es gibt dazu kein Denkverbot“, sagt er, „aber momentan ist das kein Thema.“ Der Bürgermeister verweist darauf, dass eine Fußgängerzone nun einmal grundsätzlich für Fußgänger und eben nicht für Radfahrer gedacht sei. „Fußgänger sollen sich dort möglichst ungestört bewegen können“, betont Carsten Seyfarth, „das ist die Ausgangslage.“

Er macht kein Geheimnis aus seiner Befürchtung, dass sich Radler „nicht an die Spielregeln halten“ und es daher bei einer Freigabe der Fußgängerzone zu Beeinträchtigungen für die Passanten kommen würde.

Eine Sonderrolle hat bei den Überlegungen der nördliche, von vielen Leerständen geprägte Abschnitt der Fußgängerzone. Vor allem die Wählerinitiative Nordenham (WIN), die mit einer dreiköpfigen Fraktion im Stadtrat vertreten ist, fordert immer wieder, diesen Bereich für den Verkehr zu öffnen – also für Radfahrer und Autos. Davon verspricht sich die WIN eine Impulswirkung, die zu neuen Geschäftsansiedlungen führen könnte.

Bürgermeister Carsten Seyfarth zeigt sich aufgeschlossenen gegenüber solchen Gedankenspielen, hält aber den Zeitpunkt für falsch. Zunächst müsse abgewartet werden, wie das Konzept für die geplante Neugestaltung und Bebauung eines etwa 4000 Quadratmeter großen Areals im Bereich der früheren Bäckerei Harries aussieht. Die Gemeinnützige Nordenhamer Siedlungsgesellschaft (GNSG), deren Hauptanteilseignerin die Stadt Nordenham ist, hat die Grundstücke gekauft. Bisheriger Plan ist, dass die GNSG die Flächen an einen Investor weiter veräußert, der dort ein Fachmarktzentrum errichtet.

Frist bis Ende März

Ob und in welcher Form aus dem Fachmarktzentrum etwas wird, entscheidet sich in diesem Frühjahr. Die Stadt Nordenham hat dem Projektentwickler eine Frist bis zum 31. März gesetzt. Bis dahin müssen die Planer des Fachmarktzentrums ein Konzept vorlegen, in dem die Mieter, die Nutzungszwecke und die städtebaulichen Vorstellungen beschrieben werden. Auf dieser Grundlage wollen Rat und Verwaltung darüber befinden, wie es mit dem Projekt weitergeht. Wenn das Konzept nicht mehrheitsfähig sein sollte, wäre diese Investorenvariante vom Tisch. Zudem muss es eine Einigung mit der GNSG über den Kaufpreis geben.

Falls das Investorenmodell scheitert, ist laut Carsten Seyfarth beabsichtigt, dass die GNSG selbst das Areal bebaut. In dem Zusammenhang steht auch die Errichtung einer Rathaus-Außenstelle an dem Standort zur Diskussion.

So lange nicht geklärt ist, was in dem Plangebiet für das Fachmarktzentrum geschieht, sollte nach Meinung des Bürgermeister ein Beschluss über die mögliche Verkehrsfreigabe der nördlichen Fußgängerzone zurückgestellt werden.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2201
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.